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Ein Böller und ein lauter Knall

Ein 31-Jähriger hat an Neujahr einen Automaten gesprengt. Seinen angeblichen Komplizen hat aber niemand gesehen.

© Fabian Schröder

Von Alexander Schneider

Irgendwann hat Eric L. im Jahr 2017 die Kurve gekriegt. Er hat einen Montagejob, verdient eigenes Geld, das Leben habe einen Sinn, wie der 31-jährige Deutsche sagt. Da passt es nicht, wenn die Justiz ihn mit alten Sünden konfrontiert. Geständnis gegen Bewährungsstrafe, schlägt die schnelle Anwältin vor. Ihr Mandant scheint ein Überlebenskünstler der besonderen Sorte zu sein. Seine früheren Eskapaden – er hat 18 Einträge im Vorstrafenregister – hatten L. nie ins Gefängnis gebracht. Stets kam er mit Bewährungsauflagen oder Geldstrafen davon.

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Nun aber musste sich der Mann am Amtsgericht Dresden für die Sprengung eines Zigarettenautomaten verantworten. Laut Anklage hat er am 1. Januar 2017 um 16 Uhr in der Scharfenberger Straße einen Böller in einen Automaten gesteckt und angezündet. Anschließend sei er mit einer Bargeldkassette und Zigarettenschachteln geflohen. Schaden: über 4 500 Euro.

L. sagte, er sei volltrunken und mit einem Kumpel auf dem Heimweg von einer Silvesterfete gewesen. Den Böller habe der Kumpel dabeigehabt, so L. Er habe sehen wollen, wie es kracht. Doch das Getöse blieb nicht unbeobachtet. Mehrere Zeugen hatten L. gesehen, jedoch keinen Begleiter. Sie sahen auch, wie der Täter geistesgegenwärtig die Beute einsackte und auf der Flucht gewandt über Zäune und Mauern sprang. Pech für Eric L.

Das Schöffengericht verurteilte den Mann – drei Sitzungstage waren nötig – zu einer Freiheitsstrafe von einem Jahr und acht Monaten. Darin enthalten sind mehrere frühere Urteile. Die Staatsanwältin sah keinen Anlass für eine erneute Bewährungsaussetzung, das Gericht jedoch schon. Der Monteur bleibt in Freiheit.