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Ein Bürgermeister aus Dresden

Winfried Lehmann ist der Neue im Rathaus. Mit reichlich guten Ideen, die den Radebeulern nützen sollen.

© Norbert Millauer

Von Peter Redlich

Radebeul. Eigentlich kann er seit knapp einem Monat zu Fuß zur Arbeit gehen. Winfried Lehmann (59, CDU) ist Radebeuler, wohnt in Mitte. Das Radebeuler Rathaus ist von seinem Zuhause nur anderthalb Kilometer entfernt.

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Das mit dem zu Fuß gehen macht er auch, wenn es die Termine zulassen. Sein Terminkalender im Outlook-Fach füllt sich gerade. Er ist der Zweite Bürgermeister, zuständig für das Personal der Stadt, für Ordnung und Sicherheit, das Stadtarchiv, das Meldeamt. Und OB Bert Wendsche (parteilos) hat ihm noch die Verantwortung für den städtischen Sportstättenbetrieb übertragen. Da muss keine Langeweile aufkommen. Auch nicht, wenn das bisherige Amt in Dresden eine noch ganz andere Dimension hatte. Dort war er ebenso der Verwaltungsbürgermeister – zuständig für etwa 1 000 Mitarbeiter und mit einem Etat von rund 280 Millionen Euro.

Nicht weniger Aufgaben

Die neue Mitarbeiterzahl und der Etat machen etwa ein Zwanzigstel im Vergleich zur Landeshauptstadt aus. Was nicht weniger Aufgaben bedeuten muss, sagt Lehmann. Wenn er jetzt beim Fleischer Münch in Ost zum Mittagessen geht, wird der Neue angesprochen auf die Parkplatzsituation am Bahnhof gegenüber. Vom Lößnitzstadion und dem Krokofit-Freizeitzentrum wohnt der Zweite Bürgermeister nur einen großen Steinwurf entfernt. „Du bis tiefer dran, brauchst wieder ganz normales Handwerkszeug“, sagt er. Mit den Leuten direkt reden, das sei viel besser als Mails zu schreiben und einen Akt anzulegen, der sich zu einem Berg auswächst.

Das mit den Parkplätzen und Falschparkern ist da so ein Thema. Winfried Lehmann will noch nichts versprechen. Aber das punktuell – etwa in Radebeul-West – etwas geschehen müsse, das weiß er schon heute. Ihm ist auch klar, dass seine wenigen Mitarbeiter im Gemeindlichen Vollzugsdienst, wie Politessen auf Amtsdeutsch heißen, sich nicht zerteilen können. Aber er will mit ihnen reden, damit sie wirklich zu den schwierigen Zeiten am Ort des Geschehens sind.

Mehr Kontakt zu Vereinen

Nicht anders bei den Sportstätten. „Wir brauchen mehr Kontakt zu den Vereinen in der Stadt. Die Vereine, die freiwillige Feuerwehr, das macht doch das Leben in Radebeul aus. Wenn du die für eine Sache begeistern kannst, dann kostet das nicht zuerst viel Geld“, sagt der Neue, der sein Büro im Erdgeschoss vom Rathaus hat.

Viele Dinge hat er aus der Landeshauptstadt nicht mitgebracht. Das Bild mit den Volleyballerinnen vom DSC, als sie Deutscher Meister geworden sind und er gratulieren durfte, das steht jetzt in Radebeul.

Lehmann spricht vom SSV-Planeta-Bootshaus und nennt es ein Pfund für die Stadt, dass es hier so etwas gibt. Dass das Weinbergstadion der Fußballer wieder unter die Stadtfittiche kommt, erleichtere die Kontrolle der Spielzeiten, sagt er, auf den Konflikt mit Anwohnern anspielend. Und die Jugendherberge gleich neben dem Krokofit, das biete noch jede Menge Potenzial, Sportwettkämpfe und Unterkunft miteinander zu verbinden.

Viele neue Ideen

Winfried Lehmann hat nicht nur seine Aktentasche aus Dresden in die Radebeuler Pestalozzistraße mitgebracht. Im Kopf stecken neue Ideen. Wenn das Personal immer weniger wird, die Arbeit aber mehr, dann müsse auch fortgesetzt mit Coswig und Moritzburg darüber nachgedacht werden, wie man sich Amtsarbeit teilen kann.

Selbst mit Dresden sollte, so Lehmann, manches unkomplizierter zu organisieren sein. Wenn die neue Radebeuler Tourist-Information aufgebaut wird, könnte darin die Landeshauptstadt ihren Platz bekommen, wie umgekehrt Radebeul und das Elbland dort. Und manche frühere Knisterei zwischen Dresden und Radebeul lasse sich vielleicht jetzt schneller über den Lehmann-Kontakt schon am Telefon lösen.

Genau wegen dieser neuen Ideen und Möglichkeiten hat die große Mehrheit der Radebeuler Stadträte gewollt, dass der vorherige Dresdner Bürgermeister hier einzieht. Jetzt muss Winfried Lehmann seine Absichten umsetzen.