merken

Sport

Ein Deutscher ist König der Leichtathleten

Niklas Kaul macht die WM-Sensation perfekt. Er gewinnt den Zehnkampf mit einer Spitzenleistung nach der anderen.

Niklas Kaul bejubelt seinen überraschenden Erfolg.
Niklas Kaul bejubelt seinen überraschenden Erfolg. © dpa/Michael Kappeler

Doha. Niklas Kaul hat sich mit einer irren Aufholjagd bei der Weltmeisterschaft in Katar zum neuen König der Leichtathleten gekrönt. Er gewann nach einem Galaauftritt mit neuer Bestmarke von 8.691 Punkten bei seinem WM-Debüt sensationell Gold vor dem Esten Maicel Uibo mit 8.604 Zählern und dem Kanadier Damian Warner mit 8.529 Punkten. Nach dem Coup des deutschen Zehnkämpfers, der erst in der letzten Stunde des Tages der Deutschen Einheit feststand, jubelte ihm auf der Tribüne seine Familie zu.

OSTRALE Biennale O19

Die zweite Biennale und 12. OSTRALE widmet sich ab dem 11. Juni bis zum 1. September dem Leitgedanken „ismus“.

Weiterführende Artikel

Symbolbild verwandter Artikel

Eine Katarstrophe für alle

Die Leichtathletik-WM in Doha ist von Extremen beherrscht. Extreme Hitze, extrem wenig Zuschauer und extreme Geldverschwendung. Ein Kommentar.

Symbolbild verwandter Artikel

Dresdnerin stößt unerwartet zu WM-Bronze

Christina Schwanitz gewinnt bei der Leichtathletik-WM die Bronzemedaille. Die 33-Jährige hat Zwillinge, studiert, ist eine Powerfrau - sagt einer, der es wissen muss.

Wie entfesselt lieferte Kaul am zweiten Wettkampftag eine Spitzenleistung nach der anderen ab und stieg am Ende eines so kräftezehrenden Wettbewerbs mit 21 Jahren und 234 Tagen zum mit Abstand jüngsten Zehnkampf-Weltmeister aller Zeiten auf. Vor ihm hatte diesen Titel Torsten Voss getragen, der 1987 in Rom mit 24 Jahren und 164 Tagen gewann. Der DDR-Leichtathlet hatte bisher auch als einziger Deutscher Zehnkampf-Gold gewonnen. Jetzt trat Kaul sein Erbe an - und das ausgerechnet am 3. Oktober.

Kaul ist der Aufsteiger der Szene. Dass der U-23-Europameister bereits in der Wüste den großen Durchbruch schafft, danach sah es lange nicht aus. Er profitierte dabei auch vom Ausfall des Weltrekordlers Kevin Mayer aus Frankreich, der beim Stabhochsprung aufgrund von Achillessehnenbeschwerden ohne gültigen Versuch aufgeben musste.

Nach dem ersten Tag belegte Kaul den elften Platz. Doch dann setzte er zur Aufholjagd an. Keiner holt im Speerwurf und über die abschließenden 1.500 Meter mehr Zähler als der Lehramtsstudent (Physik und Sport). "Morgen kann ich aufholen. Der erste Tag ist meistens Schadensbegrenzung", sagte er schon nach der Halbzeit.

Zitterpartie im Weitsprung bringt ihn nicht aus der Ruhe

Mit 14,64 Sekunden über 110 Meter Hürden, 49,20 Metern im Diskuswerfen, fünf Metern im Stabhochsprung, 79,05 Metern im Speerwerfen und 4:15,70 Minuten über 1.500 Meter holte Kaul auf und verbesserte sich in der deutschen Bestenliste auf Rang fünf.

Doch was ist das schon im Vergleich zu diesem Titel? Kaul kündigte bereits vorher an, dass er in Katar Großes vorhat, nämlich wie Frank Busemann 1996 bei Olympia in Atlanta die Zehnkampf-Welt aufzumischen. "Wir wollten beide schon in jungen Jahren die Großen und Alteingesessenen ärgern. Ihm ist das dort gelungen, und ich hoffe, mir gelingt es zuerst in Doha und dann auch in Tokio", sagte Kaul vor seiner WM-Premiere.

Dann setzte er seine Ankündigung in die Tat um und ließ sich dabei auch nicht von einer Zitterpartie beim Weitsprung aus der Ruhe bringen. Sein erster Durchgang war zwar gleich der beste Versuch, wurde aber erst nur mit 6,32 Metern gewertet. Doch die Fernsehbilder bewiesen, dass er deutlich hinter der Sieben-Meter-Marke gelandet war. Das deutsche Team legte Protest ein, und Kaul bekam 7,19 Meter gut geschrieben. (sid)