merken

Ein Dorf atmet auf

In Zeithain ist man nach der Aufklärung der Einbruchsserie erleichtert. Über die Bestrafung der Teenager-Bande gehen die Meinungen weit auseinander.

© Symbolfoto: dpa

Von Antje Steglich

Anzeige
Berufsbegleitend Pflege studieren

Studieren und weiter berufstätig sein? Bewerben Sie sich jetzt an der Evangelischen Hochschule Dresden!

Zeithain. Das Gerücht ist nun Gewissheit: Hinter einer Serie von Straftaten in den vergangenen Monaten, vor allem in und um Zeithain, steckt eine Teenager-Bande. Für die Polizei ist eine Vielzahl der Fälle geklärt – und im Dorf selbst reagiert man erfreut. „Wir sind natürlich erleichtert“, sagte Bürgermeister Ralf Hänsel (parteilos). Denn neben Einbrüchen in Firmen, Supermärkte, Gärten und Garagen sollen die Jugendlichen im Alter zwischen 14 und 17 Jahren unter anderem auch in die Kita auf der Schulstraße und in den Hort im Ring der Freundschaft eingebrochen sein. Vor allem der Sachschaden war jedes Mal hoch und mehr als ein Ärgernis für die Kommune. Ralf Hänsel hatte bereits angekündigt, die öffentlichen Einrichtungen künftig besser schützen zu wollen. Der Forderung nach drakonischen Strafen für die minderjährigen Täter, wie sie derzeit unter anderem in den sozialen Netzwerken laut werden, will sich der Bürgermeister allerdings nicht anschließen.

„Ich bin bekanntermaßen Jugendschöffe“, erklärte Ralf Hänsel, „und das Thema ist sehr komplex. Einfach härtere Strafen zu fordern, ist sicherlich falsch. Gleichwohl muss das Eigentum geschützt werden. Ich bin da ambivalent.“ Er hofft deshalb darauf, dass die Maßnahmen, die das Gericht bei einer möglichen Verhandlung verhängen wird, die Jugendlichen künftig davon abhalten werden, weitere Straftaten zu begehen. Ähnlich hatte sich auch schon Zeithains Pfarrerin Grit Skriewe-Schellenberg geäußert, nachdem es einen Brand-Anschlag auf die Kirche Röderau gegeben hat – zu dem die Polizei allerdings noch immer ermittelt. „Die Aggressivität nimmt immer mehr zu. Die Taten sind so willkürlich“, sagte die Pfarrerin. Mittlerweile leide das ganze Dorf. Neben Einbrüchen, Ladendiebstahl und Brandstiftung habe es in Zeithain zuletzt auch diverse andere Störungen gegeben. Vor Weihnachten hätten einmal alle Papiertonnen im Teich gelegen, ein anderes Mal waren die frisch gepflanzten Bäumchen herausgerissen. „Wir machen deshalb die Kirche schon gar nicht mehr auf“, erzählte Grit Skriewe-Schellenberg.

Sie weiß, dass der Ärger auf die Jugendlichen groß ist. Schließlich machten es sich die Dorfbewohner nicht schön, damit ein paar Rabauken sinnlos randalieren können. Die Pfarrerin verweist allerdings auch darauf, dass einige Jugendliche scheinbar in einer Art Parallelwelt leben, die ganz weit weg von dem normalen Alltag mit Schule, Ausbildung oder Job ist. Oft fehlten feste Strukturen und verlässliche Ansprechpartner.

Dass es sich bei den Tätern fast noch um Kinder handelt, will manch anderer allerdings nicht als strafmildernd gelten lassen. „Allen sollten sie eine Jugendstrafe von fünf Jahren aufbrummen. Ohne jegliche Aussicht auf Bewährung“, schreibt beispielsweise Facebook-Nutzer Sebastian Kujath zu dem Thema.

Und Carolin Neumann ergänzt: „Es nimmt einfach überhand. Aber wenn sie ihre Chancen, einen besseren Weg zu gehen, nicht nutzen, dann müssen die Jugendlichen mit den Konsequenzen leben.“ „Rotzlöffel“ nennt Schmodti Langosh die Jugendlichen und glaubt – wie auch andere SZ-Leser, dass die kriminelle Energie auch aus der Erziehung und fehlenden Hobbys herrührt.