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Ein echter Macher geht

Radebergs Klinikchef Tobias Oertel räumt am Freitag seinen Stuhl. Ein Nachfolger kommt Mitte Februar aus Hamburg.

© Willem Darrelmann

Von Jens Fritzsche

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Die Kanne mit dem schwarzen Tee wird auch am Freitag auf seinem Schreibtisch stehen. So wie immer. Und doch: Ein normaler Arbeitstag wird es nicht werden. Es ist sein letzter hier.

Tobias Oertel, der Verwaltungsleiter des Radeberger Krankenhauses, geht. Freiwillig. Und doch nicht unbedingt begeistert. „Der Asklepios-Konzern, zu dem ja unser Krankenhaus gehört, hat mir vor fünf Jahren die große Chance gegeben, hier vom Controller zum Manager zu wechseln –  dafür bin ich enorm dankbar“, sagt Tobias Oertel rückblickend.

Er sagt auch, dass er die Sicht der in Hamburg ansässigen Klinik-Gruppe stets mit großer Begeisterung geteilt hat, „dass Entscheidungen sehr dezentral, also vor Ort getroffen werden konnten“. Das habe ermöglicht, die Mitarbeiter an den verschiedenen Standorten wirklich in Entscheidungen einbinden zu können, „und auch mal wenig fröhliche Entscheidungen erklären zu können“, fügt er an. Aber in den vergangenen Monaten habe sich da ein gewisser Wandel gezeigt, „sodass ich die Entscheidung getroffen habe, mich für die Zukunft noch einmal neu zu orientieren“, begründet Tobias Oertel seinen Schritt.

Eine echte Mannschaft

In jedem Fall wird das am Freitag für den scheidenden Klinik-Chef ein Tag sein, „an dem ich mir sicher die eine oder andere Träne verdrücken werden muss“, sagt Tobias Oertel. „Wir haben immer ein sehr offenes und vor allem ehrliches Miteinander gepflegt, wir haben hier ein richtig tolles Team –  eine echte Mannschaft“, sagt er. Dieses Gefühl, dieses Miteinander, werde ihm fehlen. „Ich habe wirklich vielen hier im Haus eine Menge zu verdanken, die mit viel Vertrauen auch unkonventionelle Wege mit mir gemeinsam gegangen sind – da ist mir auch immer viel Vertrauen entgegengebracht worden“, schwärmt er. Und ist noch immer hörbar begeistert, wenn er erzählt, „wie wir Entscheidungen stets im Team mit dem ärztlichen Direktor Dr. Matthias Czech und der Pflegedienstleiterin Heike Lamprecht getroffen haben!“ Nur so konnte etwas richtig Gutes dabei herauskommen, ist er überzeugt.

Rund 15 Millionen Euro verbaut

Und an solchen Projekten hat Tobias Oertel eine ganze Menge auf den Weg gebracht. Vor zwölf Jahren war er nach dem Studium nach Radeberg gekommen, hatte zunächst sieben Jahre lang als Controller die Zahlen der Klinik im Blick und rückte dann vor fünf Jahren auf den Chefsessel. Und in diesen fünf Jahren hat er rund 15 Millionen Euro verbaut. Eine neue Notfallaufnahme ist entstanden, das leidige Parkplatzproblem des Krankenhauses ist gelöst, ein Blockheizkraftwerk sorgt für umweltfreundliche Energie – und vor allem, ist das Nebengebäude aufgestockt worden. „Das war schon eine ziemliche Nummer“, denkt Tobias Oertel mit einem Schmunzeln zurück. Denn hier hatte das Klinik-Team quasi aus einer dramatischen Not eine echte Tugend gemacht.

Der Tornado 2010 hatte bekanntermaßen das Dach des Gebäudes wie den Deckel einer Ölsardinendose aufgerissen. Es war ein wirkliches Wunder, dass dabei niemand verletzt wurde. Nun stand die Frage: Sanieren oder gleich die Chance nutzen, hier ein komplett neues Geschoss aufsetzen und so neue, dringend benötigte Büroräume und auch Konferenzmöglichkeiten zu schaffen. „Wir haben uns für letzteres entschieden – und haben auf diese Weise auch gleich neue Räume für die medizinische Behandlung bekommen, die ja durch den Umzug der Büros frei geworden waren“, denkt Tobias Oertel zurück. Und es ist für ihn „jedes Mal eine Freude, wenn ich abends zu meinem Auto gehe und die hell erleuchteten Räume oben im Konferenzbereich sehe, das macht mich schon ein klein wenig stolz …“

Diesen Weg zum Parkplatz wird er am Freitag nun vorerst zum letzten Mal gehen. „Ich nehme jetzt erst mal ein Stückchen Auszeit“, sagt er. Das Ganze werde nun so etwas wie eine nachträgliche Elternzeit, „die ich ja bei keinem meiner drei Kinder genommen habe“. Tobias Oertel wird in der Region bleiben – in Dresden, „wo wir sozial verwurzelt sind“, beschreibt er. Ruhe finden, um dann neu zu starten. „Und die Erfahrungen in Radeberg“, stellt er klar, „die werden mir unbedingt helfen!“

Gute Chancen für die Klinik

Verabschieden wird er sich heute von seinen Kollegen mit ein paar Häppchen und Sekt. „Mich einfach davonzuschleichen, ist nicht meine Art – und wäre bei diesem tollen Team auch nicht richtig“, ist er überzeugt. Und seinem Nachfolger – Tim Richwien, der Mitte Februar aus Hamburg nach Radeberg kommen wird – wünscht er von Herzen alles Gute, stellt Tobias Oertel klar. „Die Chancen für unser kleines, aber feines Krankenhaus stehen ja bestens“, ist er jedenfalls überzeugt. Die Finanzen seien in Ordnung, auch medizinisch sei das Haus auf sehr, sehr hohem Niveau unterwegs. „Auch, wenn wir mit nur 125 Betten ein vergleichsweise kleines Krankenhaus sind, haben wir richtig gute Karten – und das liegt auch an diesem wunderbaren Team“, ist Tobias Oertel überzeugt. Und wer ihm zuhört, hört auch, dass er noch immer „wir“ sagt.

Und ein paar Projekte hätte er wohl auch gern noch mit umgesetzt. Einen Erweiterungsbau zum Beispiel, für den die Pläne ja bekanntlich längst in der Schublade liegen. „Das hätte mich schon noch gereizt“, gibt er durchaus zu. „Ich hätte also auch in Zukunft hier keine lange Weile gehabt“, sagt er lachend. Auch, wenn in diesem Lachen spürbar ein wenig Traurigkeit mitschwingt. „Aber die Entscheidung ist nun mal gefallen – und ich freue mich jetzt erst mal auf mehr Zeit mit der Familie!“

Aber Radeberg werde immer ein Teil von ihm bleiben, sagt er mit dem dampfenden Darjeeling in der Hand.

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