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Ein Engel für Radebeul

Die Brunnenfigur im Karl-May-Garten wird wieder aufgestellt. Ein Besuch in der Steinmetzwerkstatt.

© SZ/Redlich

Von Peter Redlich

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Im grünen Herzen des waldreichen Landschaftsschutzgebietes Oberlausitzer Bergland sprudelt ein ganz besonderer Schatz: Oppacher Mineralwasser, das überall dort zu Hause ist, wo Menschen ihre Heimat genießen.

Radebeul. Steinbildhauer Markus Faust setzt das Vergleichsmaß an. Neben dem großen Sandsteinblock steht eine Gipsfigur – 2,70 Meter hoch, 90 mal 90 Zentimeter im Sockel. Ein riesiger Engel.

So stand er einst bis 1974 im Karl-May-Garten.
So stand er einst bis 1974 im Karl-May-Garten.
Die Vorlage aus Gips.
Die Vorlage aus Gips. © Karl-May-Stiftung

Ältere Radebeuler werden sich noch erinnern: Diese Figur schmückte bis 1974 den Karl-May-Garten hinter der Villa Shatterhand. 1918, kurz vor Ende des Ersten Weltkriegs und mit der Sehnsucht nach Frieden, beauftragte Mays Witwe Klara den Bildhauer Professor Paul Peterich (1864-1937) mit der Gestaltung des Brunnenengels. Es war die Erinnerung an Karl Mays (1842-1912) Spätwerk „Ardistan und Dschinnistan“ und „Friede auf Erden“, pazifistisch und mystisch, in welchen sich der Schriftsteller um den Frieden in der Welt und Europa bemühte.

Der Friedens- oder Brunnenengel war das Schmuckstück des Gartens. Von seinem Sockel floss Wasser in das Becken, welches heute noch da ist. Aus Baufälligkeit wahrscheinlich, so Werner Schul, Vorsitzender der Karl-May-Stiftung, wurde zu DDR-Zeiten das Denkmal abgerissen. Andere sprechen von Zerstörung. Belege gibt es dafür allerdings nicht. Jetzt, zum 90-jährigen Jubiläum des Karl-May-Museums, soll der Engel wieder an seinen Platz kommen. Schul: „Wir wollen damit den Auftakt machen und einen Paukenschlag für die Neuausrichtung des Museums mit dem geplanten Neubau bieten.“

Am 1. Dezember soll der Brunnenengel zur Jubiläumsfeier eingeweiht werden. Der gesamte Karl-May-Garten steht unter Denkmalschutz. Das Vorhaben wird von den Fachleuten der Denkmalbehörde ständig begleitet.

Doch vorerst steht der Block aus sächsischen Sandstein aus den Postauer Brüchen im Elbsandsteingebirge in der Steinmetzwerkstatt von Sebastian Hempel in Dresden-Tolkewitz. Bildhauer Marcus Faust, von dem beispielsweise auch Mars und Venus neben dem Hygienemuseum in Dresden stammen, hat zuerst die Flügel gestaltet. Sie sind weitausladend und vor allem schwer. Die Arbeiten weiter unten kommen später dran, so hat der Sandsteinblock dort noch mehr Gewicht und bleibt standfester.

Bosieren nennen Bildhauer das Vorformen, zwei bis drei Zentimeter über dem Material, aus dem die eigentliche Detailform entsteht. Am Gesicht des Engels bosiert der Bildhauer noch. Punktieren bis ins Detail kommt danach. Die Konturen sind inzwischen deutlich zu erkennen.

Der Rohblock aus Sandstein hat beim Antransport nach Dresden elf Tonnen gewogen. Fertig bearbeitet wird es deutlich weniger sein, etwa 1,5 Tonnen. Auch die Modellvorlage ist schon bildhauerisch aufwendig. Das Modell stammt von der Künstlerin Romy Karen Kumann. Lediglich Fotografien von der Karl-May-Stiftung dienten dafür als Vorlage.

Etwa ein halbes Jahr wird Marcus Faust am Brunnenengel arbeiten. Im Sockelinnern soll die Figur, wie einst auch, noch Rohrleitungen für das Wasserspiel bekommen. Ende November wird dann ein spezielles Gestell gezimmert und der fertige Engel nach Radebeul gefahren.

Die Karl-May-Stiftung hatte im vorigen Jahr zu Spenden für das Wiederherstellen des Engels gebeten. Rund 70 000 Euro werden gebraucht, sagt Werner Schul. Viele haben sich schon an der Aktion beteiligt.

Museumsdirektor Christian Wacker hat schon weitere Ideen: Den Engel soll es in Sandstein künftig auch in klein geben – zum Kaufen im Museum. Und auch der neben dem Engel befindliche ehemalige chinesische Pavillon gehört zu den Plänen der Stiftung. Stiftungsvorstand Werner Schul: „Den möchten wir auch wieder aufbauen. Aber erst später.“

Am 1. Dezember, anlässlich des 90-jährigen Bestehens des Karl-May-Museums, will Direktor Wacker mit seiner Mannschaft den sogenannten Masterplan vorstellen. Der Plan soll die Ausrichtung des Museums für die nächsten Jahre beinhalten. Dazu gehören klassisch die Bereiche Indianistik, ergänzt durch die heutige Kultur der Ureinwohner Amerikas, sowie stärker als bisher der orientalische Teil des Karl-May-Erbes in der Villa Shatterhand.

Wesentliches Bauvorhaben im Masterplan ist das neue Gebäude an der Nordseite des Museumsgeländes mit der Öffnung zur Meißner Straße. In den nächsten Monaten, so Werner Schul, soll die Finanzierung des Vorhabens samt Fördergelder geklärt werden.

Der Brunnenengel wird dann die neuen Vorhaben bereits begleiten.

Spendenkonto der Karl-May-Stiftung

Dresdner Volksbank Raiffeisenbank eG

BIC: GENODEF1DRS – IBAN: DE34 850900004912122013, Verwendungszweck: ´Brunnenengel‚