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Ein Engel kommt zurück

Die Karl-May-Stiftung ruft zu Spenden für eine seit mehr als 50 Jahren verschwundene Brunnenfigur auf. Ein Anlass: Am Sonntag hat der berühmte Schriftsteller Geburtstag.

© Karl-May-Stiftung

Von Peter Redlich

Nur keine Socken

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Radebeul. Zwischen der Villa Shatterhand und der Villa Bärenfett im Karl-May-Museum soll es bald wieder so aussehen wie vor 54 Jahren. Seit 1964 gab es dort einen Brunnen mit einem besonderen Engel drauf. Bis 1974 zierte der Brunnenengel mit seinem Wasserspiel den Garten der Villa Shatterhand. „Bis das imposante Kunstwerk aufgrund einer verfehlten Kulturpolitik zerstört wurde“, schreibt Ralf Harder vom Vorstand der Karl-May-Stiftung.

Toleranz, Völkerverständigung und Friedensliebe seien damals nicht mit einer Sandsteinskulptur in Verbindung gebracht worden. Ahnungslos sei der Brunnenengel vernichtet worden, der Karl Mays pazifistisches und mystisches Alterswerk „Ardistan und Dschinnistan“ veranschaulichte, so Harder. Damals habe der Dichter seine literarische Hochebene erreicht.

Bereits 1918, kurz vor Ende des Ersten Weltkriegs und mit der Sehnsucht nach Frieden, beauftragte Mays Witwe Klara den Bildhauer Professor Paul Peterich (1864–1937) mit der Gestaltung des Brunnenengels.

Einhundert Jahre später soll jetzt der Brunnenengel mit seinem Wasserspiel als originalgetreue Rekonstruktion wieder aufgestellt werden. Und zwar zum 90. Jubiläum des Karl-May-Museums am 1. Dezember dieses Jahres.

Die Karl-May-Stiftung in Radebeul bittet als Träger des Museums die Karl-May- und Kunstfreunde um finanzielle Unterstützung. Die Engelsfigur soll in hochwertigem Postaer Sandstein anhand historischer Fotos von der seit vier Generationen bestehenden Steinbildhauerei Hempel GmbH, Dresden, durch den Bildhauer, Steinmetz und Steinbildhauermeister Sebastian Hempel neu entstehen.

Die Rekonstruktionskosten für den Brunnenengel mit seinem Wasserspiel werden etwa 80 000 Euro betragen. Ralf Harder: „Mit einer Spende wird die Wiederkehr dieses bedeutenden Kunstwerkes Wirklichkeit! Alle Spender, die das Projekt der Wiedererrichtung des Brunnenengels mit mindestens 5 000 Euro unterstützen, werden mit ihrem Namen oder ihrer Institution auf einer Spenderplatte im Umfeld der Skulptur verewigt.

Gewürdigt wird die Aktion der Stiftung von Claus Roxin. Der bekannte Professor für Rechtswissenschaft, der Ehrenkurator der Karl-May-Stiftung und Ehrenvorsitzender der Karl-May-Gesellschaft ist, sagt: „Der vor hundert Jahren von Paul Peterich geschaffene Brunnenengel ist ein Kunstwerk, das auch Karl May glücklich gemacht hätte.“ Der Maler, Grafiker und Bildhauer Sascha Schneider, der vor der ersten Herstellung des Engels beratend mitgewirkt hat, schrieb am 2. April 1920 an Klara May: „Sie haben jetzt eine wundervolle Figur. Ich bedaure nur, daß Karl May das nicht noch erleben konnte.“

Die Rekonstruktion des Brunnenengels lässt aber nicht nur ein bedeutendes Kunstwerk neu entstehen. Sie wird zugleich alle Besucher der Villa Shatterhand und ihres Gartens auf Mays Spätwerk und seine Friedensbotschaft hinweisen, ist sich der Vorstand der Stiftung sicher. Denn der Brunnenengel, der bei Karl May in beiden Bänden von „Ardistan und Dschinnistan“ eine Rolle spielt und in der Wüste das lebenserhaltene Wasser spendet, sei ein Symbol der göttlichen Verkündigung.

Ralf Harder: „Es wäre wunderbar, dieses zentrale Werk Mayscher Imaginationskraft neu entstehen zu lassen.“

An diesem Sonntag findet anlässlich Mays 176. Geburtstag in der Villa Nscho-tschi des Karl-May-Museums ab 16 Uhr die öffentliche Karl-May-Gedächtnisfeier statt. Anwesend sind auch der künftige Direktor des Karl-May-Museums Christian Wacker und der Präsident des Kuratoriums Robert Straßer. Ralf Harder wird über die historische Karl-May-Vereinigung sprechen sowie über den Brunnenengel und das neue Vorhaben.

Spendenkonto der Karl-May-Stiftung, Dresdner Volksbank Raiffeisenbank eG, BIC: GENODEF1DRS – IBAN: DE34 850900004912122013, Verwendungszweck: Brunnenengel