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Ein Fahrfehler mit tödlicher Folge

Eine Autofahrerin übersieht im Osterzgebirge einen Motorradfahrer. Beim Zusammenstoß stürzt er, später stirbt er an Krankenhauskeimen. Wer ist schuld?

© Egbert Kamprath

Von Yvonne Popp

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Dem Frühling entgegenlaufen

Nach dem Motto nicht länger warten, sondern starten - treffen sich am 5. Mai wieder Laufsportfreunde zum Lauf-in-den-Frühling in Freital.

Warum sie den Motorradfahrer nicht gesehen hatte, kann sich die Angeklagte bis heute nicht erklären. Weder war sie zu schnell gefahren, noch hatte sie Alkohol getrunken. Auch die Sonne blendete nicht, als sie am Nachmittag des 31. Mai vergangenen Jahres mit ihrem Fiat Panda auf der Rehefelder Straße in Richtung Oberpöbel unterwegs war.

Als die 58-jährige Verkäuferin dann links in den Stempelsternweg einbiegen wollte, übersah sie das entgegenkommende Motorrad. Laut Gutachter hatte auch dessen Fahrer die zulässige Höchstgeschwindigkeit von 100 Kilometern pro Stunde keineswegs überschritten. Ganz im Gegenteil. Anhand des Bremsweges war eine Geschwindigkeit von 67 Kilometern pro Stunde errechnet worden. Dennoch konnte der Hondafahrer nicht ausweichen.

Beide Fahrzeuge stießen frontal zusammen. Dabei stürzte der 54-jährige Motorradfahrer. Mit schweren Verletzungen wurde er per Hubschrauber ins Uniklinikum nach Dresden gebracht.

Nachdem es am Anfang so aussah, als erhole sich der Mann von seinen Verletzungen gut, kam es aufgrund einer Infektion mit Krankenhauskeimen zu massiven Komplikationen, in deren Folge er schließlich gut sieben Wochen später verstarb.

Am Amtsgericht in Dippoldiswalde wies der Anwalt der Angeklagten darauf hin, dass der Geschädigte ohne die Infektion heute aller Wahrscheinlichkeit nach noch leben würde.

Seine Mandantin, so argumentierte er weiter, sei also nicht unmittelbar verantwortlich für den Tod des Mannes und könne daher nur wegen fahrlässiger Körperverletzung, nicht aber wegen fahrlässiger Tötung verurteilt werden.

Auch wenn das Gericht ein tragisches Augenblicksversagen seitens der straf- und verkehrsrechtlich völlig unbescholtenen Angeklagten vorliegen sah, konnte es diesem Antrag nicht folgen. Es verurteilte die Deutsche wegen fahrlässiger Tötung zu einer Geldstrafe in Höhe von 3 600 Euro.

Dadurch, dass sie den Unfall und damit auch die Verletzungen des Opfers verursacht hatte, hatte sie den tragischen Verlauf der Dinge in Gang gesetzt und somit auch den Tod des Mannes verschuldet, begründete der vorsitzende Richter Christian Mansch seine Entscheidung. Von einem nachträglichen Führerscheinentzug sah er aber ab.