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Ein Fehler mit schlimmen Folgen

Eine Mopedbesatzung wird bei einem Unfall mit einem Lkw schwer verletzt. Das Moped hatte Vorfahrt.

© André Wirsig

Von Jürgen Müller

Meißen. Auf einen Stock gestützt, humpelt der 20-Jährige in den Gerichtssaal. Nach einem Oberschenkelbruch ist ein Bein 1,5 Zentimeter kürzer. Ob er jemals wieder ganz gesund wird, ist unklar. Nicht besser erging es seinem 18-jährigen Kumpel. Schienbein- und Unterschenkelfraktur, Lungenquetschung, Prellungen, das waren seine Verletzungen.

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Zugezogen haben sie sich diese bei einem Verkehrsunfall im Januar vorigen Jahres. Mit ihrem Moped waren die beiden gegen einen Sattelzug geprallt. Das Moped hatte Vorfahrt. Wegen Körperverletzung sitzt der Unfallverursacher nun vor dem Meißner Amtsgericht. Einen Strafbefehl über 1 750 Euro hatte er nicht akzeptiert.

Vor allem geht es dem Berufskraftfahrer aber um das ausgesprochene Fahrverbot. Er wollte mit seinem Lkw in Radeburg auf die Autobahn in Richtung Dresden abbiegen. Ein anderer Lkw, der aus der Gegenrichtung kam, ebenfalls auf die Autobahn wollte und sich bereits auf der Abbiegspur befand, habe ihm die Sicht versperrt, sagt der 35-Jährige. „Plötzlich hat es geknallt. Ich weiß nicht, wo das Moped herkam“, sagt der Mann.

Mitschuld des Mopedfahrers?

Die beiden Unfallopfer waren mehr als zwei Wochen im Krankenhaus, bis zum Sommer krankgeschrieben. Einer von beiden machte gerade eine Ausbildung zum Erzieher, verpasste sein gesamtes Praktikum, musste es nachholen. Dennoch haben die beiden gegen den Unfallverursacher keinen Strafantrag gestellt.

Das geschah von Amts wegen. Beide haben großes Glück gehabt. Es hätte auch ganz anders enden können. „Wir sind nicht darauf aus, dass der Angeklagte bestraft wird. Aber wir wollen den Schaden ersetzt bekommen“, sagt der Mopedfahrer. Auch darum geht es mittelbar in der Strafverhandlung.

Denn die beiden Geschädigten haben entsprechende Schadenersatzansprüche gegen die Versicherung des Lkw-Fahrers gestellt. Die wurden bisher nicht oder nur zum Teil erfüllt. Die Versicherung vertritt den Standpunkt, dass der Mopedfahrer eine Mitschuld an dem Unfall trage.

Für eine Einstellung des Verfahrens reicht es schon allein wegen der schwerwiegenden Folgen nicht, von einem Freispruch gar nicht zu reden. Staatsanwalt und Richterin sind sich einig, dass eine volle Aufklärung des Falles nur durch ein Sachverständigengutachten zu lösen ist.

Fahrverbot für Berufskraftfahrer?

Das freilich kostet richtig Geld, das im Falle einer Verurteilung der Angeklagte bezahlen müsste. Nach Beratung mit seinem Verteidiger akzeptiert er dann den Strafbefehl, was einem Geständnis gleichkommt. Den Einspruch begrenzt er auf die „Rechtsfolgen“, also auf die Höhe der Strafe. Die wird vom Gericht auf jetzt nur noch 1 000 Euro herabgesetzt.

Zusätzlich hat der Angeklagte aber die Verfahrenskosten zu tragen. Viel entscheidender aber ist für ihn das Fahrverbot. Die Richterin verzichtet tatsächlich darauf, begründet dies damit, dass die Tat ja lange zurückliege, der Angeklagte bisher keine Straftaten beging und auch im Straßenverkehr bisher nicht auffällig wurde. Zudem sei ein Fahrverbot für ihn als Berufskraftfahrer eine unbotmäßige Härte. Die Geschädigten können damit leben, schließlich wurde der Mann verurteilt.

Damit haben sie nun bessere Karten im Zivilverfahren, das am Montag stattfindet. Die Mutter eines Angeklagten hatte noch einen anderen Vorschlag: „Besser wäre es gewesen, den Mann mal zu einem Fahrsicherheitstraining zu schicken.“ Und den Chef der Spedition zur Entziehung. Der saß als Besucher im Gerichtssaal - mit deutlich wahrnehmbarer Alkoholfahne vormittags um 11 Uhr.