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Ein Fernsehmacher, der das Parteibuch hinwirft

Der frühere Intendant des Südwestrundfunks, Peter Voß, tritt aus der CDU aus. Er ist verärgert über den Parteieneinfluss aufs ZDF.

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Einen Namen hatte er sich als geradliniger Moderator und zupackender Kommentator gemacht. Seinem Ruf ist Peter Voß treu geblieben. Das hat der frühere Intendant des Südwestrundfunks in der Auseinandersetzung um die Ablösung von ZDF-Chefredakteur Nikolaus Brender bewiesen. Voß erklärte seinen Austritt aus der CDU – nach 35 Jahren Mitgliedschaft.

Mit diesem Schritt reagierte Voß auf die Rolle, die Hessens Ministerpräsident Roland Koch bei der Personalentscheidung in der Chefetage des Mainzer Senders gespielt hatte. „Herr Koch hat mit seinem Vorgehen der CDU, dem ZDF und den Medien im Allgemeinen schwer geschadet“, sagte Voß.

Der Vertrag Brenders läuft Ende März 2010 aus. Die Unions-nahen Vertreter im ZDF-Verwaltungsrat hatten eine Verlängerung verhindert. Neuer ZDF-Chefredakteur wird Peter Frey, der Leiter des ZDF-Hauptstadtstudios.

Aus der Sicht von Voß ist das Vorgehen „höchst gefährlich für das Image des öffentlich-rechtlichen Rundfunks“. Der 68-jährige Journalist spricht von einem Angriff auf die Unabhängigkeit des Senders. Nach Meinung von Voß waren an der Ablösung Brenders große Teile der CDU bis ins Umfeld der Parteivorsitzenden Merkel beteiligt gewesen. „Da haben mehrere Leute mitgewirkt, da wurden viele Strippen gezogen“, sagte Voß.

Dass Koch, der stellvertretender Vorsitzender des ZDF-Verwaltungsrates ist, die Ablösung Brenders unter anderem mit den sinkenden Einschaltquoten bei den ZDF-Nachrichtensendungen begründet habe, sei „ein vorgeschobenes Argument“ gewesen. Voß weiß, wovon er spricht. Er erinnerte daran, dass es gerade die CDU war, die stets davor gewarnt hatte, dass die öffentlich-rechtlichen Sender zu populistisch werden.

In seiner journalistischen Laufbahn hatte Voß mehrfach gezeigt, dass ihn seine CDU-Mitgliedschaft nicht daran hinderte, auf Distanz zur Politik seiner Partei zu gehen. Über ein Jahrzehnt arbeitete er für das ZDF – zunächst als Moderator des „heute-journals“, später als stellvertretender Chefredakteur – bevor er 1993 in der ARD die SWR-Intendanz übernahm. Mit seinem Namen verbunden ist der Zusammenschluss von SWF und SDR zum Südwestrundfunk.

Voß plädiert für eine Änderung der Regeln in den ZDF-Gremien. Demnach soll der Rundfunkstaatsvertrag so geändert werden, dass der Verwaltungsrat den vorgeschlagenen ZDF-Chefredakteur künftig nur noch mit einer Drei-Fünftel-Mehrheit ablehnen könnte. Mit einer solchen Regelung wäre Brender im Amt geblieben. (ddp/dpa)