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Ein Festival in gelben Containern

Die Initiative „Weltoffenes Dresden“ lädt zu Kultur und Austausch auf zentrale Plätze ein.

© Sven Ellger

Von Henry Berndt

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Schon wieder Bauarbeiten? Ein neuer Infopunkt der Verkehrsbetriebe? Nein, die vier knallgelben Container auf dem Postplatz, dem Theaterplatz, dem Altmarkt und dem Neumarkt sollen höchstens die geistige Mobilität fördern. Es sind die Domizile eines besonderen Kulturfestivals im öffentlichen Raum, das am Samstag eröffnet wurde. Aus Anlass des Gedenkens an die Zerstörung Dresdens 1945 steht das Festival in diesem Jahr unter dem Motto „Erinnern & Vergessen“. Bis zum 19. Februar soll der öffentliche Austausch in den Containern dazu beitragen, die Gesellschaft wieder ein Stück näher zusammenrücken zu lassen.

Hinter dem Projekt steckt das vor vier Jahren gegründete Kulturbündnis „Weltoffenes Dresden“, an dem inzwischen bereits mehr als 20 Institutionen der Stadt mitwirken. Die vier Standorte der Container wurden nicht zufällig gewählt, sondern stehen symbolisch für Orte, die in der Vergangenheit häufig Schauplätze für Zerstörung und andere Feindlichkeiten waren.

Schirmherren des Festivals sind Sachsens Wissenschaftsministerin Eva-Maria Stange (SPD) und Oberbürgermeister Dirk Hilbert (FDP). „Wenn wir unser Menschsein erhalten wollen, dann ist der Dialog mit Andersdenkenden ungeheuer wichtig“, sagte Stange, „Genau darum geht es bei diesen Containern.“ Hilbert gab sich kämpferisch und sagte: „Es ist wichtig, dass wir unsere Stadt zurückerobern.“

Zur Eröffnung am Samstag füllte sich der gelbe Container auf dem Postplatz mit Dutzenden Unterstützern. Passanten, die in den kommenden Tagen einen Blick hinein wagen wollen, finden hier unter anderem einen „Aktenvernichter“, mit dem unliebsame Erinnerungen getilgt werden können, einen Tisch zum „Memory-Dating“ und ein Tauschregal, in dem jeder persönliche Gegenstände deponieren kann – oder sich Dinge von anderen Leuten mitnehmen. Am Wochenende warteten hier unter anderem eine wischmobähnliche Mütze und ein Reiseführer für die griechische Insel Kos auf neue Besitzer.

Insgesamt sind in den Containern mehr als 100 Veranstaltungen geplant, darunter Lesungen, Filmvorführungen und Auftritte von Ensemblemitgliedern der Semperoper.

>> Zum des Programm des Festivals