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Ein Flüchtling hilft der Feuerwehr

Die Feuerwehr leidet an Nachwuchsmangel. Im Saarland ist jetzt ein Syrer im Team.

Von Birgit Reichert

Nidal Almatar hat seinen Brandmeldeempfänger immer bei sich. Und er ist stolz auf seinen Spind: Darin sind Schutzkleidung, Helm und Stiefel untergebracht. „Ich habe schon drei Einsätze mitgemacht“, sagt der 36-jährige Syrer, der seit wenigen Wochen Mitglied der Freiwilligen Feuerwehr im saarländischen Mettlach im Löschbezirk Orscholz ist.

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Die Feuerwehrleute freuen sich über ihren ersten Flüchtling im Team. „Er ist immer da, wenn man ihn braucht“, sagt Löschbezirksführer Dirk Schulze. Er sei engagiert, könne auch schon gut Deutsch und habe sich integriert. „Es macht Spaß mit ihm.“ Außerdem helfe er der Feuerwehr, die an vielen Orten in Deutschland unter Nachwuchsmangel leidet.

Noch zählen die Orscholzer 43 Aktive: „Das große Problem ist aber die schwache Tagesverfügbarkeit“, sagt Schulze. Die meisten arbeiteten außerhalb des Ortes und seien am Tag nicht abrufbar. „Wenn es gut läuft, habe ich tagsüber sieben oder acht Leute, wenn es schlecht läuft, vier oder fünf.“ Das sei zu wenig. Bei Einsätzen müssten daher oft Wehren aus der Nachbarschaft angefordert werden.

„Wir bräuchten mehr von der Sorte Nidal Almatar, auch in anderen Löschbezirken und Feuerwehren“, sagt der Vorsitzende des Kreisfeuerwehrverbandes Merzig-Wadern, Georg Flesch. Flüchtlinge wie er könnten helfen, „dass wir den hohen Stand, den wir bei der Feuerwehr haben, noch möglichst lange aufrecht erhalten können“.

Bundesweit sind nach Angaben des Feuerwehrverbandes bereits rund 150 Flüchtlinge bekannt, die „in irgendeiner Form“ bei einer Feuerwehr dabei sind. Bei insgesamt gut einer Million Feuerwehrleuten seien sie zwar noch eine Ausnahme, aber: „Es ist ein guter Anfang“, sagt Verbandssprecherin Silvia Darmstädter in Berlin. In den vergangenen 15 Jahren sei die Zahl der Einsatzkräfte an den rund 30 000 Feuerwehr-Standorten Deutschlands im Schnitt um jeweils zwei Personen gesunken. Für den Mangel an Feuerwehrleuten gebe es zwei Gründe, sagt Flesch. Zum einen der Geburtenrückgang: „Die starken Nachkriegsjahrgänge der Feuerwehren gehen nach und nach in die Alterswehren. Und die, die aus der Jugendfeuerwehr nachrücken, werden diese Lücke nicht füllen können.“ Zweitens gebe es heute eine große Vielfalt an Vereinen, aus der junge Leute auswählten. „Da wird es in den nächsten Jahren ein Hauen und Stechen um den Nachwuchs geben“, sagt der 59-Jährige.

Almatar musste nicht umworben werden. Er kam von alleine und wollte mitmachen. „Mein Hobby ist helfen“, sagt der Mann, der sich die deutsche Sprache ohne Kurs beigebracht hat und später einmal Koch oder Flugzeugmechaniker werden will. Alle zwei Wochen kommt er zu Übungen ins Feuerwehrhaus. Hinzu kommen die Einsätze: Mal sind es Autounfälle, mal muss eine Haustür geöffnet werden, weil jemand kollabiert ist. „Viele wissen gar nicht, was alles mit der Feuerwehr zusammenhängt. Sie werden es erst erfahren, wenn sie nicht mehr da ist“, meint Verbandschef Flesch. (dpa)