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Ein Freilichtmuseum in Sachsens Mitte

Alte, ländliche Gebäude drohen verloren zu gehen. Man könnte sie abbauen und an einem geschützten Ort wieder aufbauen.

Von Udo Lemke
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Zimmermann, Restaurator und Visionär – Kay Arnswald macht sich für historische Bausubstanz stark.
Zimmermann, Restaurator und Visionär – Kay Arnswald macht sich für historische Bausubstanz stark. © Karl-Ludwig Oberthuer

Landkreis Meißen. Wenn wir jetzt nicht reagieren, dann sind diese Gebäude nicht mehr zu retten, dann brechen uns Zeugnisse einer 7 000-jährigen landwirtschaftlichen Tradition weg.“ Mit diesen drastischen Worten hat Kreisdenkmalpfleger Andreas Christl auf die Gefahr, die ländlicher Baukultur, vor allem in der Lommatzscher Pflege, droht, hingewiesen. Das war im März 2015, also vor fast vier Jahren.

Heute muss er konstatieren, dass die Lommatzscher Pflege immer noch ein schwarzes Loch ist, was den Erhalt alter bäuerlicher Gebäude betrifft. Es gebe keine regelrechte Erfassung dessen, was gefährdet ist, wie dessen, was erhaltenswert ist. „Bei uns reicht die Kraft nicht“ – damit sind die personell ausgedünnten Denkmalbehörden gemeint, „und einen Partner, der das übernimmt, haben wir bislang auch nicht gefunden“.

Also setzt es sich so fort, wie Christl es 2015 beschrieben hat: „Zuerst gehen die ganz großen Gebäude, die großen Drei- oder Vierseithöfe, verloren und dann die ganz kleinen Einzelgebäude“, die nach heutigem Standard auch nicht mehr zu Wohnzwecken genutzt werden können. Kurz: Ein Freilichtmuseum für die Lommatzscher Pflege ist nicht in Sicht.

Allerdings gibt es Unentwegte, die den Kampf um den Erhalt alter Bauernhäuser, Mühlen, Scheunen und Ställe – also überlieferter Arbeits- und Lebenskultur – noch nicht aufgegeben haben. Einer von ihnen ist Kay Arnswald aus dem Wilsdruffer Ortsteil Helbigsdorf. 

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Hier hat der Zimmerermeister nicht nur den sogenannten Lößner Hof wieder bewohnbar gemacht, sondern auch eine Machbarkeitsstudie für ein Freilichtmuseum vorgelegt. Die ist beim Rat der Stadt so gut angekommen, dass sich Wilsdruff an der Finanzierung des Projekts beteiligen will. Bürgermeister Ralf Rother (CDU) versucht nun, das Land mit ins Boot zu holen.

„Wir wollen das geplante Freilichtmuseum auf keinen Fall nur als Verein führen, das funktioniert nicht, wie gerade das Beispiel im erzgebirgischen Schwarzbach zeigt, wo das Freilichtmuseum Schwierigkeiten zu haben scheint. Wir wollen, dass sich die öffentliche Hand beteiligt, das heißt, dass es ordentliche feste Stellen gibt“, erklärt Kay Arnswald. 

Das hatte auch Anita Maaß, die Bürgermeisterin von Lommatzsch (FDP) schon 2015 erklärt. Durch einen Verein mit seinen ehrenamtlich arbeitenden Mitgliedern sei solch ein großes Projekt allein nicht zu stemmen. „Es muss von Anfang an hauptamtlich betreut werden, und ich glaube, dass das ohne die finanzielle Unterstützung des Landes nicht funktionieren kann.“

In einem Positionspapier des Landesvereins Sächsischer Heimatschutz heißt es dazu: „Die Freilichtmuseen können nach dem Auslauf zeitbegrenzter Förderprojekte bzw. finanzieller Zuschüsse kaum nachhaltig betrieben, geschweige denn weiterentwickelt werden. Die Rechtsträger – oft kleinere Kommunen und/oder Vereine – sind diesen Aufgaben langfristig meist nicht gewachsen.“

Hinzu kommt, dass ein Freilichtmuseum, das diesen Namen verdient, nach den Standards des internationalen Museumsbundes arbeiten muss, allein schon deshalb, um Fördergelder beantragen zu können. Dann muss ein Museum nicht nur sammeln und bewahren, sondern seine Sammlung auch nach wissenschaftlichen Kriterien betreuen und mit ihr arbeiten.

Kay Arnswald schwebt ein Freilichtmuseum in Sachsens Mitte vor. Das heißt, dass ein Gebiet im Umkreis von etwa 100 Kilometern in Betracht käme. Das würde nicht nur das Wilsdruffer Land umfassen, sondern auch die benachbarte Lommatzscher Pflege. 

„Dabei bilden solche Anlagen mit der Darstellung früherer Wohn- und Arbeitsverhältnisse unverzichtbare Anschauungsobjekte zur Vermittlung von Kenntnissen und damit einen Schlüssel zur Identifikation mit der heimatlichen Region und ihrer Geschichte“, heißt es im Positionspapier des Landesvereins Sächsischer Heimatschutz.

Kay Arnswald will aber nicht nur ein reines Museum errichten, sondern auch ein Bauteillager. Es soll nicht nur einzelne Originalbauteile aufnehmen, sondern ganze abgebaute Häuser. Das ist umso dringlicher, als das sächsische Bergelager und Bauteilarchiv in Trebsen in diesem Jahr geschlossen worden ist, ob das Material, wie ursprünglich geplant, nach Wermsdorf ins Schloss Hubertusburg umziehen kann, ist ungewiss.

Was das Freilichtmuseum in Sachsens Mitte betrifft, so steht ein Dreiseitenhof in Herzogswalde zur Verfügung. Gegenwärtig wird über angrenzendes Land verhandelt, wo fünf bis sieben historische Häuser aufgebaut werden könnten.