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Ein ganz normaler Winter?

In den letzten Tagen rauschte die Temperatur in den Keller und es wurde in Löbau und Zittau bitter kalt – zumindest gefühlt. Die SZ hat die Wetterdaten analysiert.

© Rafael Sampedro

Von Thomas Mielke

Region. Das Eis auf dem Wasser im Trixi-Waldstrandbad hat am Donnerstag Schlittschuhläufer und Eishockeyspieler angezogen. Auch andere Seen und Teiche sind derzeit zugefroren und lassen die Herzen von Wintersportlern und Naturliebhabern höher schlagen. Doch des einen Freud ist des anderen Leid: Viele haben in den letzten Tagen wegen der eisigen Kälte gebibbert. Schnell machte das Wort vom Rekordwinter die Runde. Doch ist dem wirklich so?

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Den Politikern über die Schultern schauen und die Zeitungsproduktion live erleben – das geht auch zusammen. 

War es in den letzten Tagen kälter als üblich?

Jein. Im Durchschnitt war der 2018er Februar in der Region Löbau/Zittau tatsächlich kälter als sonst: Laut Deutschem Wetterdienst lag die Durchschnittstemperatur bei -2,6 Grad Celsius. Im 30-jährigen Mittel – von 1981 bis 2010 – waren es +0,2 Grad Celsius. Bei den Tiefsttemperaturen aber kann der 2018er Februar nicht mithalten. Den diesjährigen Kälterekord hält mit -14,1 Grad der 27. Februar. Allein in den letzten acht Jahren war es an 42 Tagen kälter. Den Tiefpunkt seit 2010 markiert der 12. Februar 2012 mit -24,1 Grad. Im Vergleich der letzten 30 Jahre war der 29. Dezember 1996 am kältesten. Damals zeigte das Thermometer -26,1 Grad. Alle diese Werte stammen vom Deutschen Wetterdienst. Sie sind nach genormten Vorgaben – zum Beispiel in zwei Meter Höhe – an der Station in Bertsdorf-Hörnitz gemessen worden. Andere Dienste messen an anderen Orten und ermitteln deshalb manchmal andere Werte. Auch kann es aus anderen Gründen – zum Beispiel in anderen Orten als Bertsdorf-Hörnitz – zu Abweichungen kommen.

War es in der Region Löbau/Zittau besonders kalt?

Nein. In fast allen sächsischen Regionen war es kälter. Die Tiefsttemperaturen der letzten Tage wurden im Erzgebirge, in der Sächsischen Schweiz und im Vogtland gemessen. In Deutschneudorf im Erzgebirge beispielsweise sank die Quecksilbersäule bis -21,4 Grad. Selbst im Norden des Landkreises Görlitz und im Nachbarlandkreis Bautzen gab es Gegenden wie Hoyerswerda, in denen es kälter war.

Aber gefühlt war es doch eine Rekordkälte, oder?

Fast. Als am Dienstagfrüh die bisher tiefste Temperatur dieses Winters in der Region Löbau/Zittau erreicht war, zeigte das Thermometer an der DWD-Station in Görlitz -15,2 Grad an. Gefühlt aber war es zu diesem Zeitpunkt -26,0 Grad kalt, hat Matthias Gnielka vom DWD auf SZ-Bitte errechnet. Die „gefühlte Temperatur“ wird nach einem ausgeklügelten und erprobten System unter Einbeziehung von Luftfeuchte, Sonneneinstrahlung und Wind für einen 75-Kilo-Durchschnittsmenschen berechnet.

Hat die Kälte in der Region Opfer gefordert?

Ja, aber nicht über das Normalmaß hinaus. Laut der Rettungsleitstelle Ostsachsen in Hoyerswerda mussten Helfer im Landkreis Görlitz bereits zu Stürzen auf Eisflächen ausrücken. „Besondere kältebedingte Einsätze wie Erfrierungen/Unterkühlungen durch nächtliches Außer-Haus-Schlafen sind nicht bekannt, werden jedoch statistisch auch nicht erfasst“, teilte Hans Richter, Leiter des Amtes für Brandschutz, Katastrophenschutz und Rettungswesen des Landkreises Görlitz, mit. Auch im Klinikum Oberlausitzer Bergland mit seinen Krankenhäusern in Ebersbach und Zittau hat die Kälte nicht zu einer besonders angespannten Lage geführt, sind laut Sprecherin Jana-Cordelia Petzold weder Erfrierungen noch andere kältebedingte Erkrankungen behandelt worden. Und die Grippe-Lage – siehe Nachricht auf dieser Seite – hat sich zwar weiter zugespitzt. Aber der Zeitpunkt für die Häufung der Fälle liegt jedes Jahr in diesem Zeitraum. Eher als die Kälte an sich, schwächt der stete Wechsel zwischen warm und kalt – wie die nebenstehende Grafik zeigt – das Immunsystem.

Lag für einen normalen Winter nicht zu wenig Schnee?

Nein. Zwar gab es in den letzten zehn Jahren schon deutlich schneereichere Winter. Den Rekord hält die Saison 2009/10 mit 67 Tagen zwischen 1. Dezember und 28. Februar. Allerdings gab es auch schneeärmere Winter. In der Saison vor zehn Jahren beispielsweise hat der Deutsche Wetterdienst nur fünf Tage registriert, in den um die Wetterstation in Bertsdorf-Hörnitz der Schnee mehr als 1 Zentimeter hoch lag. In dieser waren es 13 Tage.

Fazit: Der Februar war kälter als normal, hat aber keine neuen Temperaturrekorde aufgestellt. Insgesamt war die zu Ende gehende Saison nicht deutlich zu kalt und ziemlich schneearm. Unter dem Strich war der Winter – ein ziemlich normaler.

Wir haben Leser um die schönsten Winterbilder gebeten. Hier geht es zur Galerie.