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Ein gefährlicher Kreislauf

Ein 70-jähriger Rentner wurde wegen Körperverletzung und Beleidigung verurteilt. Der Mann ist offensichtlich krank, sagt die Richterin.

© Fabian Schröder

Von Alexander Schneider

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Rentner Heinrich S. muss für ein Jahr und vier Monate ins Gefängnis. Er wurde am Amtsgericht Dresden wegen zahlreicher Körperverletzungen, Beleidigung und Fahrens ohne Führerschein verurteilt – gesammelte Taten aus den Jahren 2014 bis 2016. Wo der Deutsch-Pole auftauchte, so scheint es, gab es Ärger. Mal griff er einen Hotelchef an und schlug auf offener Straße auf ihn ein, mal traf es einen Kunden in einer Aldifiliale, oft fielen auch fremdenfeindliche Kraftausdrücke. 13 Anklageschriften hatte die Staatsanwältin verlesen.

Die schwerste Tat fand im Februar 2016 im Arnhold-Bad statt. Dort beleidigte Heinrich S. Personal und Gäste, bespuckte sogar den Bademeister, und schlug draußen vor der Schwimmhalle mit der Faust auf einen völlig unbeteiligten Autofahrer ein – durchs offene Fenster. Stets beleidigte der Angeklagte auch Polizeibeamte.

Der Grund für die oft nicht nachvollziehbaren Angriffe ist eine langjährige Erkrankung. Der Rentner leidet an einer paranoiden Persönlichkeitsstörung. Das berichtete ein psychiatrischer Gutachter. Richterin Annegret Lissel sagte, sie habe die eingeschränkte Steuerungsfähigkeit des Angeklagten strafmildernd berücksichtigt. Die Erkrankung sei wohl auch die Ursache für frühere Verurteilungen des Rentners, der mehrfach auch in Polen Freiheitsstrafen abgesessen hatte. Auch in Zukunft sind weitere solche Taten zu erwarten, sagte die Richterin. Das Problem sei, dem Angeklagten fehle die Krankheitseinsicht, was ein Teil seiner Störung sei. Ohne Einsicht keine Therapie – und ohne Therapie neue Straftaten. Lissel: „Das ist ein bitterer Kreislauf.“ Die Übergriffe seien bislang jedoch nicht so schwer gewesen, um den Rentner in einer psychiatrischen Klinik unterbringen zu können.