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„Ein General mit Herz“

Am Dienstag wäre Helmut Schön 100 Jahre alt geworden. Der „Mann mit der Mütze“, Bundestrainer der Weltmeister-Elf von 1974, gilt als erfolgreichster Coach in der Geschichte des Deutschen Fußball-Bundes.

© dpa

Frankfurt/Main. Schon Udo Jürgens setzte dem „Mann mit der Mütze“ noch zu Lebzeiten ein Denkmal. „Du warst ein General mit Herz, ein Freund zugleich und Boss“, sang der Entertainer: „Du wusstest Rat und manchen Trick, und rittest nie das hohe Ross.“ Helmut Schön war ein Großer - für Jürgens und den deutschen Fußball. Am heutigen Dienstag wäre der 1996 verstorbene Trainer der deutschen Weltmeister-Elf von 1974 100 Jahre alt geworden.

Der Trainer Helmut Schön

DFB-Trainer Helmut Schön referiert während eines Sichtungslehrgangs des DFBs vor jungen Fußball-Talenten im März 1964 in Frankfurt am Main.
DFB-Trainer Helmut Schön referiert während eines Sichtungslehrgangs des DFBs vor jungen Fußball-Talenten im März 1964 in Frankfurt am Main.
Bundestrainer Helmut Schön (r) gratuliert am 12. Juli 1966 beim Verlassen des Rasens des Sheffielder Hillsborough-Stadions seinen Torhüter Hans Tilkowski (l).
Bundestrainer Helmut Schön (r) gratuliert am 12. Juli 1966 beim Verlassen des Rasens des Sheffielder Hillsborough-Stadions seinen Torhüter Hans Tilkowski (l).
Die Deutsche Fußball Nationalmannschaft bei einem Spaziergang am 10. Gebruar 1970 in Sevilla, einen Tag später stand das Spiel gegen Spanien an. Die deutschen Nationalspieler Manfred Manglitz (l) und Günther Netzer (r) im Gespräch mit Nationaltrainer Helmut Schön.
Die Deutsche Fußball Nationalmannschaft bei einem Spaziergang am 10. Gebruar 1970 in Sevilla, einen Tag später stand das Spiel gegen Spanien an. Die deutschen Nationalspieler Manfred Manglitz (l) und Günther Netzer (r) im Gespräch mit Nationaltrainer Helmut Schön.
Bundestrainer Helmut Schön läuft am 3. Juni 1970 vor dem WM-Vorrundenspiel gegen Marokko über den Rasen des Staions von Leon in Mexiko.
Bundestrainer Helmut Schön läuft am 3. Juni 1970 vor dem WM-Vorrundenspiel gegen Marokko über den Rasen des Staions von Leon in Mexiko.
Franz Beckenbauer (l-r), Bundestrainer Helmut Schön und Horst-Dieter Höttges im Mai 1974 in Malente.
Franz Beckenbauer (l-r), Bundestrainer Helmut Schön und Horst-Dieter Höttges im Mai 1974 in Malente.
Auf dem Trainingsplatz voin Malente unterhalten sich Uli Hoeness (l) und Bundestrainer Helmut Schön
Auf dem Trainingsplatz voin Malente unterhalten sich Uli Hoeness (l) und Bundestrainer Helmut Schön
Flankiert von DFB-Sekretär Horst Schmidt (l) und Masseur Erich Deuser (r) reißt Fußball-Bundestrainer Helmut Schön (M) beim Schlusspfiff am 7. Juli 1974 im Münchner Olympiastadion jubelnd die Arme hoch. Die deutsche Nationalmannschaft gewinnt vor 80.000 Zuschauern das WM-Finale gegen die Niederlande mit 2:1 und wird zum zweitenmal Titelträger.
Flankiert von DFB-Sekretär Horst Schmidt (l) und Masseur Erich Deuser (r) reißt Fußball-Bundestrainer Helmut Schön (M) beim Schlusspfiff am 7. Juli 1974 im Münchner Olympiastadion jubelnd die Arme hoch. Die deutsche Nationalmannschaft gewinnt vor 80.000 Zuschauern das WM-Finale gegen die Niederlande mit 2:1 und wird zum zweitenmal Titelträger.
Helmut Schön (2.v.r), sein Assistent Jupp Derwall (r), Siegtorschütze Gerd Müller (l) und Kapitän Franz Beckenbauer (2.v.l) bejubeln den Triumph.
Helmut Schön (2.v.r), sein Assistent Jupp Derwall (r), Siegtorschütze Gerd Müller (l) und Kapitän Franz Beckenbauer (2.v.l) bejubeln den Triumph.
Gerd Müller (r) jubelt mit dem Bundestrainer Helmut Schön.
Gerd Müller (r) jubelt mit dem Bundestrainer Helmut Schön.
Im Rahmen ihrer Südamerikareise bestreitet die deutsche Fußballnationalmannschaft am 5. Juni 1977 ein Testspiel gegen die Nationalmannschaft Argentiniens in Buenos Aires. Der Trainer der deutschen Fußballnationalmannschaft, Helmut Schön, aufgenommen vor Spiel.
Im Rahmen ihrer Südamerikareise bestreitet die deutsche Fußballnationalmannschaft am 5. Juni 1977 ein Testspiel gegen die Nationalmannschaft Argentiniens in Buenos Aires. Der Trainer der deutschen Fußballnationalmannschaft, Helmut Schön, aufgenommen vor Spiel.
Ein Spaß am Rande: Fußball-Bundestrainer Helmut Schön posiert am 31. Mai 1978 im WM-Trainingslager in Ascochinga lachend für die Fotografen mit Ball und Mütze. Die deutsche Fußballnationalmannschaft bezog beim Weltmeisterschaftsturnier in Argentinien an diesem Tag Quartier in Ascochinga.
Ein Spaß am Rande: Fußball-Bundestrainer Helmut Schön posiert am 31. Mai 1978 im WM-Trainingslager in Ascochinga lachend für die Fotografen mit Ball und Mütze. Die deutsche Fußballnationalmannschaft bezog beim Weltmeisterschaftsturnier in Argentinien an diesem Tag Quartier in Ascochinga.
Zum 100. Geburtstag ehrt das Bundesfinanzministerizum den "Mann mit der Mütze" mit einer neuen Sonderbriefmarke.
Zum 100. Geburtstag ehrt das Bundesfinanzministerizum den "Mann mit der Mütze" mit einer neuen Sonderbriefmarke.

Der lange Sachse Schön prägte den deutschen Fußball ähnlich wie seine Weltmeister-Kollegen Sepp Herberger (1954), Franz Beckenbauer (1990) oder Joachim Löw (2014).

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Bei seiner ersten WM als Bundestrainer wurde Deutschland 1966 in England Vizeweltmeister (2:4 n.V. im Endspiel gegen die Three Lions, vier Jahre später in Mexiko stand nach der Halbfinal-Niederlage im „Jahrhundertspiel“ gegen Italien (3:4 n.V.) der dritte Platz durch das 1:0 gegen Uruguay zu Buche. Dann folgte die goldene Ära mit dem EM-Titel 1972 (3:0 im Endspiel gegen die UdSSR) und dem WM-Triumph im eigenen Land (2:1 gegen die Niederlande in München) - Schön gilt auch deshalb als der erfolgreichste Bundestrainer in der 115-jährigen Geschichte des DFB.

Ein Trainer von großer Menschlichkeit

Erfolg war für die Amtszeit des gebürtigen Dresdners von 1964 bis 1978 aber nicht das einzige Markenzeichen. Noch heute schwärmen Fans vor allem von der Spielweise des Nationalteams unter Schön. „Ich bin davon überzeugt, dass die überwältigende Mehrheit der treuen Zuschauer vor allem eines sehen will: guten, echten, spannenden, sportlichen Fußball - und keinen Firlefanz“, beschrieb Schön einmal sein Credo.

Auch wenn Schön als „der Lange“ oder „der Mann mit der Mütze“ oft durch Äußerlichkeiten beschrieben wurde, machte ihn vor allem seine warmherzige Persönlichkeit zu einem besonderen Bundestrainer. So lobte etwa „Kaiser“ Franz Beckenbauer seinen ehemaligen Chef in höchsten Tönen: „Helmut Schön war ein Trainer von großem Format und von großer Menschlichkeit.“

In einer Zeit, in der Bundesliga-Trainer gerne als „Diktatoren im Trainingsanzug“ auftraten, räumte Schön seinen Spielern Freiräume und Mitspracherecht ein. „Er hat uns nie zu etwas gezwungen, war das Taktik, war es sonstiges Verhalten“, erinnert sich sein langjähriger Spielführer Beckenbauer.

Kein glanzvoller Abschied

Kritiker legten Schön, der mit 17 Toren in 16 Länderspielen auch als Spieler zu überzeugen wusste, diesen Stil jedoch oft als Führungsschwäche aus. Nach der 0:1-Niederlage gegen die DDR in der WM-Vorrunde 1974 in Hamburg war es ausgerechnet Beckenbauer, der im Kreis der Mannschaft später in der Sportschule Malente heftige Kritik übte und dem Trainer erklärte, was sich alles ändern müsse.

Als „völligen Quatsch“ beschrieb WM-Teilnehmer Bernd Hölzenbein später eine vermeintliche Entmachtung Schöns. „Er stellte die Mannschaft auf. Aber er war, anders als andere Trainer dieser Zeit, bereit, Argumente abzuwägen und auch andere Meinungen gelten zu lassen“, betonte Hölzenbein. Immerhin wurden damals in der Nacht von Malente die Weichen für den zweiten deutschen WM-Triumph nach 1954 gestellt.

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Ein glanzvoller Abgang war aber auch dem erfolgreichsten Bundestrainer der DFB-Geschichte nicht vergönnt. Bei der Weltmeisterschaft 1978 in Argentinien musste Schön die „Schmach von Cordoba“ gegen Österreich (2:3) über sich ergehen lassen. Der „Mann mit der Mütze“ ging von Bord und überließ seinem Assistenten Jupp Derwall das Feld. Am 23. Februar 1996 starb Helmut Schön im Alter von 80 Jahren. „Sein Lebenswerk ist Legende geworden“, kommentierte der damalige DFB-Präsident Egidius Braun die Lebensleistung des Sachsen. (sid)