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Ein Geschäftsmann der alten Schule

Heinrich Hübner führt seit 37 Jahren in Burkau die Drogerie. Ans Aufhören denkt er noch nicht. Seine Kunden danken es ihm.

© Steffen Unger

Von Ingolf Reinsch

Burkau. Rente mit 66? Heinrich Hübner winkt ab und lacht auf seine sympathische, ansteckende Art. „Solange ich gesund bleibe und die Kunden mir die Treue halten, mache ich weiter“, sagt er. Zumindest ein paar Jahre noch. Ihm zur Seite steht Ehefrau Sabine, die drei Jahre jünger ist. Gemeinsam stehen sie hinterm Ladentisch in Burkaus Landdrogerie, die auch immer wieder Städter anzieht. „Es gibt Kunden“, erzählt Sabine Hübner schmunzelnd, „die kommen zum ersten Mal in unser Geschäft und sagen, sie hätten überall schon gesucht, aber nirgendwo das Gewünschte gefunden.“ Oder sie hörten von anderen: Fahr’ doch mal nach Burkau ...

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Das Geschäft ist nur 60 Quadratmeter groß. Kein Raumwunder, dafür aber sehr gut geordnet. Hübners Rezept, um wirklich alles sofort zu finden, wonach Kunden fragen: Jede Ware hat exakt ihren Platz im Regal. Zum klassischen Sortiment, was der Kunde von einer Drogerie erwartet, kommen zusätzliche Angebote, wie zum Beispiel Haushaltswaren, Dinge für den Garten, Geschenke, Kunstgewerbe, Spirituosen und Wein, Kalender, Kinderbücher und Publikationen aus dem Bautzener Lusatia Verlag, darunter das Oberlausitzer Hausbuch – auch in Burkau jedes Jahr ein Renner. Hinzu kommen Post- und andere Dienstleistungen, die Lottoannahme und das Anfertigen von Passbildern, wie sie heute gefordert sind. Dabei kommt Heinrich Hübner sein Hobby zugute. Er fotografiert sehr gern. Auch einen Nasssauger zum Ausleihen gibt es bei Hübners.

Zufriedene Kunden motivieren

Diese Vielzahl macht’s und trägt dazu bei, dass das Geschäft sich trägt. Dass das Ehepaar die Drogerie im eigenen Haus führt, hilft zusätzlich wirtschaften. Hinzu kommen die Liebe zum Beruf – und zum Geschäft. Es motiviere ungemein, wenn die Kunden zufrieden sind, sagt Heinrich Hübner. Er erfüllt ihnen auch Sonderwünsche. Er versucht ranzuholen, wonach die Käufer fragen. Viele sind Stammkunden. Gelegentlich halten aber auch Leute vor dem Geschäft, die durch Burkau kommen. Die meisten Kunden gehören zu den älteren und mittleren Generationen. Jüngere kaufen größtenteils in der Stadt, auf ihrem Arbeitsweg oder im Internet.

Heinrich Hübner ist noch ein Geschäftsmann der alten Schule – wendig, freundlich, darauf bedacht, dass die Kunden gut beraten werden. Er ist ausgebildeter Drogist, arbeitete die ersten Jahre in Kamenz, leitete dort eine Drogerie. Als er 1980 hörte, dass in Burkau ein neuer Inhaber für die Drogerie gesucht wird, wechselte er und machte sich als Kommissionshändler selbstständig. Bis 1990 befand sich die Drogerie an der Hauptstraße. Dann kündigte der Hauseigentümer die Räume. Die Drogerie zog an die Straße der Jugend um, wo sie sich noch jetzt befindet. Dabei half der Zufall. Der Konsum wollte im selben Haus ein Schuhgeschäft einrichten. Er nahm nach der Wende aber davon Abstand.

Gutes Geschäftsklima im Ort

Sabine Hübner ist Seiteneinsteigerin im Handel. Sie studierte Elektronische Datenverarbeitung (EDV). „In den 80er-Jahren standen wir vor der Frage: Ziehen wir nach Burkau um oder gehen wir dort hin, wo meine Frau sich beruflich verwirklichen kann?“, erzählt Heinrich Hübner. Die Entscheidung fiel zugunsten der Drogerie. Ein Glücksfall für Burkau.

Das Geschäftsklima im Ort ist, gemessen an der Einwohnerzahl, gut. Arzt, Zahnarzt, Sparkasse, Friseur, Getränkehandel, zwei Töpfereien mit Verkauf, drei Bäcker und drei Fleischer gibt es im Ort, zählt Heinrich Hübner auf. An drei Stellen im Dorf kann man in der Woche preiswert Mittag essen. Hinzu kommt der Sonderpostenmarkt an der Säuritzer Straße. Das alles belebt das Dorf – und letztendlich auch das Geschäft. Ein Bäcker und ein Fleischer befinden sich gleich gegenüber der Drogerie. Hinzu kam als neuer Nachbar im vergangenen Jahr die Genusswerkstatt, ein Spezialitätengeschäft für Feinschmecker. Wer einmal in diesem Teil Burkaus ist, der schaut gelegentlich auch in der Drogerie hinein.

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Sein Geschäft war eine Institution im Ort. 40 Jahre hat Heinrich Hübner den Laden geführt. Doch nun sieht er keine Chance, einen Nachfolger zu finden.

Heinrich Hübner ist trotz seiner 66 Jahre noch zu agil, um an den Ruhestand zu denken. Trotzdem, sagt er, bis zu seinem Lebensende werde er nicht im Geschäft stehen. Denn Leben ist ja nicht nur Arbeit. Das sind zuallererst die Familie, aber auch der Garten am Haus und Interessen wie das Fotografieren.

Einen Nachfolger für die Drogerie gibt es nicht – und es wird ihn wohl auch nicht geben. Heinrich Hübner sieht das ganz realistisch. Wenn er in ein paar Jahren die Drogerie aufgibt, dann wird das Geschäft wohl auf Dauer geschlossen bleiben.