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Ein Gigant wandert

Das Kieswerk Ottendorf will zwei neue Kies- Abbaufelder erschließen – direkt vor Würschnitz.

Von Birgit Ulbricht

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Der Garten ruft

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Würschnitz. Den Kiestagebau in Ottendorf kennt jeder. Weil irgendwer hier immer mit den Kumpels unerlaubt baden war. Seit Generationen ist das so auf dem Land. 1949 wurde der Tagebau geöffnet. 250 Hektar ist er mittlerweile groß und bald restlos ausgebeutet. Der Gigant muss wandern. Nun stellt sich die Frage, was künftige Generationen sich erzählen werden?

Denn einer der größten Kiestagebaue Sachsens wird in den nächsten Jahren bis auf 480 Meter an Würschnitz heranrücken. Und nicht nur das. Das kleine Dorf im äußersten Zipfel des Landkreises Meißen wird gleich von zwei Abbaufelder umringt sein: Würschnitz-West mit 130 Hektar und Würschnitz-Ost mit 100 Hektar. Zwar versicherte der Geschäftsführer des Kieswerkes Ottendorf, Thomas Gruschka, den Gemeinderäten jetzt in einer Sitzung in Sacka, dass das Werk nur maximal zehn Hektar je Abbaufeld öffnen werde und der gesamte Tagebau so in den kommenden 30, 40 Jahren nachrückend erschlossen und auch wieder rekultiviert wird.

Das klingt ganz vernünftig, doch die Tücken liegen wie immer in der Praxis. Gemeinderätin Isolde Rienecker hält den Abstand von 480 Meter schlicht für unakzeptabel und befürchtet gerade vom künftigen Abbaufeld Ost erhebliche Staubbelastungen durch die mobilen Siebanlagen, weil das Areal nicht einmal von einer Waldkante abgeschirmt ist und offen auf dem Feld liegt. Anders das Tagesbaufeld in West: Ein hundert Meter breiter Waldsaum soll hier eine natürliche Barriere zum Dorf bilden. Aber in den beiden Tagebauen sollen abwechselnd im Wochen- oder Monats-Rhythmus Kies und Sand gefördert werden – je nach Nachfrage der unterschiedlichen Körnungen. Wie man sich das vorstellen muss? Ob da die Radlader ständig über die Straße fahren, fragte Gemeinderat Jörg Domsgen? „Nein, wir nutzen ausschließlich ein Förderband nach Laußnitz“, antwortete Kieswerk-Chef Gruschka. Über 900 Meter soll das Förderband parallel zur Kreisstraße durch den Wald rütteln, bevor es im alten Tagebau Laußnitz  I. nach insgesamt 2,2 Kilometern ins Stammwerk gelangt. Hier werden Kies und Sand weiterverarbeitet, gemischt, abtransportiert. Zwar wird das Förderband eingehaust, doch wie sich all die Details eines solch riesigen Abbaugebietes im Alltag wirklich anfühlen werden, bleibt vorerst die Frage. Werden die Straßen durch den Lieferverkehr zerfahren? Wie wird die Lärm- und Staubbelastung ausfallen? Auch wenn über dem Grundwasserspiegel im Trockenschnitt abgebaut wird – könnten Teiche oder Bäche trockenfallen?

Vor der Tür, doch im anderen Kreis

Noch stehen viele Antworten aus. Die Unterlagen sind beim Oberbergamt. Ab drittem Quartal ist mit dem Planungsverfahren zu rechnen. Thiendorfs Bürgermeister Dirk Mocker sieht die Sache nüchtern, hofft auf das ein oder andere Einvernehmen. Kein Wunder. Das Bergbaurecht ist eines der rigidesten überhaupt, wurde doch im Einigungsvertrag weiterhin DDR-Recht festgeschrieben. Auch die Nachbarn in Laußnitz dürften sich eher still verhalten. Denn Würschnitz-West, wie Würschnitz-Ost liegen noch in der Gemarkung Laußnitz, aber weit genug vom Ort Laußnitz entfernt. Da das Kieswerk dort seinen Unternehmenssitz hat, zahlt es auch dort seine Steuern. Thiendorf und der Kreis Meißen haben ausschließlich die Lasten.