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Ein Gutschein gegen leere Läden

Meißen stärkt den Einzelhandel mit einem neuen Projekt. Ist das auch eine Lösung für Riesa?

© Sebastian Schultz

Von Britta Veltzke und Marcus Herrmann

Meißen/Riesa. Der 15-jährige Jan bekommt von Oma 50 Euro zum Geburtstag. Was macht der Enkel? Er kauft sich beim Internethändler Amazon ein Computerspiel. Das freut Jeff Bezos, Chef des Online-Versandhauses. Die lokalen Geschäftsinhaber hingegen gucken blöd aus der Wäsche. Um solche Szenarien zu vermeiden, hat Meißen im Dezember einen Einkaufsgutschein eingeführt – wie sich nun zeigt mit großem Erfolg. Schon über 100 Geschäfte vom Blumenhändler über Geschenkeläden bis hin zum Fischladen nehmen die Zehn-Euro-Bons an. Langsam aber sicher geht die erste 3 500 Gutscheine starke Auflage zur Neige. Besonders erfreut darüber ist Meißens Stadtmarketing-Chef Christian Friedel. „Die Aktion hat meine Erwartungen übertroffen.“ Ziel ist es, das Geld der Meißner möglichst in Meißen zu lassen.

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Auch auf Riesas langer Ladenstraße ist man immer wieder auf der Suche nach gewinnbringenden Projekten, um das Ladensterben aufzuhalten. Der Chef der Werbegemeinschaft Innenstadt Riesa, kurz WIR, Andree Schittko, könnte sich ein ähnliches Modell auch in der Sportstadt vorstellen. Nur: „Wer setzt es um?“, fragt er. „Solche Angebote stehen und fallen immer mit den Personen, die die Organisation in die Hand nehmen.“

„Die Kunden nicht überfrachten“

Die Porzellanstadt hat dahingehend einen strategischen Vorteil: Der Mann, der hinter der Meißner Aktion steht, ist bei der Stadtverwaltung angestellt. Er kümmert sich hauptamtlich um Aktionen wie den Geschenkgutschein. Anders in Riesa: Die Stelle „Stadtmarketing“ wurde gestrichen. Dafür kommt ab April ein Wirtschaftsförderer ins Rathaus. Das Stadtmarketing ist in Riesa nun im Bereich Öffentlichkeitsarbeit angesiedelt, der jedoch auch schon mit Presseanfragen und der Produktion des Amtsblattes beschäftigt ist. „Solch ein Projekt wie Meißen kann sicher gut mit Vereinen in unserer Stadt angegangen werden. Ich denke dabei nur an den Handels- und Gewerbeverein, den WIR oder auch die Werbegemeinschaft Riesapark“, so Stadtsprecherin Manuela Langer. Ohne die Details zu kennen, findet sie die Idee erst einmal gut.

Und was sagt WIR-Chef Andree Schittko? „Letztlich muss man genau betrachten, was es den Einzelhändlern bringt.“ Es sei auch nicht das erste Mal, dass sich der Verein der Innenstadthändler mit solchen Gutscheinmodellen auseinandersetze: „Vor etwa drei Jahren gab es die Diskussion schon einmal. Das Angebot eines Marketingunternehmens war damals allerdings so teuer, dass wir davon abgesehen haben.“ Für den Gewerbeverein WIR wäre ein einmaliger vierstelliger Betrag fällig geworden, für die Händler noch einmal rund 100 Euro im Monat.

WIR-Vorsitzende war damals Annett Margenberg vom gleichnamigen Modegeschäft auf der Hauptstraße: „Es war sogar so, dass die Gutscheine nach diesem Modell nur Angestellte großer Unternehmen bekommen hätten, beispielsweise als Weihnachtsgratifikation. Wir als Gewerbeverein sollten uns dann auch noch um die Akquise der Firmen kümmern. Das war zu viel verlangt.“ Nun koche jeder Riesaer Händler sein eigenes Süppchen, um Kunden zu binden: „Manche haben die Deutschlandcard, andere nutzen Payback oder Lyoness. Da gibt es ja mittlerweile so viele Angebote, dass man aufpassen muss, die Kunden nicht zu überfrachten.“ In ihrem Modegeschäft können Besitzer der goldenen Volksbank-Karte und einer dazugehörigen App auf dem Handy Vorteile nutzen. So hätten auch schon ortsfremde Kunden Weg zu ihr gefunden, so Margenberg. Aber auch das Meißener Modell findet sie interessant. „Dabei kommt es natürlich auf die Konditionen an.“

Angebot nur phasenweise

Je nach Größe des Geschäfts zahlen die Meißner Einzelhändler 30 bis 90 Euro im Jahr, wenn sie wollen, dass Kunden den Gutschein bei ihnen einlösen können. Das, was in Riesa dem Meißener Einkaufsgutschein bislang am nächsten kommt, sind die Wertgutscheine der Stadtwerke. Bei 25 Partnern lassen sich die Karten im Wert von drei Euro einlösen. Gerade ruhe die Aktion allerdings, so Stadtwerke-Sprecher Daniel Kühne. „Wir bieten das immer nur phasenweise an. Voraussichtlich ab Mai geht´s weiter. Im letzten Jahr wurden rund 2000 Gutscheine eingelöst.“ Den Löwenanteil der drei Euro tragen die Stadtwerke, den kleineren Anteil zahlen die Händler. Auch dabei stehe der Gedanke im Vordergrund, den Einzelhandel anzukurbeln. „Von Werbegeschenken, die ja meistens nicht hier hergestellt werden, haben wir uns dafür größtenteils verabschiedet.“

Der WIR-Verein will voraussichtlich bei seiner nächsten Sitzung über den Meißener Gutschein sprechen – vielleicht lässt Jan sein Geburtstagsgeld ja schon beim nächsten Mal bei einem Riesaer Händler.