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Ein Hauch von Silicon Valley

Der Sackaer Präzisionsprüfgeräte-Hersteller Cascade Microtech lud nach fünf Jahren wieder einmal zur Stippvisite.

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© Kristin Richter

Von Manfred Müller

Sacka. Einige Türen bleiben auch beim Tag der offenen Tür verschlossen. „Wir versenden die meisten unserer Produkte per Luftfracht“, erklärt Cascade-Geschäftsführer Claus Dietrich. Dadurch müssen wir Sicherheitsbestimmungen einhalten, von denen wir vor zehn Jahren noch nicht einmal geträumt hätten.“ Einige Räume darf nicht einmal der Chef betreten, und das wird streng vom Zoll überwacht. Die mit Hochtechnologie ausgerüsteten Prüfgeräte werden zwar vor dem Verladen noch einmal durchleuchtet, aber wer kennt sich schon damit aus, was an so eine Maschine wirklich drangehört und was nicht?

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Es ist schon schwer genug zu erklären, was die Sackaer eigentlich produzieren. Cascade Microtech ist der weltweit führende Hersteller von Präzisionsprüfgeräten für sogenannte Wafer. Letztere sind etwa einen Millimeter dicke Scheiben, die meist aus Silizium bestehen, und als Grundplatte für elektronische Bauelemente dienen. Zum Beispiel für integrierte Schaltkreise. Oder für mikromechanische Bauelemente und photoelektrische Beschichtungen. Unterm Mikroskop sieht ein Wafer fast so aus, als betrachte man eine irdische Stadt durchs Weltraumteleskop. Tausende von elektronischen Bauelementen finden auf der hauchdünnen Siliziumscheibe Platz.

Geräte für Apple, Intel, Sony

Wo so viele Schaltkreise aufeinander abgestimmt werden müssen, darf nicht der geringste Fehler passieren. In Sacka werden seit mehr als 20 Jahren Präzisionsprüfgeräte gebaut, die dafür sorgen, dass die Elektronik von Computern, Autos, Flugzeugen und sogar Satelliten zuverlässig funktioniert. Ob Apple, Amazon, Intel, Samsung oder Sony – sie alle arbeiten mit Hightech aus Sacka. Pro Jahr verlassen etwa 250 Maschinen die Hallen an der B 98, manche davon kosten mehr als eine Million Euro.

Und mehr als 500 Besucher nutzten am Samstag die Chance, einen Blick hinter die Firmenkulissen zu werfen. Darunter Wolf-Dietmar Hamann, der die Sackaer Mikrowelt fasziniert durch ein Mikroskop betrachtet. Der Meißner war bis zu seiner Pensionierung Studiengangleiter Maschinenbau an der Berufsakademie Riesa. Etwa ein Dutzend seiner Absolventen hat es geschafft, bei den Sackaern einzusteigen.

Einer fungiert heute als Konstruktionsleiter. „Wer die harte, praxisnahe Ausbildung bei uns übersteht, ist richtig gut in seinem Fach, und dadurch stehen ihm viele Türen offen“, sagt der Professor. Fähige Ingenieure und Mechatroniker werden in der mittlerweile 150 Mitarbeiter zählenden Firma ständig gebraucht. „Wir haben im vorigen Jahr ein Rekordergebnis erzielt“, sagt Geschäftsführer Dietrich. „Da darf man den Berufsnachwuchs nicht aus dem Auge verlieren.“

Vor sieben Jahren sah das noch anders aus. Da war die vormalige Suss Microtech an die US-amerikanische Firma Cascade verkauft worden – den härtesten Konkurrenten der Sackaer auf dem Weltmarkt. Nahezu die Hälfte der Entwicklungsressourcen ging für den wirtschaftlichen Schlagabtausch mit den Amerikanern drauf. Bald aber erbrachte Microtech mit seinen Probern zwei Drittel des Umsatzes und wurde zur profitabelsten Sparte für das börsennotierte Unternehmen. Die Sackaer haben in die Firma vor allem ihre Stärken bei LED-Testsystemen, Vakuum-Probern, Cryo-Probern sowie Fehleranalysen und Sensorik eingebracht. Sie sind bei Cascade sozusagen die Tüftler. Im vorigen Jahr wurde die Mutterfirma dann ihrerseits aufgekauft – vom Unternehmen FormFactor aus dem kalifornischen Silicon Valley. Deshalb steht demnächst eine Namensänderung an.

„Klar sind wir stolz darauf, dass wir eine Firma aus dem Hochtechnologiebereich in unserer Gemeinde haben“, sagt Thiendorfs Bürgermeister Dirk Mocker. Außer diesem Stolz tue Microtech der Kommune aber auch auf ganz handfeste Weise gut. Schon dadurch, dass sich ein Teil der Mitarbeiter mit Familie in Sacka angesiedelt hat. Das mache die Gemeinde Thiendorf jünger, weltoffener, und die Kommune stehe auch bei den Steuereinnahmen besser da. Außerdem unterstütze Cascade Microtech etliche der ortsansässigen Vereine. Und da das Unternehmen mehr als 90 Prozent der benötigten Teile extern fertigen lässt, profitieren davon beispielsweise auch die Metall- und Maschinenbauer der Region.