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Ein Haus für die Kunst

Die Görlitzer Malerin Olga Yakovenko kauft mit ihrem Mann ein Gebäude in der Altstadt – und will es vielfältig nutzen.

© Nikolai Schmidt

Von Sebastian Beutler

Görlitz. Wenn Olga Yakovenko in ihre Werkstatt für Bilderrahmen geht, muss sich die Malerin noch schlanker machen, als sie ohnehin schon ist. Zwei Maschinen stehen im Raum, an den Wänden strecken sich Regale in die Höhe. Wenn sie große Rahmen zurechtschneidet und leimt, dann müsste sie eigentlich immer eine der schweren Maschinen wegrücken. Aber das geht nicht. Deswegen sucht sie seit einiger Zeit nach einer Alternative für ihre Werkstatt. Und zum Wohnen auch.

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Olga Yakovenko in ihrer engen Werkstatt für Bilderrahmen. Das soll sich im neuen Haus ändern.
Olga Yakovenko in ihrer engen Werkstatt für Bilderrahmen. Das soll sich im neuen Haus ändern. © Pawel Sosnowski

Da wollte es der Zufall, dass die Malerin mit ukrainischen Wurzeln vor einigen Jahren zusammen mit ihrem Mann René Rücker auf die Kränzelstraße zog. Mitten in der Altstadt wohnen sie seitdem, zuvor war die Innenstadt West ihr Zuhause. Seit Jahren steht bereits ein Nachbarhaus in der Kränzelstraße leer. Es ist die Nummer 25. Auf ihrer Erkundigungstour erfuhren sie, dass es im Besitz der Stadt ist. Sie hatte hier seit 1992 ein „Haus der Begegnung“ betrieben, vor einigen Jahren zogen die letzten Mieter aus. So versuchten Olga Yakovenko und ihr Mann seit zweieinhalb Jahren, das Haus zu erwerben. Jetzt hat der Stadtrat dafür einstimmig grünes Licht gegeben – für 170 000 Euro geht das Haus an die Beiden. Ein Mitbewerber bot nur 100 000 Euro, doch kam der Gutachterausschuss für Grundstückswerte im Landkreis zu dem Schluss, dass der Verkehrswert des Grundstückes bei 170 000 Euro liegt. Deswegen kam das konkurrierende Angebot nicht in die engere Wahl.

Olga Yakovenko ist einerseits froh, dass die lange Warterei ein Ende hat. Das Haus selbst ist nicht allzu groß, aber es hat einen schönen Garten zur Stadtmauer hin. Vor ihrem geistigen Auge sieht die 43-Jährige bereits Teilnehmer von Sondermalkursen in der schönen Jahreszeit im Garten zeichnen. Doch das ist alles Zukunftsmusik. Denn die neuen Eigentümer müssen erheblich in das Haus investieren. Zwar ist es von der Stadt vor 25 Jahren schon einmal saniert worden, aber das Dach ist undicht, an manchen Stellen ist falscher Putz aufgetragen und die Fenster lassen ebenso Nässe durch. Das wird viel weiteres Geld kosten. Neben den Wohnräumen soll auch ein großes Atelierzimmer für Olga Yakovenko entstehen. „In der Galerie habe ich nicht genug Platz, um umgestört auch große Werke zu schaffen“, sagt sie. Und natürlich eine Werkstatt für ihre Bilderrahmen. CDU-Fraktionschef Dieter Gleisberg, nicht immer einer Meinung mit der Stadtverwaltung beim Verkauf von städtischem Eigentum, war in diesem Fall froh, dass das Haus an die Malerin und ihren Mann geht. „Das passt gut in die Görlitzer Altstadt“, ist er sich sicher.

An ihrer Galerie an der Ecke Elisabeth-/Curiestraße hält sie fest. Dort hat sie in den vergangenen zweieinhalb Jahren auch schwierige Zeiten erlebt. Ursprünglich hatte sie ihr Atelier und ihre Galerie auf der Landeskronstraße. Doch lag sie zu weit ab vom Touristenstrom, von dem Olga Yakovenko profitieren will. Sie ist bekannt für ihre Görlitzer Miniaturen – Zeichnungen auf kleinstem Raum. Deswegen zog sie Anfang 2015 an den Rand der Altstadt, in die Elisabethstraße. Anfangs standen noch die Baugerüste, später mussten noch Decken in ihrem Atelier erneuert werden, sodass sie den Spätsommer 2016 pausieren musste. Nun hat sich wieder alles eingespielt. Ihre Malkurse, an denen vom Anfänger bis zum Künstler alle teilnehmen können, sind gut besucht. Sie profitiert von dem neuen Trend, wieder zu malen.

Das war in dieser Dynamik nicht abzusehen, als sich Olga Yakovenko Anfang 2010 auf der Landeskronstraße niederließ. Sie stammt aus der westukrainischen Stadt Tenopil. Zur Freude ihrer Mutter, wie sie Künstlerin, schuf sie bereits mit fünf Jahren ihre erste Grafik. Als junge Frau ging sie nach Wroclaw und malte – und finanzierte sich damit ein Studium an der Kunstakademie der Stadt. Schließlich lernte sie über einen gemeinsamen Freund aus Deutschland ihren heutigen Mann kennen, 2003 zog sie mit ihm nach Görlitz. Kurse an der Volkshochschule und Mitarbeit in der Görlitzer Handwerkerey auf dem Untermarkt waren erste Schritte für sie in der neuen Heimat. Nun geht sie gemeinsam mit René Rücker den nächsten Schritt.