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Ein Ire gegen Lufthansa

Michael O’Leary erobert mit seiner Billigfluglinie Ryanair Frankfurt. Jetzt gibt es Krach um die Gebühren am Airport.

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© Reuters

Von Christian Ebner und Steffen Weyer

Es ist nicht irgendein Flughafen, an dem Ryanair neue Flieger stationiert. Der Rhein-Main-Airport in Frankfurt ist historisch vor allem als Drehkreuz der Lufthansa gewachsen. Billigflieger machten bislang einen großen Bogen um den teuren und komplizierten Großflughafen.

Hier ist der Neuzugang willkommen

Fraport will Billigflieger anwerben, weil das Netzwerkgeschäft mit dem Hauptkunden Lufthansa nicht mehr wächst. Statt genehmigter 701 000 Flugbewegungen fanden im vergangenen Jahr nur 468 000 statt, die Eröffnung des neuen Terminals 3 wird mangels Nachfrage immer weiter nach hinten verschoben. Die flinken Billigflieger scheuten bislang aber die hohen Gebühren und langen Abfertigungszeiten, sodass nur rund 4 Prozent des Flugangebots dem Billigsegment zuzurechnen sind. Mit der noch nicht genehmigten Preisstaffel locken Rabatte für Neukunden und flexible Dienstleistungen am Boden. Laut Fraport-Chef Stefan Schulte bewegen sich die geplanten Nachlässe im international üblichen Rahmen. Dabei bekämen die Airlines im ersten Jahr typischerweise 40 bis 50 Prozent der gezahlten Passagierentgelte zurückerstattet. Binnen drei Jahren würden diese Rabatte dann zurückgefahren.

Ryanair reibt sich die Hände

Ryanair ist zweifelsfrei ein Coup gelungen. Mitten im Kranichnest der Lufthansa werden von März 2017 an Ryanair-Maschinen starten und landen, wenn auch zunächst nur im bescheidenen Umfang. Mit erst einmal zwei Maschinen und jeweils zwei Starts und zwei Landungen am Tag sind die Jets aber nach Ryanair-Maßstäben nur zur Hälfte ausgelastet und damit unverhältnismäßig teuer. Es kommt zunächst darauf an, mit Fraport die Prozesse am Boden auf Billigflieger-Anforderungen zu trimmen und dann im bevölkerungsreichen Rhein-Main-Gebiet schnell zu wachsen.

In Berlin sei man innerhalb von drei Jahren von 400 000 auf 5,4 Millionen Passagiere gewachsen, sagt Ryanair-Marketingchef David O’Brien. Und er sehe keinen Grund, warum das in Frankfurt anders sein sollte.

Anteilseigner ist hin- und hergerissen

Das Land Hessen muss den Fraport-Antrag zur neuen Gebührenstaffel prüfen und entscheiden. Man werde das in den kommenden Wochen und rechtzeitig vor dem Jahreswechsel tun, kündigt das zuständige Ministerium an. In Wiesbaden hat man zu den wettbewerbsrechtlichen Auswirkungen des neuen Preissystems ein Gutachten bestellt und kann bislang zumindest keine „Lex Ryanair“ erkennen.

Hessen ist mit 31 Prozent größter Anteilseigner der Fraport und daher interessiert am Wachstum des als Job-Motor benötigten Flughafens. Andererseits sitzen der schwarz-grünen Landesregierung Anrainer-Kommunen und Initiativen lärmgeplagter Anwohner im Nacken, die das Nachtflugverbot ausweiten und den Lärm mit einer Obergrenze deckeln wollen.

Urlauber können schon mal packen

Die Passagiere werden von einem ausgebauten und konkurrierenden Angebot profitieren. Kurioserweise konnten die Nachbarn des größten deutschen Flughafens bislang kaum die Angebote der expandierenden Billigflieger nutzen, sondern mussten etwa nach Hahn im Hunsrück oder Köln-Bonn ausweichen. Auch die Lufthansa-Billigsparte Eurowings startet im Gegensatz zur spanischen Vueling und der isländischen WOW bislang nicht von Rhein-Main. Laut Fraport werden nur rund 80 der mehr als 200 Europaziele, die Ryanair insgesamt anbietet, derzeit von anderen Airlines von Frankfurt aus bedient – es gibt also ein Potenzial zusätzlicher Verbindungen.

Konkurrenz ist aufgebracht

Die Lufthansa und andere Bestandskunden schäumen. Auch wenn Lufthansa-Chef Carsten Spohr versucht, die Situation mit lockeren Sprüchen zu meistern, setzt er das Land Hessen und die Fraport unter Druck. Letztlich droht der größte Kunde und Fraport-Großaktionär (8,44 Prozent) auch im Namen der übrigen Bestandskunden damit, die Gebühren einseitig auf das Ryanair-Niveau zu kürzen. In seiner Geschäftsstrategie mit der Billigmarke Eurowings sieht sich Spohr angesichts der Ryanair-Pläne jedoch bestätigt. „Eine Airline, die mit zu hohen Kosten fliegt, wird hier in Europa entweder schrumpfen oder ganz verschwinden“, sagte er mit Blick auf die Gewerkschaften. Eurowings könnte also auch am Heimat-Drehkreuz der Kranichlinie antreten. (dpa)