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Ein Jahr nach dem großen Knall

Vor einem Jahr hat eine Explosion das Haus der Familie Neumann beschädigt. Erst seit Kurzem sind alle Schäden beseitigt.

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© Dietmar Thomas

Von Heike Heisig

Roßwein. Marlen und Sven Neumann haben am Dienstag ihren ersten Hochzeitstag genossen. Das junge Paar sollte eigentlich noch viele Wünsche haben. Hat es aber nicht. Die beiden wünschen sich nur etwas Ruhe für ihr erstes Familienfest – mit dem kleinen Aaron und im inzwischen reparierten Haus. Vor einem Jahr sah es dort verheerend aus.

So sah es vor einem Jahr aus.
So sah es vor einem Jahr aus. © Dietmar Thomas

Es war der Nachmittag des zweiten Advents 2014. Sven Neumann (27) hantierte im künftigen Kinderzimmer im Obergeschoss des Einfamilienhauses an der Karl-Marx-Straße in Roßwein mit einer Farbsprühpistole. Nachdem er mehrere Zimmer mühsam mit der Farbrolle renoviert hatte, entschied er sich zur Arbeitserleichterung, die Farbe nun aufzusprühen. Dabei kam es dann zu einer Explosion. „Wie ich danach die Treppe runter bin, die mit Trümmern übersät war, weiß ich nicht mehr“, gibt Sven Neumann zu. Erinnern kann er sich noch an die Erleichterung, dass seiner damals schwangeren Freundin nichts passiert ist. Mit der ging er ums Haus herum, um die Schäden in der Fassade zu begutachten. „Plötzlich schrie er: Ich brenne“, erzählt Marlen Neumann (23). Dabei habe man überhaupt nichts gesehen. Trotzdem sprang Sven Neumann damals unter die Dusche. Mit Verbrennungen vor allem an den Armen kam er noch am gleichen Tag ins Brandverletztenzentrum von St. Georg nach Leipzig.

Kaum was zu sehen

Davon ist heute kaum noch etwas zu sehen. Nach einer Hauttransplantation verheilten die Narben des Baumaschinenmechanikers gut. Vor die Roßweiner Standesbeamtin trat er vor einem Jahr noch mit Verbänden an Armen und Händen. „Ich hätte ihn unter allen Umständen geheiratet“, sagt Marlen Neumann. Schon bei ihrem ersten Anruf im Krankenhaus nach dem Unfall war klar, dass es bei dem Termin – ihrem Kennenlerndatum – bleibt. Pünktlich konnte Sven die Klinik verlassen.

Inzwischen ist ein Jahr vergangen, indem viel passiert ist. Richtig zum Luftholen ist die junge Familie allerdings noch nicht gekommen. Zu Weihnachten 2014 war das Haus, in das die Explosion ein großes Loch gerissen hatte, soweit gesichert, dass keine weiteren Schäden entstehen konnten. Die Feiertage verbrachte das frisch gebackene Ehepaar bei Marlens Vater in Döbeln. Danach brauchte ein Gutachter Zeit, um das Leistungsverzeichnis für die Renovierung zu erstellen. Im Februar war das fertig. Aber schon im März kam Aaron zur Welt. Wenig später musste Marlen Neumann mit Herzproblemen ins Krankenhaus, danach war für alle eine Kur fällig.

Es war anstrengend

Mitte Juni haben dann die ersten Handwerker losgelegt. Erst im November haben sich die letzten – die Treppenbauer – verabschiedet. In dieser Zeit stand das gesamte Mobiliar aus dem Obergeschoss im Erdgeschoss des Hauses. Den Tagesablauf bestimmte nicht nur Aaron, sondern auch das, was auf der Baustelle passierte. „Das war wirklich anstrengend“, sagt Marlen Neumann. Sie ist erleichtert, dass jetzt alles an seinem Platz steht und sie beginnen können, ihre Elternzeit zu genießen. Bisher sei das nur schwer möglich gewesen.

Über die Versicherung konnten alle Schäden problemlos, wie die Neumanns sagen, reguliert werden. Trotzdem sind Marlen und Sven Neumann immer noch davon angetan, wie viel Solidarität ihnen nach dem Unglück zuteil geworden ist. Es gab mehrere Benefizaktionen, Nachbarn halfen sofort und auch in den Tagen und Wochen danach.

Ihre Hochzeitsreise nachzuholen, das haben die Neumanns in nächster Zeit nicht vor. Vorerst geben sie sich mit ein paar Tagen Erholung an der See zufrieden, wo Sven Neumann einige Jahre gelebt hat. Eine größere Hochzeitsfeier soll aber wirklich noch nachgeholt werden.

Eine genaue Explosionsursache konnten die Experten nicht ermitteln. Nach dem Weshalb wollen aber auch Marlen und Sven Neumann nicht mehr fragen. Der 27-Jährige ist froh und dankbar, dass er bei dem Unfall einen Arbeitsanzug anhatte, der schlimmere Verbrennungen verhindert hat. Die kleine Familie macht einen zufriedenen Eindruck. Aaron beobachtet neugierig und wird erst dann quengelig, als sich bei ihm der Hunger meldet.