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Ein Jahr wie eine Achterbahnfahrt

Trainerwechsel, Klassenverbleib, zwei Derby-Pleiten und am Ende ein versöhnlicher Abschluss. Das Fußball-Jahr des FC Erzgebirge Aue bot den Fans viele Höhepunkte.

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© Sebastian Kahnert / dpa

Von Fabian Held

Aue. Die Fans mussten leiden, durften hoffen und am Ende jubeln. Ein Jahr mit großen Emotionen beim FC Erzgebirge Aue.

DAS ERSTE TIEF

Am 28. Februar scheint der Club so gut wie abgestiegen aus der 2. Fußball-Bundesliga. Nach einem 1:4 zu Hause gegen Dynamo Dresden - einer von zwei Pleiten gegen den Erzrivalen in diesem Jahr - ist die Zeit von Pavel Dotchev als FCE-Trainer vorbei. „Pavel verlässt den Verein durch die Vordertür“, sagte Präsident Helge Leonhardt damals. Erstmals übernimmt Co-Trainer Robin Lenk die Leitung des Trainings. Dotchev ist in Aue immer noch hoch angesehen, da er den direkten Wiederaufstieg in die 2. Bundesliga vollbracht hatte.

DAS ERSTE HOCH

Das 0:1 bei Fortuna Düsseldorf geht als schönste Niederlage in die Vereinsgeschichte ein. Dotchev-Nachfolger Domenico Tedesco schafft die kaum mehr für möglich gehaltene Wende und den Klassenverbleib. Es ist die Art des jungen Trainers, die noch immer in Aue nachhallt. Wie kaum ein anderer versteht er es, Mannschaft und Umfeld mit einzubinden. Mit einfachen taktischen Maßnahmen und einer Umstellung auf ein 5-2-3-System gibt er einem verunsicherten Team Halt. 20 Punkte aus elf Spielen sind für einen Aue-Trainer eine starke Bilanz.

DAS ZWEITE TIEF

Tedesco geht. Am 9. Juni entscheidet sich die Trainer-Hoffnung für den FC Schalke 04. Dass das Erzgebirge für Tedesco einmal zu klein werden würde, war in Aue allen klar. Dennoch hatten sie auf mindestens eine weitere Saison gehofft. Immerhin: 500 000 Euro Ablösesumme erleichtern die Suche nach einem Nachfolger. Tedesco hinterlässt einen langen Schatten und einen bleibenden Eindruck.

DAS DRITTE TIEF

Die vielleicht größte Fehlentscheidung von Präsident Leonhardt. Thomas Letsch wird Nachfolger von Tedesco - und scheitert. Es passt nicht zwischen Mannschaft und Trainer. Letsch will modernen, auf Pressing basierten Fußball spielen. Das Personal gibt das nicht her. Drittligist SV Wehen-Wiesbaden führt die Auer im DFB-Pokal vor. Das 0:2 ist Letschs dritte Pleite im dritten Spiel - und sein Aus. Letschs Art kommt beim Arbeiterverein zudem nie gut an. 57 Tage ist er nur im Amt. Lenk springt erneut für zwei Spiele ein, ist kurz als Dauerlösung im Gespräch. Die fehlende Fußballlehrer-Lizenz verhindert einen Aufstieg zum Chef.

DER VERSÖHNLICHE ABSCHLUSS

Trotz einer zwischenzeitlichen Krise erweist sich Hannes Drews als richtige Wahl. Er richtet sich nach dem Können der Mannschaft, ähnelt in vielen Punkten Tedesco. In den 14 Spielen unter Drews holte Aue 19 Punkte, geht mit 23 Zählern in die Winterpause. Das ist eine für Auer Verhältnisse sehr ordentliche Bilanz. „Wenn man alles sieht, ist das positiv. Aber wir haben viele Schwankungen in unseren Leistungen gehabt“, meinte der 35-Jährige Trainer. „Da müssen wir ansetzen.“

DER AUSBLICK

Für die Rückrunde darf und will sich der FCE nicht zu sicher fühlen. Gerade einmal sechs Punkte trennen Platz 4 und Platz 15 in der Tabelle. Nur vier Tore schoss Aue in den vergangenen sechs Spielen. Seit Oktober treffen die beiden Topscorer Pascal Köpke und Sören Bertram nicht mehr. Seit Mitte September hat Aue nie mehr als ein Tor geschossen. Späte Gegentore kosteten dagegen mindestens sechs Punkte. „Wir müssen auch mal ein dreckiges 1:0 mitnehmen“, forderte Clemens Fandrich.

Personell wird sich in Aue kaum etwas tun. Zwei, drei Spieler dürfen bei Angeboten gehen. Ein Neuzugang ist realistisch, allerdings nur, wenn er wirklich besser als das vorhandene Personal ist. Vielmehr hofft Aue auf die Rückkehr des verletzten Nicky Adler, der vor allem mit seiner Mentalität sehr wichtig für die Mannschaft ist. Dazu befanden sich Spieler wie John-Patrick Strauß, Malcolm Cacutalua und Cebiou Soukou zuletzt klar im Aufwärtstrend.

Am 2. Januar legen die Sachsen mit der Wintervorbereitung los. Ein Trainingslager in Spanien ist geplant. Mit dem erneuten Klassenverbleib wollen die „Veilchen“ dann für das nächste emotionale Highlight sorgen. (dpa)