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Ein junger Wolf sorgt vor den Toren von Bautzen für Aufregung

Am Wochenende hatten Bürger aus Doberschütz und Niederkaina das Tier gesehen. Auf einem Feld riss es einen Rehbock.

Von Kerstin Fiedler

Große Aufregung herrschte am Wochenende zwischen Malschwitz und Bautzen: Vor den Toren der Kreisstadt war ein junger Wolf unterwegs. Mehrere Anwohner sahen das Tier auf den Feldern zwischen dem Stausee und der A4.

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Zwar gehört die Region zum Verbreitungsgebiet der Lausitzer Wölfe. So dicht an einer großen Stadt und zudem am helllichten Tage wurden die Tiere bisher aber nicht gesehen. Aufgefallen sind sie bislang vor allem durch nächtliche Schafs- und Wildtierrisse in den nördlichen Gemeinden des Kreises.

Manuela Michalk aus Doberschütz entdeckte den Wolf am Freitagabend als Erste. Am Sonnabendvormittag beobachtete Frank Löschau, wie der Wolf ein Rudel Rehe über das Feld zwischen Kreckwitz und Doberschütz trieb. Gegen 14.45Uhr am selben Tag sah Bernd Rehn aus Doberschütz das Tier, als es die B 156 am Stausee querte. „Das Tier fand eine Lücke im Schneezaun und verschwand in Richtung Stausee. Alle Autos haben vorbildlich gebremst. Der Wolf war ja nicht zu übersehen, da er erst Zickzack gerannt ist, bis er die Lücke entdeckte“, berichtet Rehn. Einen Tag später sichtete Bernd Rehn mit seiner Frau dann zwei tote Rehe an verschiedenen Stellen, offenbar vom Wolf gerissen. Dies meldete Rehn Günter Sodan, der in dem Gebiet als Jäger unterwegs ist.

„Von dem einen Tier war schon fast nichts mehr da, das zweite war nur von Krähen oder Raubvögeln angefressen worden“, sagt Günter Sodan. Er meldete den Vorfall dem Kontaktbüro „Wolfsregion Lausitz“. Gesa Kluth und Katharina Blum kamen gestern auf das Feld hinter Kreckwitz. Sie untersuchten das tote Tier und die Spuren, die teilweise noch gut sichtbar waren. Dennoch wollten sie zunächst einen Angriff von einem Hund nicht ausschließen. Günter Sodan war empört: „Das ist alles so offensichtlich, und es gibt jemanden, der Fotos gemacht hat“, sagte er. Fotografiert hat den Wolf Silvio Rehn aus Niederkaina. Seine Freundin hatte das Tier beim Joggen gesehen, sodass er sich Sonnabendnachmittag mit dem Fotoapparat aufmachte. „Es war aufregend, und ehe ich den Apparat aus der Jacke geholt hatte, war das Tier weggelaufen. Es hat uns beobachtet, hatte wohl Angst vor uns“, erzählt Silvio Rehn. Das Foto war letztlich auch für die Wolfsexperten der Beweis, dass es sich um einen Wolf handelt. „Ich vermute, dass es sich um einen Welpen oder Jährling des Daubaner Rudels handelt. Das Gebiet befindet sich im Randbereich dieses Rudels und gerade die Jungtiere sind teilweise noch unbedarft und auch am Tage anzutreffen“, sagt Ilka Reinhardt vom Wolfsbüro. Gesa Kluth untersuchte das tote Reh gestern Nachmittag gründlich. „Die vielen Verletzungen am Körper weisen auf einen harten Kampf hin – ungewöhnlich bei einem Wolfsriss“, sagt sie. Deshalb bestätigt sie die Vermutung, dass es ein unerfahrener Wolf gewesen ist. Die Fotos von der Untersuchung will sie heute Günter Sodan schicken.

Experte sieht keine Gefahren

Auch der Oberlausitz-Ranger Gisbert Hiller wurde informiert. Er war für die Naturschutzbehörde des Landkreises auf Spurensuche. „Die Anwohner müssen sich keine Sorgen machen“, sagt er. Da Wölfe weit laufen, sei es nicht ungewöhnlich, ihn hier zu sehen. Günter Sodan wünscht sich, dass die Fachleute vom Wolfsbüro mit den Jägern eng zusammenarbeiten. „Ich habe nichts gegen den Wolf. Aber es darf nichts verschleiert oder verharmlost werden“, fordert er.