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Ein junggebliebenes Dorf entdecken

Die Jiedlitzer laden am Sonntag zum Spaziergang durch ihren Ort ein. Zu entdecken gibt’s eine Menge.

© Steffen Unger

Von Manuela Paul

Jiedlitz. Tannen sucht man in Jiedlitz vergebens. Die Umgebung des kleinen Dorfes mit seinen schmucken Anwesen zeigt sich eher baum- und strauchlos. Dabei geht der Ortsname auf das altsorbische Wort jedla zurück und bedeutet Tanne, erzählt die Jiedlitzerin Kathrin Kahl. In früheren Zeiten gab es scheinbar eine bewaldete Flur.

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Die Bilder vom junggebliebenen Dorf

Der Jugendclub baute nicht nur einen Spielplatz für die Kleinsten, sondern hübschte auch die Bushaltestelle auf
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m Gewölbe an der Lindestraße 10 wurden erste Ideen zum Ortsspaziergang gesammelt.
m Gewölbe an der Lindestraße 10 wurden erste Ideen zum Ortsspaziergang gesammelt.
Einmal im Jahr wird zu Pfingsten richtig gefeiert. Natürlich alle zusammen. Auch beim Aufräumen packen alle mit an. Dafür ist die Jugend sehr dankbar.
Einmal im Jahr wird zu Pfingsten richtig gefeiert. Natürlich alle zusammen. Auch beim Aufräumen packen alle mit an. Dafür ist die Jugend sehr dankbar.
Jiedlitz war ein Bauerndorf. Das ist es noch heute. Dort findet man jede Menge Lebensqualität und eine tolle Gaststätte.
Jiedlitz war ein Bauerndorf. Das ist es noch heute. Dort findet man jede Menge Lebensqualität und eine tolle Gaststätte.
Ländliche Idylle mit grasenden Tieren hat der kleine Ortsteil auch zu bieten.
Ländliche Idylle mit grasenden Tieren hat der kleine Ortsteil auch zu bieten.
Zur 650-Jahrfeier wurde ein Granitstein in der Dorfmitte gesetzt.
Zur 650-Jahrfeier wurde ein Granitstein in der Dorfmitte gesetzt.

Dafür hat das kleine Jiedlitz mit seinen rund 200 Einwohnern etwas anderes zu bieten: Einen Jugendklub der seinesgleichen sucht. Nicht nur, dass der Verein mit rund 40 aktiven Mitgliedern einer der größten Jugendklubs der Region ist und eine Menge Leben ins Dorf bringt. Er hat auch eine vergleichsweise lange Geschichte. Seit fast drei Jahrzehnten ist er fest im Ort verwurzelt. Kein Wunder also, dass nicht nur ganz junge Leute mitmischen, sondern auch die ältere Jugend. „Unsere jüngsten Mitglieder sind 14 Jahre jung, der älteste fast 50“, weiß Kathrin Kahl – selbst ein Langzeitmitglied im Klub – zu berichten. Das fördere den Zusammenhalt der Generationen. „In Jiedlitz haben die jungen Leute ein super Verhältnis zu den Älteren.“ Dadurch entstand ein genialer Zusammenhalt, wie ihn sich manch anderer Ort nur wünschen kann. Jeder ist für jeden da. Wenn es nötig ist, packt der ganze Ort mit an. So wie beispielsweise nach dem jüngsten Pfingstfest – eines der größten und traditionsreichsten Dorffeste in der Region. Fast 80 Helfer kamen zum großen Aufräumen. „So viele waren es noch nie.“ Vielleicht ist das auch ein Grund, warum es in Jiedlitz so viel Zuzug gibt. Und Nachwuchs. „Wir haben fast 40 Kinder im Ort.“

Spaziergänge ein Renner

Von all dem und noch vielem mehr werden Kathrin Kahl und Steffen Günther am Sonntag berichten. Beim achten Burkauer Ortsspaziergang, bringen sie neugierigen Gästen Geschichte und Gegenwart des Ortsteiles auf unterhaltsame Art nahe. Bisher waren diese Spaziergänge ein Renner. Mehr als Hundert Leute kamen jedes Mal. Die Jiedlitzer freuen sich darauf, ihren Ort präsentieren zu können und haben einiges vorbereitet.

Zu berichten gibt’s eine Menge. Etwa über das alte Rittergut, an das so gut wie nichts mehr erinnert. Von Herrenhaus, Brennerei, Pferde- und Kuhstall blieb kaum etwas erhalten. Denn 1937 kaufte die sogenannte Reichsumsiedlungsgesellschaft das Gut und teilte es auf. So entstanden sieben neue Höfe und zehn Bauern bekamen Land. Oder von dem in den 1980er-Jahren erbauten kleinen Wohngebiet, welches die Jiedlitzer Indianersiedlung nennen. Wer am Sonntag mit auf Erkundungstour durch Jiedlitz geht, erfährt auch Geschichten über das Armenhaus. Oder, dass Kriegsgefangene früher nach Feierabend am Dorfteich musizierten, dort wo sich heute der Kinderspielplatz befindet. Bis in die Jiedlitzer Siedlung wird der Spaziergang allerdings nicht führen. „Die ist zusammen mit Bocka im nächsten Jahr dran.“

Die Jiedlitzer Geschichte ist reich an Episoden und Bildern. Einen Teil der historischen Fotos hat Kathrin Kahl in der Chronik veröffentlicht, die sie zum 650-jährigen Dorfjubiläum herausgab. Doch die 40-Jährige hat noch eine Menge Bilder übrig. Die will sie am Sonntag mitbringen. Wer Interesse hat, kann nach Herzenslust in der Foto-Kiste stöbern. Oder alte Filme anschauen. Die Jiedlitzer haben so einiges in petto.

Ortspaziergang: 27. Mai 14 Uhr, Lindenstraße 10