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Ein Kampf wie beim Boxen

So eng war ein Duell um die Schach-Krone schon lange nicht mehr. Fabiano Caruana fordert Titelverteidiger Magnus Carlsen.

© picture alliance / dpa

Von Georgios Souleidis und Pirmin Closse

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Norwegens Schachgenie Magnus Carlsen steht vor dem härtesten Kampf seiner Karriere, denn sein Herausforderer Fabiano Caruana kennt nur ein Ziel: als erster Amerikaner seit 46 Jahren den Weltmeistertitel zu erobern. Vom kommenden Freitag an bis zum 28. November spielen Weltmeister Carlsen und Caruana in London um die Krone ihrer Sportart. Es stehen zwölf Partien auf dem Programm. Bei Gleichstand von 6:6 wird der Champion in einem Tiebreak bei Partien mit verkürzter Bedenkzeit gekürt. Eine Million Dollar – umgerechnet etwa 875 000 Euro – liegen im Prämientopf.

„Dieses Mal ist es das wahre Duell“, sagt Carlsen und gibt zu: „Weltmeister zu sein, ist Teil meiner Identität geworden, und dementsprechend geht es um viel. Es kümmert mich gar nicht so sehr, Weltmeister zu sein. Ich möchte aber nicht, dass es jemand anderes ist“, meint der 27 Jahre alte Norweger. „Das ist ein wenig beschämend, muss ich ehrlich gestehen. So sollte es eigentlich nicht sein.“ Diese Aussage charakterisiert Carlsen treffend: Der beste Schachspieler der Welt gönnt seinen Gegnern keinen Sieg und zeigt seinen Unmut nach Niederlagen deutlich.

Vorbereitung mit Pizza und Poker

Aus dem einstigen Wunderkind ist längst ein globaler Superstar seiner Sportart geworden – mit allen auch unliebsamen Begleiterscheinungen. Carlsen, der sich unter anderem über seine Schach-App PlayMagnus bestens vermarktet und in seiner Heimat wie ein Popstar verehrt wird, wird eine Aura der Überheblichkeit nachgesagt. „Die meisten Topspieler sind sehr selbstbewusst, manche sogar arrogant“, stichelte auch Caruana jüngst: „Für Magnus ist es besonders schwer, dass ihm sein unglaublicher Erfolg nicht zu Kopf steigt.“

Carlsen ist seit Juli 2011 die Nummer 1 der Schachwelt und seit 2013 Weltmeister. Damals gewann er den Titel gegen den Inder Viswanathan Anand mit 6,5:3,5. Ein Jahr später verteidigte er ihn gegen den gleichen Gegner in Sotschi souverän mit 6,5:4,5. Etwas spannender machte er es 2016 gegen den Russen Sergej Karjakin: Carlsen siegte erst im Tiebreak mit 3:1.

Der Titelverteidiger führt die Weltrangliste an, doch Caruana folgt mit nur drei Punkten Rückstand auf Rang zwei. 33 Mal standen sich die beiden Großmeister im klassischen Schach schon gegenüber. 18 Mal endete die Partie unentschieden, zehnmal gewann Carlsen, fünfmal Caruana. Damit geht der Weltmeister als leichter Favorit ins Rennen – und gibt sich deshalb betont locker. In einem Video-Clip, den er über die sozialen Netzwerke verbreitete, schwärmte er scherzhaft von einer neu entdeckten 3P-Formel zur Vorbereitung: Pizza, Poker und Premier-League-Spiele.

Für den gut ein Jahr jüngeren Amerikaner ist der Griff nach dem WM-Titel die logische Konsequenz seiner zahlreichen Erfolge in den vergangenen Jahren. Viele Experten hatten ihn schon 2016 auf der Rechnung, doch beim Kandidatenturnier in Moskau landete er knapp hinter Karjakin auf Platz zwei. Im April dieses Jahres machte er es in Berlin besser. Caruana ist der erste Amerikaner seit Bobby Fischer 1972, der um die Weltmeisterschaft kämpft. So liegen nun die Hoffnungen aller Schachfans aus Übersee auf dem schmächtigen, jungen Mann. Caruana erwartet ein verbissenes Duell, für ihn ist Schach Kampfsport.

„Es ist ähnlich wie Boxen oder Mixed Martial Arts. Es ist ein Duell Schlag auf Schlag, in dem wir beide versuchen werden, die Oberhand zu gewinnen und unseren Willen dem anderen aufzudrängen“, sagt der 26 Jahre alte Amerikaner bei Internetportal time.com. „Es ist zwar kein physischer Sport, aber wenn die Leute diese Eins-gegen-eins-Duelle mögen, sind sie beim Schach richtig.“ (dpa, sid)