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Ein kleiner Trost

Sören Gonther sollte Dynamos Abwehr Stabilität verleihen. Doch wegen einer schwerwiegenden Verletzung verpasst der 31-Jährige fast die komplette Saison. Der Optimismus kehrt aber langsam zurück.

© Robert Michael

Herr Gonther, Sie fehlen seit Ende September wegen eines Kreuzbandrisses, und mussten sich das Spiel gegen Ihren Ex-Verein St. Pauli von der Tribüne aus anschauen. Wie sehr schmerzt das?

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Natürlich hätte ich gegen die Jungs gerne auf dem Platz gestanden. Aber ich habe das längst verarbeitet und mich damit abgefunden, dass ich in dieser Saison nicht mehr spielen kann. Was mich ein wenig tröstet: Bei meinen wenigen Einsätzen, die ich bisher für Dynamo absolviert habe, war ja einer gegen St. Pauli dabei.

Und wie sehr schmerzt das Knie?

Das geht. Noch fehlt die hundertprozentige Beweglichkeit, aber das kommt Stück für Stück. Letzte Woche war ich zur Kontrolle: Es ist alles top.

Wie sehr können Sie das verletzte Knie nach den beiden Operationen bereits belasten?

Auf dem Fahrrad bin ich schon ganz gut unterwegs, joggen ist aber noch kein Thema. Momentan geht es vor allem darum, die Stabilisierung des Knies zu fördern, dass es bei Widerstände dagegenhalten kann. Und die Muskulatur muss wieder zum Leben erweckt werden, der Oberschenkel soll wieder so werden, wie er vorher mal aussah.

Wie sieht Ihr Reha-Alltag aus?

Ich absolviere täglich im Stadion bei unserem Physiotherapeuten Tobi Lange ein vierstündiges Programm, mache jetzt also mehr, als wenn ich normal trainieren würde. Die Jungs treffe ich so regelmäßig und finde das gut. Es deprimiert mich absolut nicht, wenn ich sie trainieren sehe, das spornt mich eher noch an. Es gibt viele Spieler, die in so einer Situation Abstand wollen. Ich gehöre nicht zu denen, gehe höchstens ein, zwei Wochen mal nach Hamburg, um rauszukommen.

Wann werden Sie wieder voll einsteigen können ins Mannschaftstraining?

Mein Ziel ist, beim Start der Saisonvorbereitung im Sommer topfit zu sein. Vielleicht ist vorher im Mai schon die eine oder andere Passübung drin.

Beurteilen Sie die Leistungen der Mannschaft jetzt anders, wenn Sie von der Tribüne aus zuschauen oder vor dem Fernseher sitzen?

Nein, das nicht. Aber es gibt einen Unterschied: Jetzt ist es für mich deutlich schwieriger in Sachen Anspannung und Nervosität, das ist fürchterlich. Auf dem Platz bin ich wesentlich ruhiger.

Welches Zeugnis stellen Sie der Mannschaft nach der Hinrunde aus?

Ein durchwachsenes, was aber erklärbar ist. Aufgrund der Vielzahl der Verletzungen war es schwierig, eine Konstanz reinzubringen. Kiel oder Duisburg konnten größtenteils ihre Stammformation aufbieten, dadurch sind sie eingespielt, und das ist ein großer Vorteil. Wir haben richtig gute Spieler im Kader, keine Frage, aber wenn man immer wieder rotieren muss, kommen zwangsläufig auch Abstimmungsprobleme. Die fehlende Konstanz beim Personal hat sich auf dem Platz gezeigt. Wir haben zu viele Spiele nach einer Führung abgegeben. Welche Qualität wir haben, konnten wir bei den drei Siegen kurz vor der Winterpause zeigen.

Haben Sie sich Sorgen gemacht, als Dynamo zwischenzeitlich auf einem Relegationsplatz abgerutscht war?

Mit Abstiegskampf kenne ich mich durch die vergangene Saison bei St. Pauli bestens aus, da standen wir nach der Hinrunde auf dem letzten Platz. Journalisten habe ich damals stets geantwortet: „Das wird schon.“ Ich war da ganz entspannt und absolut sicher, dass wir es packen. So ähnlich sehe ich das jetzt auch.

Was macht Sie so optimistisch?

Abgesehen von den Langzeitverletzten sind bis auf Marco Hartmann und Marvin Schwäbe alle fit. Dadurch spornen sie sich untereinander an. Die Qualität haben wir in der Truppe, jetzt müssen wir sie nur noch – wie zuletzt – auf den Platz bringen. Wir sollten gut starten, damit der Abstand zu Platz 16 wächst. Denn natürlich spielt es sich leichter, wenn man in der Tabelle höher steht. Ich sage auch jetzt: Das wird schon.

Dynamo hat sich in der Winterpause auf Ihrer Position mit Marcel Franke verstärkt. Freuen Sie sich über die Konkurrenz?

Es war klar, dass da was passieren muss. Man kann keine Saison mit zwei gesunden Innenverteidigern durchstehen. Die Lösung, die gefunden wurde, finde ich sehr gut. Ich kenne Marcel nur als Gegner, als er noch bei Greuther Fürth war. Dort hat er richtig auf sich aufmerksam gemacht. Auch da mache ich mir keine Sorgen.

Überrascht Sie das bisherige Abschneiden von St. Pauli in dieser Saison?

Schon, ich hätte sie – genauso wie uns – stärker erwartet. Aber das passt zum Gesamtbild der Liga: Es gibt mit Ausnahme von Kiel und Düsseldorf keine Mannschaft, die konstant punktet. Ich bin überzeugt: St. Pauli wird wie wir eine stärkere Rückrunde spielen.

Interview: Daniel Klein