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Ein Klohäuschen als Schmuckstück

Die Windbergbahner konnten am Bahnhof Gittersee bislang kein behindertengerechtes WC bieten. Das ist bald vorbei.

Von Tobias Winzer

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Freital/Dresden. Was es einmal werden soll, lässt sich nun schon deutlich erkennen. Die Holzkonstruktion, geliefert von einer Firma aus Glashütte, steht bereits. Stück für Stück wird das Haus nun mit Holz verkleidet – in Eigenleistung von den Windbergbahnern. Die Vereinsmitglieder, die sich sonst ehrenamtlich mit Gleisbau auf der historischen Strecke oder mit PS-starken Lokmotoren beschäftigen, sind in den vergangenen Wochen zu Heimwerkern mutiert. Ihr Ziel: Der Bahnhof Gittersee soll bis Ende April ein behindertengerechtes WC bekommen. Und zwar nicht nur irgendeines.

„Die Arbeiten sind allesamt mit dem Denkmalschutz abgesprochen“, sagt der Sprecher der Windbergbahner, Mario Hobl. Das heißt: Das Häuschen, das hier an der Stadtgrenze zwischen Dresden und Freital entsteht, wird kein einfacher Zweckbau, sondern ein Schmuckstück. Es ist dem letzten noch erhaltenen Freiabtritt – so nannte man früher die am Bahnsteig stehenden Toilettenhäuschen – an der ehemaligen Windbergbahnstrecke am Bahnhof Goldene Höhe in Hänichen nachempfunden.

Früher waren diese Häuschen Standard an der Strecke, die von Freital-Birkigt über Gittersee bis nach Possendorf führte. Auch in Gittersee stand eines – ungefähr dort, wo jetzt neu gebaut wird. Komfortabel waren die Toiletten allerdings nicht. Statt eines Urinals gab es nur eine Rinne. Und die Damen mussten auf einem unbequemen Holzbrett Platz nehmen. Alles landete in einer stinkenden Sickergrube.

„Ganz so historisch sind wir dann natürlich doch nicht“, sagt Hobl und lacht. Anders als früher gibt es auf dem neuen WC fließendes Wasser und einen Anschluss ans Abwassersystem. Kein Luxus, aber modern. Von außen hingegen soll sich der Betrachter zurückversetzt fühlen in den Anfang des 20. Jahrhunderts. Dazu gehört zum Beispiel auch, dass die Bretter, die letztlich die hölzerne Außenhaut des Häuschens bilden sollen, kein Einheitsmaß haben, sondern in drei unterschiedlichen Breiten daherkommen – zur optischen Strukturierung der Fassade.

Dass die Windbergbahner überhaupt solch ein Projekt angehen können, haben sie einem Förderprogramm zu verdanken. Über das Projekt des Freistaats „Lieblingsplätze für alle“ bekamen sie 25 000 Euro. Rund 11 000 Euro legen sie jetzt noch einmal obendrauf, damit Toilettenhäuschen und das Gelände ringsherum richtig schick werden. Denn neben dem Häuschen soll auch der Teil des Bahnsteigs dort befestigt und für Rollstuhlfahrer zugänglich werden. Außerdem bekommt der Bahnsteig eine Beleuchtung.

Die Windbergbahner freuen sich über diesen Fortschritt. Bei dem traditionellen Bahnhofsfest im September konnten sie bislang kein behindertengerechtes WC anbieten und mussten sich mit Dixi-Klos behelfen. Mit dem Toilettenhäuschen kann das Gelände auch besser für private Feste oder Feiern vermarktet werden.

Für den Verein ist das wichtig, weil er auf finanzielle Unterstützung angewiesen ist. Auch die 11 000 Euro Eigenmittel für das Toiletten-Projekt sind noch nicht vollständig gedeckt. Mit der Crowdfunding-Plattform „99 Funken“ der Sparkasse sollen zusätzliche Spenden zusammenkommen. „Und wer uns darüber hinaus unterstützen will, ist natürlich immer herzlich willkommen“, so Hobl.

Weitere Informationen zur Windbergbahn und zu den Möglichkeiten zu helfen, gibt es www.windbergbahn.de