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Wie geht's, Brüder

Ein Königreich für ein Auto

Zwei Reporter wollen eine Osteuropa-Tour starten, finden aber keinen Mietwagen. Fast wäre das Projekt daran gescheitert. Aus der Serie "Wie geht's, Brüder?".

Zum Glück ist das Radebeuler Autohaus Gommlich eingesprungen: Mit einem VW Passat können Olaf Kittel (re.) und Matthias Schumann schließlich auf Osteuropa-Tour gehen.
Zum Glück ist das Radebeuler Autohaus Gommlich eingesprungen: Mit einem VW Passat können Olaf Kittel (re.) und Matthias Schumann schließlich auf Osteuropa-Tour gehen. © Matthias Schumann

Alle Autovermieter sind freundlich und wollen uns helfen bei unserer Reportagefahrt. Ein Auto für Tschechien, Slowakei, Ungarn, Rumänien und Polen? Kein Problem mehr, sind doch inzwischen alles EU-Mitglieder, so die Auskunft. Also buchen wir einen praktischen Kombi bei Europcar, sehr vernünftiger Preis. Am nächsten Tag kommt eine Mail: So sehr es ihnen leid tue, nach Rumänien darf das Auto nicht.

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Die Preise fallen wie die Blätter

Der Sommer ist vorbei und für so manchen steht ein Wechsel des Kleiderschranks an. Aber  warum denn nur den Inhalt wechseln, wenn doch der ganze Schrank ausgetauscht werden kann?

Noch ein Versuch: Europcar vermietet doch auch Autos in Rumänien, geht da nicht doch was? Nach langer Diskussion hieß es, ja, man könne das Auto aus Dresden in Südungarn stehenlassen, dort ein weiteres Auto mieten und damit nach Rumänien fahren und auf der Rückfahrt wieder tauschen. Macht die Sache teurer und umständlich, aber was soll's. Zweites Auto gebucht.

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Auch alle weiteren Versuche bei anderen Vermietern schlagen fehl. Es heißt immer nur wieder, Rumänien stehe derzeit auf einer „roten Liste“. Einreise mit Mietautos aus Deutschland verboten. Punkt. Die Autovermietung Buchbinder in Dresden nennt „Sicherheitsrisiken“, genaues weiß man nicht. Unter der Hand sprechen Vermieter von Diebstählen, schlechten Straßen und Problemen an der Schengen-Grenze.

Das kann ja heiter werden. Liegt's vielleicht an den Autoversicherungen, die nicht mehr zahlen wollen? Rückfrage bei der Huk Coburg. Nein, kein Problem, heißt es, jedermann kann mit seinem Versicherungsschutz in alle EU-Länder reisen. Und nun? Doch das private Auto für die Dienstfahrt nutzen? Aber ist das nicht vielleicht doch zu riskant, wenn schon die Autovermieter solchen Zirkus machen?

Letzter Versuch: Nachfrage beim Radebeuler VW-Autohaus Gommlich, ob man sich, unter Umständen, vorstellen könnte, unsere Reise mit einem Fahrzeug aus seinem Bestand zu unterstützen? Seniorchef Rainer Gommlich zögert keine Sekunde. „Klar, interessiert mich. Wir sind doch früher auch bis runter nach Rumänien. Ich würde am liebsten auch gleich losfahren.“ Ein paar Tage später hat er das richtige Auto gefunden, einen geräumigen VW Passat Variant. Allrad, man weiß ja nicht genau, wie die Straßen da unten so sind. Keine Ahnung, wieso der Mann keine Angst hat, sein Auto nicht wiederzusehen.

Auf geht’s denn nach monatelanger Vorbereitung zur geplanten 3.800-Kilometer-Tour. Gut drei Wochen sind vorgesehen. Das Auto ist voll beladen mit Koffern, Taschen und viel Fototechnik, Lampenschirmen und Stativen. Nicht nur der Laderaum ist voll, auch die Rücksitze sind zugebaut. Eine Lenkradkralle haben wir selbstverständlich dabei. Wir schmieden Pläne, wie wir das gute Stück wo sicher parken werden, um es vielleicht doch wohlbehalten zurückzubringen.

Über die A4 und die A72 geht's zunächst mal ins Vogtland und in Klingenthal über die Grenze. Herrlich einfach, man muss schon aufpassen, wenn man den Übergang nicht verpassen will. Anhalten mussten wir hier freilich schon, weil wir eine Autobahnvignette brauchen. Wir haben gelesen, dass wir nun in allen Ländern, die wir besuchen wollen, dafür löhnen müssen. Mautfreiheit gibt's wirklich nur noch bei uns.

Der erste Termin in Stříbrná (Silberbach) klappt, die Geschichte ist im Kasten. Wir klatschen uns ab.

Noch am gleichen Tag geht`s weiter quer durch Nordböhmen nach Mladá Boleslav. Eine Stadt mit vielen, gut sanierten Plattenbauten. Man sieht gleich: Es ist Geld da in der Škoda-Stadt. Die meisten Leute leben vom Werk. Wie gut, wollen wir heraus bekommen. Dazu treffen wir eine Familie, die bereits in der dritten Generation für Škoda arbeitet. Demnächst mehr.