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Ein kräftiges „Sport frei!“

Die Angst vor einem Schulleben ohne Sport geht um. Was für ein träger Rückblick.

© Alexander Schröter

Von Kevin Schwarzbach

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Ballkleider gibt es wie Sand am Meer.  Mit diesem Tipp hat die Suche ein Ende.

Riesa. Sächsischen Schulkindern stehen harte Zeiten bevor, liebe Leser. Der tägliche Gang zur Schule soll noch demotivierender werden. Die Kinder haben es aber auch echt nicht leicht. Jeden Tag stundenlang in Klassenzimmern hocken, während draußen die Sonne scheint, im Unterricht mitarbeiten, statt mit dem Handy zu spielen, Arbeiten schreiben, Hausaufgaben erledigen – und am nächsten Tag wieder alles von vorn. Das alles noch unter dem Druck ständiger Bewertung. Und jetzt ist auch noch der letzte Funken Spaß des Schulalltags gefährdet: Ein Teil des Sportunterrichts könnte demnächst wegfallen.

Genauer gesagt erwägt das Kultusministerium eine Begrenzung des Sportunterrichts über alle Schularten hinweg auf zwei Wochenstunden. Bisher sind es drei. Die Maßnahme soll einerseits eine Reaktion auf den Lehrermangel sein und andererseits eine Absenkung der Unterrichtsbelastung für die Schüler darstellen. Belastung? Dazu würde ich gern mal eine Umfrage unter sächsischen Schülern sehen. Spiel, Freude, Ausgelassenheit. Ja, das ist der Sportunterricht, wo man in Abwesenheit des Lehrers in den Ballraum stürmt, sich einen Volleyball schnappt und ihn mit dem Fuß durch die Gegend jagt. Ist verboten, hab ich natürlich nie gemacht. Klingt aber auch nicht nach einer Belastung, oder? Außer für den Lehrer vielleicht, der die durchgedrehten Jünglinge wieder einfangen muss.

Die Reaktionen auf den Vorschlag folgten prompt. Zuerst lehnte der Landessportbund eine Reduzierung des Schulsports ab. Stressabbau, Teamgeist, Bewegungsfach, Motorik, Gesundheit waren die Schlagworte der Erklärung. Und dann startete der sächsische Sportlehrerverband eine Online-Petition gegen die Pläne der Regierung. Gestern Mittag hatte die bereits über 23 000 Unterzeichner vorzuweisen. Auch in Riesa leben wir natürlich nicht hinterm Mond. „Noch vor wenigen Jahren hat der gleiche Personenkreis, der jetzt für die Abschaffung der dritten Wochenstunde plädiert, deren Einführung für extrem wichtig angesehen“, erkannte etwa Michael Schönfelder, SC-Riesa-Geschäftsführer, einem der mitgliederstärksten sächsischen Sportvereine. Ja, wirklich unglaublich, diese schwankenden Meinungen immer.

Hände weg vom Sportunterricht, lautet die einheitliche Botschaft. Ist aber auch ein Skandal. Die Wölfe lassen wir einfach durch unsere Dörfer streunen und Jagd auf unsere Kinder machen, aber für den Sportunterricht, in dem unsere Kinder das Weglaufen lehren würden, haben wir kein Geld. Typisch Deutschland. Alles ist hier mehr wert als die Bürger. Danke, Merkel. Danke für nichts. Oh, das hat gar keinen Zusammenhang, sagen Sie? Das war jetzt einfach nur populistisch? Ja, kann sein. Aber ich dachte, so funktionieren Forderungen heutzutage. Hab wohl lange keinen Sport mehr gemacht, um den Kopf ein wenig frei zu bekommen.

Das scheint manchen Jugendlichen in Riesa ähnlich zu gehen. Ärger an der Elbgalerie, mögliche Videoüberwachung in der Innenstadt und Alkoholverbote an bestimmten öffentlichen Plätzen. Diese Themen werden in Stadtrat, Kriminalpräventiven Rat und Zeitung diskutiert. Viele Probleme, eine Lösung. Darüber sollten die zuständigen Ministerien dringend nachdenken: Sportunterricht komplett aus dem Stundenplan nehmen, Hausaufgaben abschaffen und stattdessen nach der Schule mehrere Stunden Sport, Spiel und Spaß anbieten. Dann fallen die Schülerinnen und Schüler noch vor dem Abendbrot derart erschöpft ins Bett, dass sie gar keine Zeit für anderen Unsinn haben.

Diese Woche kann wohl kaum träger werden.