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Ein Kraut macht sich breit

Das drüsige Springkraut besiedelt vor allem Flussufer. Bei Hochwasser kann das zu Problemen führen.

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© Sebastian Schultz

Von Marie-Therese Greiner-Adam und Stefan Lehmann

Landkreis. Wer auch immer das Springkraut im 19. Jahrhundert aus Indien mitgebracht hat, hatte wohl keine Ahnung, wie schnell sich dieses Gewächs auf unserem Kontinent heimisch fühlen und ausbreiten würde. Es sieht eigentlich ganz harmlos aus, sogar hübsch – mit seinen rosa Blüten, die einen süßlichen Duft verbreiten. Die Himalaya-Balsamine, wie die Pflanze auch genannt wird, säumt vornehmlich Gewässer, da sie einen feuchten Standort bevorzugt. Auch in Riesa sind die auffälligen Pflanzen stellenweise entlang der Jahna zu finden. Fährt man im Auto an ihr vorbei, ist sie schön anzusehen. Schließlich kam sie auch als Gartenpflanze nach England.

In Studien kommt das drüsige Springkraut dagegen nicht immer so gut weg. Manche Studie unterstellt dem Springkraut die Reduzierung der Artenvielfalt beziehungsweise die Veränderung der Zusammensetzung der Vegetation, weiß Doreen Schmiedel. Die wissenschaftliche Mitarbeiterin der Professur Biodiversität und Naturschutz an der Technischen Universität Dresden in Tharandt hat sich eingehend mit invasiven Pflanzen beschäftigt. So werden Arten bezeichnet, die eine unerwünschte Auswirkung auf andere Arten, Lebensgemeinschaften oder Biotope haben.

Bienen lieben das Springkraut

Die Himalaya-Balsamine wird als potenziell invasiv eingestuft. Eine Gefährdung anderer Arten wird also nur angenommen. Während ihm eine „Verminderung der Produktion und Dominanz anderer Pflanzen“ zugeschrieben wird, hat das drüsige Springkraut immerhin eine positive Wirkung auf Tiere. Bei Bienen und Hummeln sind die Blüten wegen ihres reichen Angebotes an Nektar beliebt. Auch deshalb ist das Springkraut heute so verbreitet: Imker haben es vielerorts als Bienentrachtpflanze ausgesät.

Während die Imker das Springkraut brauchen, damit ihre Bienen fleißig Honig produzieren, sieht die Landestalsperrenverwaltung (LTV) die Ausbreitung der Art mit Besorgnis. „Bei starkem Bewuchs wird insbesondere der Hochwasserabflussquerschnitt eingeschränkt. Während eines Hochwassers wird vor allem die stark verwurzelte Gewässersohle quasi aufgerollt und dadurch instabil“, sagt Bianca Anwand von der Landestalsperrenverwaltung. Es gebe nur sehr wenige Bereiche, in denen sich die Pflanze noch nicht ausgebreitet habe. „Ob flächig oder nur vereinzelt, Pflanzen sind am gesamten Gewässerlauf zu finden.“

Im Landkreis Meißen sei insbesondere die Triebisch ab dem Ortsausgang Mohorn bis Rothschönberg betroffen, außerdem vereinzelt das Triebischtal und die Ortslage Meißen bis zur Mündung in die Elbe. Aus Sicht der Naturschützer ist das Kraut keine allzu große Bedrohung. „Das Kraut tritt seit vielen Jahren gewässerbegleitend auf, bei uns vor allem entlang der Jahna, auch in der Nähe der Fischtreppe Mergendorf“, sagt Klaus Dünnebier von Pro Natura. „Es ist für den Menschen ungefährlich, verdrängt einheimische Pflanzen.“ Mit der Gefährlichkeit von Ambrosia oder den Schäden durch Waschbären sei es aber „nicht im mindesten vergleichbar.“

Die Talsperrenverwaltung stört die Pflanze dagegen umso mehr. Um die Abflusseigenschaften der sächsischen Gewässer zu sichern, muss man das Springkraut daran hindern, sich weiter auszubreiten – ausrotten kann man die Pflanze gar nicht mehr, sagt Doreen Schmiedel von der Universität in Tharandt. „Ausrotten funktioniert nur, wenn man eine Art bei Beginn der Ausbreitung erwischt“, meint die Expertin für gebietsfremde Spezies.

Die Landestalsperrenverwaltung hat die Erfahrung gemacht, dass sich die Menge der entfernten Pflanzen verringert, reißt man sie mehrmals jährlich aus. Das ist jedoch nicht nur ein zeit- und kostenaufwendiges Projekt, sondern erfordert auch die Zusammenarbeit der Landestalsperrenverwaltung mit den Kommunen, die für die Beseitigung invasiver Pflanzen in Gewässern zweiter Ordnung zuständig sind.

Doreen Schmiedel findet, dass die Zusammenarbeit der Behörden besser funktionieren sollte. Nur so kann man gegen das Kraut etwas erreichen. An einer besonders stark betroffenen Stelle sollen jetzt Freiwillige ran: Die LTV sucht entlang der Weißeritz für das kommende Jahr noch Institutionen, die Bürgerarbeiter und Ein-Euro-Jobber schicken könnten, um das Springkraut bereits vor der Blüte zu entfernen. Aber das Beseitigen des Springkrauts ist längst nicht in jedem Fall angebracht. „Manchmal schädigt man die Vegetation mehr, wenn man das Ökosystem angreift“, sagt die Expertin.