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Ein Kreisrat geht auf Tauchstation

Johann Dulig sitzt für die SPD im Meißner Kreistag. Erst ließ er im Februar seiner Wut auf Nazi-Deutschland freien Lauf, jetzt ist er angegriffen worden.

© sächsische zeitung

Von Ulrich Wolf

Der Mensch ist für die Öffentlichkeit derzeit nicht zu fassen. Seine Mailadresse im SPD-Unterbezirk Meißen: Nachricht nicht zustellbar, Postfach voll. Seine Internetseite: abgeschaltet. Sein Mobiltelefon: Mailbox ohne Rückruf. Der Fraktionschef: keine Antwort. Ein Mittelsmann in der linken Szene: „Er hat mir geantwortet, dass er erst einmal nicht mit der Presse sprechen wird.“

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Johann Dulig ist wieder abgetaucht. Mit Anfang 20 ist der Sozialdemokrat das jüngste Mitglied im Kreistag von Meißen. Aus seiner Ablehnung von Pegida & Co. hat er nie einen Hehl gemacht. Gleichzeitig aber hat sein Unterbezirk die Auseinandersetzung mit dem um sich greifenden Rassismus in Sachsen unter den Slogan gestellt: „Dialog ist wichtiger als Schweigen.“

Dass Dulig junior – er ist der Sohn des sächsischen SPD-Chefs Martin Dulig – derzeit nur für engste Vertraute zu sprechen ist, hat einen Grund: Zum zweiten Mal in fünf Monaten macht ihm offenbar sein Engagement in der linken Szene zu schaffen. Der Leipziger Volkszeitung zufolge saß Dulig in jenem Auto, das Ende Juni nach Demonstrationen vor dem Asylbewerberheim in Freital an einer Tankstelle überfallen worden war. Dabei hatte ein Täter mit einem Baseballschläger die Frontscheibe des Fahrzeugs eingeschlagen. Einer der fünf Insassen war verletzt worden.

Die Polizei ermittelte drei Männer und eine Frau als mutmaßliche Täter, offenbar war es ein Angriff von Rechtsextremen. Dulig hatte zuvor über den Internetnachrichtendienst Twitter eine Meldung des antifaschistischen Vereins Apabiz verbreitet und geschrieben: „Heute wieder: Wer Zeit hat, kommt und stellt sich den Rassisten entgegen.“ Der Moritzburger beteiligt sich auch an Blockadeaufrufen, ist mit der Antifa vernetzt und mag Punkrock der Band „Feine Sahne Fischfilet“, die regelmäßig im Verfassungsschutzbericht von Mecklenburg-Vorpommern auftaucht.

Bereits Mitte Februar musste Dulig junior in Deckung gehen. Damals hatte er eine Fotomontage auf Facebook gepostet, auf der ein bombenabwerfendes Alliierten-Flugzeug zu sehen war, garniert mit dem Text „Pyrotechnik ist kein Verbrechen“. Darunter war das zerbombte Dresden abgebildet. Es hagelte Proteste und Rücktrittsforderungen und auf der Pegida-Facebook-Seite über 140 teils bedrohende Kommentare. Johann Dulig entschuldigte sich später. Mit dem Bild habe er lediglich darauf hinweisen wollen, „dass die öffentliche Darstellung Dresdens als unschuldige Kulturstadt die historische Realität nicht widerspiegelt“. Dem Vernehmen nach soll Dulig die Montage der Facebook-Seite einer subversiven Gruppierung namens Rothschild-Jugend entnommen haben; dort findet sich die Montage auch heute noch.

Mit seinem Vater wisse er sich „einig im Engagement gegen Rechtsextremismus“, hat Dulig junior in einem SZ-Gespräch vor einem Jahr gesagt. Und lässt gestern Abend dann doch mitteilen, der Überfall sei eine private Angelegenheit. Gegen Nazis werde er sich weiter engagieren.