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Ein Lausitzer mit Blick für Europa

Viele Politiker sehen Ostdeutschland in einer möglichen neuen großen Koalition bislang unterrepräsentiert. Nun soll es zumindest einen Kandidaten für den Posten des Ostbeauftragten geben. Doch der gibt sich erst mal bedeckt.

© dpa

Berlin. Pfarrer, Bundestagsabgeordneter, Europa-Kenner, aber auch heimatverbundener Lausitzer: Der Bundestagsabgeordnete Michael Stübgen aus Brandenburg wird möglicherweise neuer Ostbeauftragter der Bundesregierung. Der 58-Jährige solle sich als Parlamentarischer Staatssekretär künftig um die Belange der östlichen Bundesländer kümmern, wenn das Regierungsbündnis von Union und SPD zustande komme, berichteten die Zeitungen des Redaktionsnetzwerkes Deutschland am Dienstag unter Verweis auf CDU-Kreise. Stübgen selbst bestätigte dies nicht, die Entscheidung sei noch nicht getroffen.

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Ostbeauftragte ist derzeit noch die SPD-Politikerin Iris Gleicke. Ihr Posten ist im Bundeswirtschaftsministerium angesiedelt, das künftig von der CDU geführt werden soll. Das Amt wurde in den vergangenen Monaten wiederholt infrage gestellt. Die Deutsche Presse-Agentur hatte zu Wochenbeginn aus CDU-Kreisen erfahren, dass Kanzlerin Angela Merkel (CDU) sich bei einer Neuauflage der großen Koalition von Union und SPD wieder für einen Ostbeauftragten einsetzen will.

Viele Politiker aus dem Osten Deutschland sehen die fünf Bundesländer in einer möglichen neuen GroKo bislang nicht ausreichend repräsentiert. Unter den von CDU-Chefin und Kanzlerin Angela Merkel vorgeschlagenen Ministerkandidaten ist keiner aus Ostdeutschland. Darüber hatte es Irritationen in der CDU gegeben.

Stübgen sei von den CDU-Abgeordneten der Ost-Länder für den Posten des Ostbeauftragten vorgeschlagen worden, berichtete das Redaktionsnetzwerk Deutschland weiter. Merkel habe dem Plan zugestimmt. Der designierte Kanzleramtsminister Helge Braun hatte am Montag in der ARD gesagt, bei der Vergabe der Staatssekretärsposten sei „Gelegenheit, die Repräsentanz von Ostdeutschland auch noch mal weiter zu verbessern“.

Das Personaltableau Merkels steht unter dem Vorbehalt, dass die SPD-Mitglieder grünes Licht für eine GroKo geben. Anschließend wollen auch die Sozialdemokraten ihre Ministerkandidaten bekannt geben.

Kirchturmpolitik ist nicht seine Sache

Der in Lauchhammer geborene Politiker sitzt seit 1990 im Bundestag. Er gilt als sehr engagiert, hat stets ein offenes Ohr, wenn Probleme an ihn aus der Region herangetragen werden.

Vehement mahnt er immer wieder an, dass es für die Lausitz und die dort lebenden Menschen eine Zukunft auch nach dem Ende der Kohle geben muss. Er fordert einen Strukturwandel für die Region ein.

Zugleich kann er den Hinterlassenschaften des Braunkohleabbaus eine interessante Seite abgewinnen. Auf seiner Homepage zeichnet er das Bild einer bizarren Landschaft und der Renaturierung der Tagebaurestlöcher sowie deren Flutung.

Kirchturmpolitik ist nicht Stübgens Sache. Als europapolitischer Sprecher der CDU/CSU-Fraktion hat er sich Anerkennung erworben. Kollegen bescheinigen ihm, dass er sich in Themen tief einarbeitet - egal ob Brexit oder Euro-Rettung. Er sei einer der wenigen, die sich damit gut auskennen und sich fundiert äußern, heißt es.

Stübgen gelingt es dabei, tief verwurzelt in seiner Heimat zu bleiben. Der Familienvater hat seinen Wahlkreis 65 im Süden Brandenburgs bislang immer direkt gewonnen.

Bei der jüngsten Bundestagswahl führte er die Landesliste der Brandenburger CDU an. Stübgen, seit 1990 CDU-Mitglied, gehört dem Landesvorstand der CDU an und ist Mitglied im Vorstand der Europäischen Volkspartei. (dpa)