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Ein Leben auf der Straße

Mit 13 nahm sie erstmals Drogen. Seither hält sich eine 28-Jährige mit Diebstählen über Wasser.

© dpa

Von Alexander Schneider

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18 Einträge im Vorstrafenregister zwischen den Jahren 2005 und 2015. Wie sie das geschafft hat, darüber könnte man wohl ein Buch schreiben. Anne V. ist Jahrgang 1989 und wenn sie über ihr kurzes, intensives Leben spricht, berichtet sie, dass sie schon mit 13 Drogen „gespritzt“ habe. Das war Jahre vor ihrem ersten Kontakt mit der Justiz. Kurz: Es ist schon in der Kindheit der jungen Frau aus der Wendegeneration allerhand schief gelaufen. Tätowierungen auf ihren Händen zeugen davon. „HASS“ prangt etwa auf den Fingern ihrer linken Hand. Sie war in psychiatrischen Kliniken, auf der Flucht vor dem Jugendamt habe sie sogar zwei Jahre in Frankreich verbracht und als sie mit 15 zurück war, habe sie „weiter gespritzt“. Viele Jahre hat Anne V. auf der Straße gelebt, eine feste Anlaufstation scheint neben „Kumpels“ einzig die Heilsarmee gewesen zu sein.

Am Donnerstag stand die Frau erstmals seit Ende 2015 wieder vor dem Amtsgericht Dresden. Vier Anklagen verlas die Staatsanwältin, die gesammelten Werke von Frühjahr 2016 bis Herbst 2017 – so lange war die Angeklagte zuletzt auf freiem Fuß. In Summe kamen 16 Tatvorwürfe zusammen – ein Haufen Landendiebstähle von weniger als 20 Euro, ein paar Fahrraddiebstähle, ein Hausfriedensbruch, nur zwei Schwarzfahrten und eine Bedrohung. Die meisten Vorwürfe hat die Angeklagte beziehungsweise ihr Verteidiger Peter Hollstein für sie eingeräumt. Nicht alles war nachzuweisen, vor allem die Sachen mit den Rädern nicht. Laut Anklage soll sie fünf Fahrräder gestohlen oder als Hehlerware besessen haben. Anne V. behauptete, sie habe die Räder von Kumpels kurz geliehen, und könne „ja nicht jeden fragen, ob er für die Räder auch Papiere hat“.

Soweit, so unbestimmt. Es kam nicht auf jedes einzelne Rad an. Eine Geschädigte aus der Dieselstraße etwa sah nachts eine Diebin vor ihrem Haus mit ihrem Rad verschwinden. Die Angeklagte? Das konnte die Zeugin nicht sagen. Und die Bedrohung? Die wurde auch eingestellt, nachdem ein Augenzeuge, ein Wachmann vom Kaufpark Nickern, nicht erschienen war.

Das Gericht verurteilte die Angeklagte zu einer Freiheitsstrafe von einem Jahr ohne Bewährung. In den knapp zwei Jahren Freiheit hätte sich die junge Frau mehr für ein straffreies Leben engagieren können, sagte der Richter.