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Ein Medienmogul im Wartestand

Im Blickpunkt

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Von Thomas Burmeister

Er ist nicht der Erstgeborene im Hause Murdoch. Doch die Rolle des Thronfolgers im mächtigen Medienimperium seines Vaters macht dem einstigen Uni-Aussteiger keiner mehr streitig: Der 34 Jahre alte James Murdoch ist mit der Ernennung zum Europa- und Asienchef des Weltunternehmens News Corporation klar als Nachfolger von Rupert Murdoch (76) an der Konzernspitze aufgebaut worden.

Insider hatten darauf bereits 2005 gewettet, als James Murdochs ein Jahr älterer Bruder Lachlan den Konzern überraschend verließ und von Großbritannien nach Australien ging. Ebenso wie Lachlan wurde James in London von Anna Murdoch geboren, von der sich der Vater 1999 in einer der bis dahin teuersten Scheidungen der Welt trennte.

In seinen Teenager-Jahren erinnerte James viele eher an den britischen Party-Prinzen Harry, als an einen ernst zu nehmenden Nachfolger des allmächtigen Papas. Und als schwarzes Schaf der Familie sahen ihn manche gar, nachdem er im Jahr 1995 seine Studien der Filmkunst und der Geschichte an der renommierten Harvard-Universität hinschmiss.

Schlagzeilen hatte er vorher schon als 15-jähriger Jungreporter für den „Daily Mirror“ in Sydney gemacht. Allerdings nicht mit einer tollen Exklusiv-Story, sondern dadurch, dass er während einer Pressekonferenz einschlief – und dabei auch noch von der Konkurrenzzeitung „Morning Herald“ fotografiert wurde.

Gänzlich auf Abwege schien der Milliardärsspross geraten zu sein, als er nach dem unvollendeten Studium mit zwei Freunden – ebenfalls vorzeitige Hochschul-Abgänger – das auf Hip-Hop spezialisierte Plattenlabel Rawkus Records gründete.

Vater Murdoch sah sich das eine Weile an – durchaus nicht ohne Wohlwollen für den zwar etwas wilden, aber als hochintelligent geltenden Sohn. 1996 holt er ihn zu News Corporation und übertrug ihm das australische Label Festival Records und später sogar die Internetsparte des Konzerns.

Von Anfang an begegnete James im Unternehmen des Vaters zunächst Misstrauen, bis er schließlich immer wieder zeigen konnte, was in ihm steckt. Das war auch so, als der alte Murdoch sein drittes von insgesamt sechs Kindern 2003 vor die bis dahin größte Bewährungsprobe stellte. Er machte James zum Chef des britischen Privatfernseh- und Internetanbieters Sky, den er selbst 14 Jahre zuvor gegründet hatte.

Nur wenige trauten ihm bei Sky das Zeug zu, das Unternehmen aus einer schweren Flaute herausführen. Doch James Murdoch, den Branchenkenner später als „beinharten Wettbewerber“ beschrieben, schaffte es. Mit neuen Ideen, neuen Produkten und einer passgenauen Zielgruppenwerbung sorgte er für schwarze Zahlen. Die Aktien von Sky stiegen um 13 Prozent – deutlich über dem Durchschnitt in diesem Mediensegment. (dpa)