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Ein Mittel gegen die geschlossene Apotheke

Ein Briefkasten für Rezepte hängt jetzt beim Edeka-Markt in Mücka. Die Kurierfahrerin liefert das Bestellte – und ist den Mückaern gut bekannt.

© André Schulze

Von Carla Mattern

Mücka. Mücka hat vieles, was ein lebenswertes Dorf bieten sollte: eine Oberschule, eine Kita, einen Einkaufsmarkt, einen Bahnanschluss. Die Aufzählung ist natürlich unvollständig. Aber was seit Kurzem fehlt, das ist eine Apotheke. Die Albert-Schweitzer-Apotheke ist geschlossen. Lange hatte Inhaberin Lucja Krzykowski nach einem Nachfolger gesucht. So ganz aufgegeben hat sie das wohl auch nicht, wie ihre ehemalige Mitarbeiterin Marina Röhle sagt. Doch momentan ist der Stand der Dinge, dass die Mückaer auf ihre Apotheke verzichten müssen.

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Aber mittlerweile haben sie eine Alternative. Heiko Neumann aus Niesky ist Inhaber der Zinzendorfapotheke. Und seit Kurzem auch der Betreiber einer Rezeptsammelstelle in Mücka. Dafür hat sich der Nieskyer extra eine Genehmigung bei der Landesapothekerkammer eingeholt.

Vor Ort entpuppt sich das sperrige Wort Rezeptsammelstelle als ein geräumiger Briefkasten in leuchtendem Rot. Aufgehängt ist der verschließbare Kasten an einem Zaun zum Nachbargrundstück des Edeka-Marktes. Und damit an einem Ort, den wohl jeder Mückaer Einwohner nicht nur einmal pro Woche aufsucht. So jedenfalls war der Gedanke von Heiko Neumann, den sowohl der Edeka-Markt-Chef als auch die Nachbarin für gut befanden.

Das Prinzip so einer Sammelstelle ist eigentlich sehr schnell erklärt. Wer von seinem Arzt ein Rezept bekommt, kann das in den Sammelkasten einwerfen. Zweimal täglich wird der geleert. Eine Kurierfahrerin bringt dann die Medikamente ins Haus, ebenfalls zeitnah. Sind sie vorrätig, dann möglicherweise noch am gleichen Tag, sonst am Tag danach.

Auch ohne Rezept können Mückaer die Dienstleistung der Zinzendorf-Apotheke nutzen. Wichtig ist nur, dass die rezeptfreien Medikamente, Salben, Pulver, Pflaster, Cremes oder Verbandsmaterial möglichst eindeutig auf dem Zettel notiert werden. Natürlich dürfen der Name, die Anschrift und möglichst eine Telefonnummer für Rückfragen nicht fehlen. Schließlich wollen Apotheker Neumann und seine zehn Mitarbeiter das Gewünschte liefern. „Wir möchten dafür sorgen, dass die Patienten in Mücka und Umgebung persönlich beraten und beliefert werden“, nennt Heiko Neumann als Grund. Damit machen wir uns auch stark gegen den Versandhandel mit Medikamenten aus dem Ausland“, ergänzt der Nieskyer.

Denn Mücka zählt jetzt für die Landesapothekenkammer als unterversorgtes Gebiet. Die nächstgelegenen Apotheken befinden sich in Niesky, Rietschen und Boxberg. Heiko Neumann hat bereits Erfahrungen gesammelt mit solch einer Sammelstelle. Es ist nicht seine erste. Auch in Horka und in Nieder Seifersdorf gab es eine Zeit lang welche. Zusammen mit der Nieskyer Linden-Apotheke kümmert er sich um die Rezeptsammelstelle in Dauban. Halbjährlich wechseln sich bei der die beiden Nieskyer Apotheken ab.

Um Mücka kümmert sich der Nieskyer eigenständig. Oft kommen Patienten mit Rezept nach Niesky ins Ärztehaus an der Hausmannstraße, schauen sich um, lassen sich beraten und nutzen dann den bequemen Weg per Kasten, erzählt der Apotheker. Damit die Mückaer gut versorgt werden können, hat er Marina Röhle eingestellt und ein neues Auto angeschafft. Die Klittenerin war bereits Kurierfahrerin bei Lucja Krzykowski. „Gerade viele Ältere sind glücklich, dass ich weiter komme und ihre Medikamente bringe“, erzählt Marina Röhle. Sie macht das nun schon seit zehn Jahren. Je mehr Rezepte die Mückaer einwerfen, umso mehr bekommt sie zu tun.

Und für die rezeptfreien Wünsche wird es demnächst ein Bestellformular geben, kündigt Heiko Neumann an. Entwerfen und designen wird das der Nieskyer Künstler Kümmel, der auch bekannt ist für seine Knubbelnasen-Porträts.