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Ein Mittwoch im Bann der Bombe

Ein Blindgänger aus dem Zweiten Weltkrieg hält Dresden in Atem. Ein kurzes Fazit zum zweiten Tag und der Ursache für die Teildetonation der Bombe.

© René Meinig

Dresden. Langsam findet die Stadt zur Ruhe nach einem ereignisreichen Mittwoch: Die versuchte Entschärfung der britischen Weltkriegsbombe zwang fast 9 000 Dresdner zu einer zweiten Nacht in fremden Betten, bei Familie und Freunden oder wildfremden Menschen. Unter dem Hashtag #SchlafplatzDD organisierten sich die Menschen selbst, schnell und unbürokratisch.

Wer weniger Abenteuerlust verspürte und sich fürs erste mit einem Feldbett begnügen wollte, fand Aufnahme in der umfunktionierten Messe. Dort strandeten immerhin an die 1 000 Dresdner. Betreut vom Roten Kreuz gab es warme Mahlzeiten, reichlich Wasser und für die Kinder sogar eine Hüpfburg. Gewiss nur ein kleiner Trost, aber immerhin eine Ablenkung vom ungewohnten Alltag in dem riesigen Aufenthaltsraum.

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Heftig erwischte es auch viele Reisende, ob auf dem Weg zur Arbeit oder in den Urlaub: Die Straßen waren im Berufsverkehr dicht, der Sperrbereich in Löbtau wirkte bis nach Freital und Radebeul. Als der Verkehr in der Stadt wieder rollte, stoppten plötzlich die S-Bahnen. Während der Entschärfungsversuche blieben die Züge in den Bahnhöfen, und am Himmel tauchten kaum noch Flieger auf –

13 Abflüge und 15 Landungen fielen aus.

Weil die Situation rund um die teildetonierte Bombe weiter heikel bleibt, fallen auch am Donnerstagmorgen die frühen Flieger aus. Ob und wann auch der Zugverkehr wieder pausieren muss, hängt von den Entscheidungen des Sprengmeisters ab. Erklärt er die Bombe für entschärft und damit harmlos, entfällt der Grund für eine wiederholte Beeinträchtigung. Besteht aber wegen verbliebenen Sprengstoffs weiter explosive Gefahr, könnte es abermals Ausfällen kommen. Darüber informiert die Bahn.

Dasselbe gilt für den Erhalt des Sperrbereichs: Gilt die Bombe als bezwungen, dürfen die Menschen zurück in ihre Wohnungen und Häuser, öffnen Betriebe und Kitas wieder. Sobald die erlösende Nachricht kommt, meldet sie der SZ-Liveticker.

Mit dem ersten Tageslicht können dann die Profis prüfen, ob die Teil-Detonation zu Schäden an den benachbarten Häusern führte. Die Piloten im Hubschrauber konnten zwar über den betroffenen Bereich keine direkten Schäden erkennen, sagte Polizeisprecher Thomas Geithner, doch ob eine schwarze Wand eben nur verrußtes Mauerwerk sei oder doch demoliertes, das könne man erst bei vernünftigem Licht Tage beurteilen.

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Im letzten Interview der Nacht erklärte er auch, was die Teil-Explosion der Bombe auslöste und damit den Brand des Dämm-Materials verursachte: die Raketenklemme. Als die Raketenklemme zündete um den Zünder der Bombe zu bewegen, da hätte es schon gekracht und der folgende Funkenflug entzündete dann die aufgehäuften Papierballen. Ursprünglich sei die Sorge gewesen, dass der bewegte Zünder als letzten Akt doch noch die Bombe hochjagt, doch nach ersten Einschätzungen sei dem wohl die Raketenklemme zuvorgekommen. (szo/stb)