merken

Mutmacher-Buch für die kranke Nadine

Das Schicksal der an Blutkrebs leidenden Frau löst eine Welle der Hilfsbereitschaft aus. Viele lassen sich als Spender registrieren.

Von Kathrin Krüger-Mlaouhia

Anzeige
Bereit zum Abheben?

Los geht's auf einen spannenden Flug in die Welt der Wertpapiere.

Rote und weiße Luftballons hängen überall in den Gängen des Berufsschulgebäudes in der Heine-Straße – und in der Aula herrscht reges Treiben. Die Einrichtung lädt auf Initiative von Lehrerin Jana Winkler zur Typisierung als Stammzellenspender ein (SZ berichtete). Winklers Tochter Nadine ist an Blutkrebs erkrankt, nur ein Stammzellenspender kann ihr helfen. Doch der passende „genetische Zwilling“ muss erst gefunden werden.

Dorit Winker zeigt das Mutmacherbuch, in das sich viele eintrugen.Foto: Krüger-Mlaouhia
Dorit Winker zeigt das Mutmacherbuch, in das sich viele eintrugen.Foto: Krüger-Mlaouhia

Das Berufsschulzentrum hat schon einige Erfahrungen mit solchen Typisierungsaktionen der Deutschen Knochenmarkspende (DKMS). Erst im Mai gab es einen Aktionstag des Beruflichen Gymnasiums, bei der 74 Stammzellenspender geworben und 212 Euro Geldspenden eingenommen werden konnten. Im April 2015 hatte Schüler Benjamin Gärtner eine Registrierung organisiert: mit dem Erfolg von 111 Typisierungen und 142 Euro Spenden. 2003 hatte halb Großenhain sein Blut testen lassen, um dem an Leukämie (Blutkrebs) erkranken Marius zu helfen.

Schüler melden sich als Helfer

Nun ist es also eine 34-jährige Frau, die schwer krank in der Klinik liegt. Neben ihrer Mutter ist auch die Tante Dorit Winkler aus Niedersachsen extra nach Großenhain gekommen, um bei der DKMS-Aktion zu helfen. „Auch bei mir auf Arbeit habe ich Kollegen angesprochen – viele sind schon in der Spenderdatei registriert“, sagt sie. Oder sie lassen sich das Registrierungsset per Post schicken. Eine Nichte ist Lehrerin in Hamburg und startet dort einen Aktionstag. In Brandenburg/Havel, wo Nadine wohnt, ist ebenfalls eine Typisierung vorbereitet. Ein Schüler des Großenhainer BSZ organisiert zudem bei seiner Mutter, einer Ärztin, in Radeburg so eine Veranstaltung. „Es sind also insgesamt vier Aktionen, bei denen der passende Stammzellenspender gewonnen werden kann“, freut sich Mutter Jana Winkler.

Ihre Klasse 17 FOS  b von der Fachoberschule für Gesundheit und Soziales hat sich freiwillig bereiterklärt, an diesem Montagnachmittag bis 18 Uhr die Registrierung vorzunehmen. Überall sitzen die Schüler zu zweit an Tischen, beraten die potenziellen Spender, die ihre Daten abgeben und mit einer Speichelprobe die Bestimmung genetischer Merkmale ermöglichen. Fast 170 Menschen betreuen sie an diesem Tag – die Hälfte Lehrer und Schüler, die andere Hälfte Fremde, die von dem Aufruf in der Zeitung oder auf den Aushängen lasen. Von den Schülern des Hauses lassen sich damit fast alle typisieren. „Ein tolles Ergebnis, die Aktion kommt an“, freut sich Schülerin Theresa Dietrich. Für sie und die anderen Helfer stehen in einem Nebenraum belegte Brötchen und Kuchen sowie Kaffee bereit. „Viele Menschen sagten, dass sie sich freuen, mitmachen zu können, damit Nadine und weitere Menschen wieder geheilt werden“, so die Großenhainer Schülerin. So sind auch ehemalige Schüler bzw. Eltern von Schülern gekommen. So Mandy Müller, deren Tochter am BSZ lernt. „So ein Schicksal berührt doch jeden, und man will, dass der Frau geholfen wird.“ Klassenlehrerin Viola Böttger weiß, dass die Fachoberschüler sich auch wegen ihrer beliebten Deutschlehrerin Jana Winkler engagieren. Andere kennen selber Betroffene.

Grüße und Gedanken für Nadine

Immer wieder werden die Helfer gefragt, was auf einen potenziellen Spender zukommt. „Es ist wie eine Blutspende, die Stammzellen kommen zu 80 Prozent aus dem Blut und nur 20 Prozent aus dem Knochenmark“, können die Helfer Bedenken entkräften.

Das Mitgefühl und die Vorstellung, selbst in so eine Situation kommen zu können, lassen sich auch im Mutmacherbuch ablesen. Dorit Winkler hat es für ihre Nichte Nadine ausgelegt. „Jeder, der möchte, kann hier ein paar Gedanken und Grüße für sie aufschreiben“, sagt die Tante gerührt. Die Schüler hätten Schlange gestanden, um sich einzutragen. „Sie wünschen ihr Kraft und Stärke, und dass sie an sie denken“, zitiert Dorit Winkler.

Da jede DKMS-Typisierung für die weltweite Stammzellenspender-Datei 35 Euro kostet, wurden am Montagabend in der Heinestraße auch Spenden gesammelt. Als die kleinen Büchsen dafür geöffnet werden, kommen 473 Euro zusammen. Einer hat sogar einen 50-Euro-Schein eingesteckt. Mit einem Gruppenfoto beenden die Fachoberschüler aus der 17 FOS b die Aktion. Jeder hat ein Schlüsselband um den Hals und im Herzen Freude, eine gute Tat getan zu haben.