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Ein neues Erlebnisdorf auf polnischer Seite

Mit Turius Winkel gibt es ein neues Geheimnis in der Welt von Turisede zu entdecken. Zur Sonnenwendefeier kommt Leben in die Siedlung. Das ist aber noch nicht alles.

© André Schulze

Von Steffen Gerhardt

Zentendorf. Die Kulturinsel ist tot. Es lebe die „Geheimen Welt von Turisede.“ Mit dieser Namensänderung will das Inselvolk in Einsiedel auf die qualitativ und quantitativ gestiegenen Angebote beiderseits der Neiße aufmerksam machen. Besonders östlich der Neiße, im polnischen Erlebnisdorf Bielawa Dolna, tut sich in diesen Tagen besonders viel. Mittendrin der künstlerische Leiter des Freizeitparkes, Jürgen Bergmann. Für ihn ist das hier Turius Winkel. „Bekannt ist mittlerweile, dass am östlichen Ufer der Neiße die sakralen Bauten des Turius standen. Dem Gott der Turiseder. Daher der Name“, betont Bergmann.

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Die Berliner Schüler Mira und Jona drücken nicht die Daumen, sondern machen den Liebes-Test in der neuen Ausstellung „Liebe Liebe“. Die vom Kindermuseum Unikatum Leipzig konzipierte Schau öffnet am Freitag im Turihallum.
Die Berliner Schüler Mira und Jona drücken nicht die Daumen, sondern machen den Liebes-Test in der neuen Ausstellung „Liebe Liebe“. Die vom Kindermuseum Unikatum Leipzig konzipierte Schau öffnet am Freitag im Turihallum. © André Schulze

Der Freizeitpark hat die Flächen rechtmäßig erworben und baut darauf seit gut einem Jahr. Bereits genutzt werden das „Seh-Café“ mit seinem, besonders bei Kindern beliebtem Versteckum, sowie die begehbare Camera Obscura, untergebracht in einem Holzturm. „Nun kommt noch eine ganze Siedlung dazu“, sagt Jürgen Bergmann und schaut etwas unruhig über die Baustelle. Denn die Zeit drängt. Am Wochenende ziehen die ersten Bewohner ein. Und das aus gutem Grund: „Zum ersten Mal in unserer Zeit wird am Sonnabend zur Sommersonnenwende das Auenlandorakel ‚Feuerlohen der Wünsche‘ gefeiert“, so Bergmann. Das soll sich alles am östlichen Neißeufer abspielen. Dort wird es ein großes Festlager geben, sagt er, in dem zwölf Sippen der gastgebenden Turiseder leben und feiern wie vor tausend Jahren. „In vier Feldlagern bereiten sich weit gereiste Gäste aus Dresden, Nürnberg und Polen auf das Fest vor“, berichtet Bergmann.

Dafür haben sich die Insulaner kompetente Partner geholt: Die Google-Gilde aus Dresden, das Rollenspieltheater Nautilus aus Poznan (Posen) und die Ritter aus Legnica (Liegnitz) werden die etwa 200 geladenen Gäste beiderseits der Neiße in Rollenspielen die Zeiten turisedischer Herrschaft nacherleben lassen. Das Ganze beginnt Freitagabend in mittelalterlicher Kluft und zieht sich bis Sonnabendabend hin. „Daher müssen wir hier auch Möglichkeiten zum Übernachten schaffen“, ergänzt Bergmann. Dem Thema entsprechend fallen die spartanisch aus: Mit Stroh ausgelegte Holzhütten. Geplant ist zudem, zwei große Sonnenwendefeuer an den Ufern der Neiße zu entfachen. Vorausgesetzt, es regnet bis dahin, um die Waldbrandgefahr zu reduzieren. Ansonsten gibt es nur kleine Feuerlager in der Siedlung.

Die „Feuerlohen der Wünsche“ sind für die Macher zugleich die Generalprobe, sagt Jürgen Bergmann. „Kommen die Feuerlohen bei den Gästen gut an, werden wir sie zur festen Veranstaltung in der geheimen Welt von Turisede machen.“ Denn diese Sonnenwendefeier ist nicht nur für die Eingeladenen. Am Sonnabend sind auch Besucher willkommen, zumal es für sie im Turius Winkel noch mehr zu entdecken gibt.

Das Abenteuergefilde ist gespickt mit einer Baumhausgalerie im Erlensumpf, einem Skulpturenpark, gestaltet von den Holzgestaltern, Bildhauern und Metallkünstlern, die jährlich zum Symposium nach Einsiedel kommen. Zu besichtigen ist die erste deutsch-polnische Büffel-WG und das Ziegenschloss mit seinem Labyrinth, das Tümpeltal und das Mühlencafé mit einem Gondelteich nebenan. Damit ist das Nachbardorf Bielawa Dolna auf dem Weg zu einer touristischen Attraktion – dank auch der Förderung durch das polnisch-sächsische Interreg-Programm.

Im eigentlichen Freizeitpark in Einsiedel tut sich aber auch einiges. Nach dem Fertigstellen des Turihallum auf dem Dach der Holzwerkstatt öffnet Freitag die erste Ausstellung. Sie ist überschrieben mit dem Titel „Liebe Liebe“. Das ist eine vom Kindermuseum Unikatum in Leipzig konzipierte interaktive Schau. Sie richtet sich nicht nur an junge Leute. Ausgehend davon , dass die Liebe die Menschen ein Leben lang begleitet und kein Alter kennt, möchte die vom Bundesfamilienministerium geförderte Ausstellung die ganz unterschiedliche Darstellung dieses großen Gefühls zeigen.

Annegret Hänsel vom Kindermuseum hat die Ausstellung als ein Rollenspiel aufgebaut und auch persönliches eingebracht wie die Liebesbriefe ihrer Großmutter. Die hat sie vor 90 Jahren mit viel Fantasie und Poesie zu Papier gebracht. „Als ein kleines Lehrstück für die heutige SMS-Generation“, sagt Annegret Hänsel.

Die Ausstellung im Turihallum ist zu den Öffnungszeiten des Freizeitparkes bis zum 30. Juli zu sehen.