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Ein neues Narrenhäusel

Die Neumarkt-Gesellschaft schlägt ein Pendant zum Blockhaus vor.

© Sammlung Holger Naumann

Von Bettina Klemm

Der Hofnarr Joseph Fröhlich war am Hofe von August dem Starken eine schillernde Figur. Heutzutage schlüpft Matthias Christian Schanzenbach gern in diese Rolle. Nun schlägt er vor, das einstige Wohnhaus von Fröhlich wieder zu errichten. Die Gesellschaft historischer Neumarkt Dresden greift die Idee auf. Zu ihrer Jahreshauptversammlung haben die Mitglieder jetzt einstimmig beschlossen, sich für den Wiederaufbau des Narrenhäusels am Neustädter Elbufer einzusetzen.

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„Zur architektonischen Gestaltung könnte die Stadt einen Wettbewerb ausloben. Es ist aber ausdrücklich nicht die Rede von einem Wiedererrichten nach historischem Vorbild“, sagt Torsten Kulke. Wichtiger sei, so der Vorstand der Neumarkt-Gesellschaft, die Kubatur. Das Blockhaus auf der anderen Seite der Brücke sollte wieder ein Pendant erhalten.

Das Grundstück, auf dem sich heute ein Biergarten befindet, ist in städtischem Besitz. Kulke geht davon aus, dass sich private Bauherren für den Wiederaufbau des Narrenhäusels finden lassen. Die Investitionskosten schätzt er auf zwei bis drei Millionen Euro. Die Bebauung an dieser Stelle hätte eine enorme Bedeutung für die Blickbeziehungen von der Brühlschen Terrasse zum Neustädter Markt. „Der Wiederaufbau des Narrenhäusels würde zu ersten Korrekturen im Bereich des Neustädter Marktes führen“, erklärt Kulke. Erstmals seit Kriegsende sei dann das Wechselspiel zwischen Enge und Weite wieder erlebbar.

Ende der 1970er-Jahre hatte die Stadt eine kleine Bronzestatur an der Augustusbrücke aufgestellt. Das von Heinrich Apel geschaffene Kunstwerk soll an den Hofnarren und sein einstiges Wohnhaus erinnern. Schon damals, so Schanzenbach, habe er die Idee gehabt, das Haus wieder zu errichten. Nach der Wende wurde darüber auch schon einmal diskutiert. Damals aber gab es in der Stadt Vorstellungen, an dieser Stelle einen neuen Konzertsaal zu schaffen.

Joseph Fröhlich stammte aus bescheidenen Verhältnissen. Er kam mit seinen Taschenspielertricks an den sächsischen Hof. August der Starke fand einen Narren an dem Narren. Nachdem er 1733 gestorben war, beschäftigte sein Sohn Fröhlich weiter. So konnte der auch sein imposantes Gebäude mit den zwei angedeuteten Rundtürmen 1755 errichten lassen. Im Volksmund hatte es bald die Bezeichnung „Klein-Moritzburg“. Andere nannten das Gebäude auch „Brille“, wahrscheinlich wegen der achteckigen Vorbauten und dem dunklen Balkon. Fröhlich konnte sein Haus nur kurze Zeit genießen. 1756 begann der Siebenjährige Krieg. Als die Preußen Sachsen besetzten, floh der Hofnarr mit seiner Familie nach Marienmont in der Nähe von Warschau. Dort starb er am 24. Juni 1757.

Zu Beginn des 20. Jahrhunderts wurde das Gebäude unter Leitung von Stadtbaurat Hans Jakob Erlwein zu einer Gaststätte umgebaut. Legendär war die große Freiterrasse mit dem Blick auf die gegenüberliegende Elbseite mit dem Schloss. Im ersten Obergeschoss gab es ein Kaffeehaus, an dessen Zimmerdecken das höfische Leben dargestellt war. In den Etagen darüber waren Gaststätte und Bierstube.

Beim Bombenangriff im Februar 1945 wurde das Narrenhäusel zerstört. Der Name lebte zu DDR-Zeiten weiter, als sich dort in einem Flachbau eine Gaststätte befand. An den Wiederaufbau zu denken, sei ein günstiger Zeitpunkt, findet Torsten Kulke. Die Stadt will die Augustusbrücke sanieren. Die Arbeiten sollen im Sommer nächsten Jahres beginnen und 2018 beendet sein. Derzeit wird an der Neustädter Brückenrampe gearbeitet.

Unter der Bogengalerie befindet sich ein zehn Meter langes Keramik-Sgraffito. Das Kunstwerk zeigt die Geschichte der Elbe-Schifffahrt. Nach der Sanierung soll die Augustusbrücke verkehrsberuhigt werden. Da das Narrenhäusel halb auf dem Gehsteig stand, müssten die Entscheidungen zum Wiederaufbau vor Sanierungsbeginn der Brücke fallen.

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