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Ein Radebeuler hilft Erdbebenopfern

Mit einer Drohne befliegt Steven Bayer beschädigte Gebäude in Mexiko. Wo er im Einsatz ist, werden Menschen gerettet.

© privat

Radebeul/Mexiko. Ein Erdbeben der Stärke 7,1 erschütterte am Dienstag um 13.14 Uhr Ortszeit Mexiko. Fast 300 Menschen kamen bei dem Beben bislang ums Leben. Bei dem Einsturz einer Schule in Mexiko-Stadt starben mehr als 20 Schüler. In der Nähe dieser Schule ist seit Freitag auch ein Radebeuler im Einsatz. Für die Hilfsorganisation I.S.A.R. Germany ist der der 38-jährige Geograf und Spezialist für Fernerkundung Steven Bayer vor Ort. Die SZ hat ihn auf dem Handy in Mexiko-Stadt erreicht.

Eines der Gebäude, die beim Beben am Dienstag komplett zerstört wurden.
Eines der Gebäude, die beim Beben am Dienstag komplett zerstört wurden. © dpa

Herr Bayer, wo stehen Sie gerade auf dem Foto?

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Wir stehen hier an einer Stelle, an der ein sechsstöckiges Gebäude eingestürzt ist und Menschen verschüttet wurden. Die Trümmer sind gerade weggeräumt worden.

Was genau tun Sie vor Ort in Mexiko-Stadt?

Ich bin bei I.S.A.R. Germany für die Lageaufklärung zuständig. Mit einer Drohne kann ich, wo diese einsetzbar ist, beschädigte Gebäude, deren Dächer und Fassaden abfliegen, fotografieren und so schnell ein genaues Bild über die Zerstörung erstellen. Das Retten von Menschen übernehmen die Mexikaner. Aber wir können ihnen sagen, wie einsturzgefährdet das jeweilige Haus ist, was von unten schwer zu beurteilen ist.

Wo sind Sie derzeit direkt im Einsatz?

Wir sind am Freitag den ganzen Tag in Mexiko-Stadt unterwegs. Es gibt bestimmte Stadtgebiete, wo mehr zerstört ist. Dort fahren wir hin, nachdem wir Hinweise und Anforderungen von den mexikanischen Behörden bekommen haben. Meine Kollegen von I.S.A.R. Germany haben außerdem ein Bioradar dabei. Damit können bis auf 25 Meter Entfernung Herztöne und Atmung von Menschen in Trümmern erspürt werden.

Wie ist der Eindruck der Zerstörung gewesen, als Sie mit dem Flugzeug angekommen sind?

Mexiko-Stadt ist sehr groß. Auf den ersten Blick sieht man wenig von der Zerstörung. In der Stadt selbst es dann anders. Man muss dazu wissen, dass die Stadt auf Inseln und Seen gebaut wurde. Die Gebäude, die auf Inseln stehen, haben einen festeren Stand. Die kritischen Gebiete sind die der ehemaligen Seen. Sehr aufgefallen ist mir, dass es eine Riesenhilfsbereitschaft der Leute gibt. Überall sind Sammelstellen, wo die Menschen Wasser und Lebensmittel bereitstellen für jene, die ihre Wohnung verloren haben. Überall hängen Schilder, womit die Leute aufgerufen werden, nicht mit dem Auto zu fahren.

Haben Sie schon Rettungsaktionen für Verschüttete beobachtet?

An unserer ersten Einsatzstelle, einem Bürogebäude, sind acht Männer und drei Frauen lebend geborgen worden. Wir waren auch an der Schule, die eingestürzt ist und wo leider auch Schüler tödlich verletzt wurden.

Wie sicher sind Sie selbst? Wo schlafen Sie? Es gibt ja noch immer die Gefahr von Nachbeben.

Normalerweise übernachten wir aus Sicherheitsgründen draußen. Das geht in Mexiko-Stadt nicht. Wir sind in einem sicheren Stahlbetongebäude untergebracht, welches nach dem Erdbeben 1985 sehr stabil errichtet wurde. Und das auch in einem Bereich steht, der eine Insel war. Unsere Baufachleute, die dabei sind, haben sich das vorher angeschaut. Das Gebäude hat auch jetzt keine Beschädigungen.

Wie sind Sie zur Hilfsorganisation I.S.A.R. Germany gekommen?

Ich bin über meine eigentliche Arbeit beim Deutschen Institut für Luft- und Raumfahrt zu I.S.A.R. Germany gelangt. Am Institut entwickeln wir für I.S.A.R. die Kameras für die Luftbildaufklärung. Und weil ich die Arbeit der I.S.A.R. so spannend finde, bin ich als ehrenamtliches Mitglied dort eingetreten. Für den Einsatz in Mexiko habe ich Urlaub genommen. Mindestens zehn Tage sind wir hier im Einsatz.

Wo sind Sie in Radebeul zur Schule gegangen?

Am Luisenstift. 21 Jahre habe ich in Radebeul gelebt. Herzliche Grüße an meine Eltern in Radebeul-Ost. Ich möchte gerne noch hinzufügen, dass sich I.S.A.R. zu 100 Prozent aus Spenden finanziert. Über Unterstützung würden wir uns freuen.

Interview: Peter Redlich