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Ein Rechtsanwalt auf Abwegen

Ein Angeklagter soll „Mörder“ an das „Marwa El-Sherbini“-Zentrum gesprüht haben. Sein Verteidiger verhöhnt nun das Mordopfer.

© Sven Ellger

Von Alexander Schneider

Der Dresdner Anwalt Jens Lorek hat offensichtlich ein neues Geschäftsmodell entwickelt. Der Mann, der sich schon als Pegida-Helfer mit fragwürdigen Zähl-Aktionen in grünen Tonnen gefiel, ist seit 2015 selbst Veranstalter von Demos gegen Asylunterkünfte, etwa in Freital und Heidenau. Wenn dann Teilnehmer Strafverfahren bekommen, etwa wegen Hitlergrüßen, Beleidigungen oder Hasskommentaren, ist Verteidiger Lorek zur Stelle. Es gibt viel zu tun, die Geschäfte laufen gut.

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Seit Freitag steht ein Dresdner (40) vor dem Amtsgericht Dresden, der Ende November 2015 „Mörder“ auf das „Marwa El-Sherbini“-Kultur- und Begegnungszentrum eines islamischen Vereins in der Marschnerstraße geschmiert haben soll. Loreks Strategie ist wieder: Alles abstreiten.

Eine Frau hatte den Täter nachts beobachtet, wie er den 3,50 mal 1,10 Meter großen Schriftzug sprühte, rief die Polizei und verfolgte ihn. Sie hatte ihn zwar kurz aus den Augen verloren, doch die Beamten fanden einen Verdächtigen, auf den ihre Beschreibung passte und der auch noch eine Dose mit schwarzer Farbe in seinem Rucksack hatte. Hinzu kommt, dass der 40-Jährige wegen islamfeindlicher Beleidigungen vorbestraft ist.

Was macht Verteidiger Lorek? Er fragt im Prozess ohne eine Spur von Respekt wörtlich: „Marwa El-Sherbini – ist das die Frau, die hier im Gericht abgestochen wurde?“ Die 31-jährige Muslima aus Ägypten wurde am 1. Juli 2009 im Landgericht Dresden gezielt von einem Mann ermordet, gegen den sie zuvor als Zeugin ausgesagt hatte. Und nun wird das Kulturzentrum, das ihren Namen trägt, wieder angegriffen. Die Justiz hat noch viel Arbeit vor sich. Der Prozess wird fortgesetzt.