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Ein schlechter Tag für die Angeklagte

Der Vater des gemeinsamen Kindes erzählt als Zeuge im Landgericht, wie seine Ex-Freundin Anne-Kathrin Hartmann getickt und ihn mit dem Tod bedroht hat.

© Frank Thümmler

Von Frank Thümmler

Görlitz/Niesky. Stimmt die Anklage, dann hat der 24-jährige Mann aus Schöpstal großes Glück, dass er im Prozess wegen Mordes am ebenfalls 24-jährigen Philipp W. aus Niesky überhaupt aussagen kann. Denn, so wirft es Oberstaatsanwalt Sebastian Matthieu den beiden Angeklagten Stephan Kuhring (34) und Anne-Kathrin Hartmann (24) vor, nach dem von Kuhring inzwischen gestandenen Mord an Phillip W. sollte der Schöpstaler das nächste Opfer werden. Er ist Vater eines gemeinsamen Kindes mit der Angeklagten. Um dieses Kind ging es laut Anklage und Geständnis von Kuhring die ganze Zeit. Philipp W. wurde demnach umgebracht, um Geld und Auto zu besorgen, der Schöpstaler sollte mitsamt Sohn überfallen und entführt, nach Tschechien verschleppt und dort hilflos an einen Baum gefesselt hinterlassen werden. Dazu kam es nur deshalb nicht, weil die beiden Angeklagten zuvor verhaftet wurden. So schildert es die Anklage.

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Über zwei Stunden sagte der Schöpstaler am Dienstag im Landgericht als Zeuge aus. Anne-Kathrin Hartmann vermied jeglichen Blickkontakt zum Vater ihres Sohnes, verbarg ihr Gesicht hinter Haaren und Händen. Gutes über sie zu berichten hatte ihr Ex-Freund, der als Elektroniker arbeitet und den Sohn allein aufzieht, auch nicht. Viel schlimmer: Was er erzählte, stützte die Anklage und verstärkte die schon erheblichen Zweifel daran, dass ihr Tatanteil an dem schrecklichen Mord ein relativ kleiner sein könnte. Ihr Ex-Freund beschrieb die Angeklagte als eine junge Frau ohne Arbeit und ohne den Antrieb, zu arbeiten. „Ich habe ihr zwei Jobs auf 450-Euro-Basis besorgt, die aber nach nicht einmal zwei Monaten wieder zu Ende waren, weil sie damit überfordert war.“ Kennen gelernt habe er sie 2011, ab 2012 gab es eine Beziehung. Es sei eine wechselhafte Beziehung gewesen. „Wir waren mal zwei Monate zusammen, dann hatte sie wieder jemand anderen, verschiedene“, erzählt der Schöpstaler. Im Nachhinein sei ihm klar, dass Anne-Katrin Hartmann sich immer wieder jemanden suchte, der sie aushielt. Sie habe seines Wissens über kein eigenes Einkommen verfügt, lebte mit von dem Geld ihrer Mutter. Und er als Auszubildender kam finanziell schnell an seine Grenzen. „Immer, wenn es deswegen Streit gab, fühlte sie sich plötzlich zu jemand anderem hingezogen. Aber es hat nicht lange gedauert, da hat sie mich angerufen, weil sie es mit dem neuen Typen nicht mehr aushält. Sie hat dann eine Opferrolle gespielt und auf Mitleid gesetzt“, sagt der Schöpstaler, der heute selbst nicht versteht, wie er immer wieder zu ihr zurückkehrte.

Im Januar 2015 kam es dann zu einer nicht geplanten Schwangerschaft. Nach einem Streit über Zigarettenkonsum und die Zukunftsplanung seien die beiden getrennt gewesen. Erst nach der Geburt des Kindes im September habe man wieder Kontakt gehabt und sei sich nähergekommen. „Ich habe gehofft, jetzt hat es bei ihr Klick gemacht, aber dem war nicht so“, sagte der Schöpstaler im Gerichtssaal. Sie habe wieder mit dem Crystal-Konsum angefangen und sei mit dem Kind überfordert gewesen. Es kam zur endgültigen Trennung. Sie hatte das alleinige Sorgerecht. Später habe sie ihn erpresst, dass er seinen Sohn nur zu sehen bekomme, wenn es finanzielle Gegenleistungen gibt. Im Lauf der Zeit habe er ihr geschätzt 3000 Euro gegeben. Nach einer Anzeige bei der Polizei wegen Nötigung habe man sich auf ein Besuchsrecht geeinigt. „Zudem war sie ja sowieso völlig überfordert. Ich musste trotzdem mehrmals meine Schicht abbrechen, um das Kind von ihr zu holen“, sagt er. Als dann das Jugendamt einen Tipp vom Jobcenter bekam, dass ihre Wohnung offen stehe und leer sei, bekam er das alleinige Sorgerecht.

Da begannen die Drohungen. Zunächst, ihn verprügeln zu lassen oder Drogen auf seinem Grundstück zu verstecken und die Polizei zu informieren. Später gegen sein Leben: „Ich zünde Dir das Haus an, egal ob unser Sohn da ist. Ich lasse Dich verschwinden. Das letzte, was Du sehen wirst, wird mein Gesicht sein.“ So schildert es der Schöpstaler. Weihnachten 2016 gab es, so erzählt er weiter, eine Eskalation. Sie tauchte mit Kuhring bei ihm auf, wollte das Kind mitnehmen, was er ablehnte. Noch vor Silvester folgte ein Treffen in einer Kodersdorfer Wohnung, wo sie ihm direkt drohte: „Eigentlich wollte ich Dich heute umbringen. Das Messer liegt schon im Nebenzimmer. Aber heute lasse ich Dich noch mal laufen.“ Der geschockte Schöpstaler verließ mit seinem Sohn die Wohnung, ging zur Polizei und erreichte eine Kontaktsperre. Seitdem habe Funkstille geherrscht, sagt der Schöpstaler.

Laut Stephan Kuhrings schon getätigter Aussage verbrachten er und Anne-Kathrin Hartmann den Januar 2017 überwiegend im Drogenrausch. Am 5. Februar musste Philipp W. sterben. Die Verhandlung wird diesen Mittwoch fortgesetzt.