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Ein Schock für die Stadt

Völlig unerwartet ist Meißens Domkantor Jörg Bräunig im Alter von 49 Jahren verstorben.

© Claudia Hübschmann

Von Udo Lemke

Meißen. „Aber ich habe ja noch vor kurzem mit ihm im geprobt.“ So wie Geigenbaumeisterin Caroline Zillmann reagierten alle, die mit der Nachricht konfrontiert worden sind, dass Domkantor Jörg Bräunig am Freitagmorgen gestorben ist: fassungslos.

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In der Dresdner Dreikönigskirche, wo gegenwärtig die Herbstsynode der evangelischen Landeskirche tagt, geht Georg Krause ans Handy. Der Vorstand der St.-Afra-Kirchgemeinde, der seit fast vierzig Jahren im Domchor singt, spricht von einem unbeschreiblich schmerzlichen Verlust. Natürlich stehe erst einmal die Not der Familie – Jörg Bräunig hinterlässt Frau und drei Kinder – im Vordergrund. „Alle, die Jörg Bräunig kannten, haben ihn als einen tief gegründeten, gläubigen Mann kennengelernt.“ Als eine musikalische Begabung, als jemand, der für die Musik begeistern konnte, der ansteckend, gerade auch auf junge Leute, wirkte. „Es ist ein fröhlicher Mensch gewesen, ein fleißiger, ehrlicher Arbeiter in seinem Beruf.“

Jörg Bräunig wurde 1969 in Olbernhau im Erzgebirge geboren. 1988 begann er ein Studium der Kirchenmusik an der Hochschule für Kirchenmusik in Dresden, das er 1992 abschloss. Es folgte ein dreijähriges Aufbaustudium an den Hochschulen für Kirchenmusik in Heidelberg und Halle. Von 1995 bis Juni 2009 war er Kantor und Organist an der St. Laurentiuskirche Auerbach im Vogtland, und seit 1999 wirkte er als Kirchenmusikdirektor für den Kirchenbezirk Auerbach. Im Alter von vierzig Jahren, wurde er 2009 als Kantor und Organist an den Dom zu Meißen gerufen.

„Er hat die Dommusik in ein modernes, offenes Licht gerückt“, so fasst Caroline Zillmann die neue Qualität, die Jörg Bräunig für Meißen bedeutete. Und Ludwig Güttler, gerade im Aufbruch zu einem Konzert begriffen, charakterisiert ihn so: „Jörg Bräunig gehörte zu jener Schar verantwortungsbewusster und kommunikativ handelnder Kirchenmusiker, die weit über den eigenen Kirchturm hinausblickten.“ Darin bestehe sein Vorbildcharakter. Die persönliche Zusammenarbeit beschreibt er als große Übereinkunft: „Es bedurfte keinerlei erklärender Worte zwischen uns, es gab eine Basis der Selbstverständlichkeit – das habe ich so an ihm geschätzt.“

Das Hochstift Meißen, dem Jörg Bräunig als Domkantor zugehörte, zeichnet berufliche Stationen nach: Das besondere Interesse Jörg Bräunigs galt der historischen Aufführungspraxis der Musik des 17. und 18. Jahrhunderts. Er arbeitete als Dirigent und Continuo-Spieler mit dem Telemannischen Collegium Michaelstein, der Vogtland Philharmonie, der Chursächsischen Philharmonie Bad Elster, der Elbland Philharmonie Sachsen, dem Barockensemble Stella Maris, der Capella de la Torre und dem Dresdner Barockorchester zusammen. Konzertreisen als Organist und Dirigent führten ihn durch Deutschland sowie nach Polen und die Niederlande. Weiterhin wirkte er bei CD-Aufnahmen sowie Produktionen für Radio und Fernsehen mit.

Dompropst Andreas Stempel spricht für das Hochstift, wenn er sagt: „Wir stehen noch alle unter Schock und können den plötzlichen Tod unseres Domkantors Jörg Bräunig nicht fassen. Mit ihm verliert das Hochstift Meißen einen außergewöhnlich talentierten Chorleiter, Dirigenten, Organisten und Komponisten, dazu einen Menschen mit ungewöhnlich freundlicher und motivierender Ausstrahlung.“ So wie er, drückt auch Oberbürgermeister Olaf Raschke, der die Nachricht vom Tod Jörg Bräunigs im Urlaub empfing, seine tiefe Trauer und die Verbundenheit mit seiner Familie aus. „Mit ihm verliert die Stadt nicht nur einen herausragenden Domkantor und Organisten, sondern vor allem einen zugewandten Menschen voller Herzenswärme und Menschenfreundlichkeit, der das kulturelle Leben Meißens nicht nur im Rahmen seiner beruflichen Tätigkeit über die Maßen bereichert hat.“

Georg Krause spricht wohl für alle, die mit Jörg Bräunig arbeiteten, lebten und vor allem musizierten: „Der Schmerz ist groß – er gehört uns allen.“