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Ein Schokoherz für den Olympiahelden

Nico Walther wurde in Freital empfangen. Dort musste der Oberbärenburger Bobpilot aber auf sein Team verzichten.

© Karl-Ludwig Oberthür

Von Stephan Klingbeil

Großes Glück kann so klein sein

Hellwach oder im lieblichen Schlummer zeigen sich die süßen Babys. In unserer Themenwelt Stars im Strampler gibt es den Nachwuchs zu sehen.

Freital. Verschnupft, aber glücklich: Vize-Olympiasieger Nico Walther vom BSC Sachsen Oberbärenburg ist zurück in seiner Heimat. Die Freudentränen sind getrocknet. Die Anspannung ist weg. Und der Jetlag ist halb so schlimm, sagt er. Nervig sei nur der Schüttelfrost. Der aus Altenberg stammende Bobpilot ist erkältet – wie einige andere aus dem deutschen Team auch.

Andrea Dombois, die Schirmherrin der Boballianz, überreichte dem Vize-Olympiasieger ein Schokoherz.
Andrea Dombois, die Schirmherrin der Boballianz, überreichte dem Vize-Olympiasieger ein Schokoherz. © Karl-Ludwig Oberthür
Walther und seine Anschieber Kevin Kuske, Alexander Rödiger und Eric Franke jubeln in Südkorea (v.r.).
Walther und seine Anschieber Kevin Kuske, Alexander Rödiger und Eric Franke jubeln in Südkorea (v.r.). © dpa

Mit Teetrinken und Schlaf versucht sich der Dresdner zu erholen, während er peu à peu die über 600 Glückwunschnachrichten per Smartphone beantwortet. Nach der Ankunft am Dresdner Flughafen, in der Nacht zum Montag, hat er seine Wohnung nur einmal verlassen – am Mittwochabend, um nach Freital zu fahren. Auf Schloss Burgk wurde dem 27-Jährigen dort ein würdiger Empfang bereitet. „Den Termin wollte ich auf keinen Fall verpassen“, betont er.

Rund 50 geladene Gäste feierten hier ihren Olympiahelden. Sponsoren, Freunde, seine Familie, langjährige Wegbegleiter sowie Vertreter von Politik, SZ und Kreissportbund ehrten den Silbermedaillengewinner von Pyeongchang in dessen Geburtsstadt. „Wir haben mit Nico mitgefiebert, unterstützen ihn ideell wie finanziell, und wir wissen jetzt, dass in Freital Siegertypen geboren werden“, sagte Finanzbürgermeister Peter Pfitzenreiter (CDU) als er Walther einlud, sich noch vor Ort ins Goldene Buch der Stadt einzutragen. Auch Andrea Dombois, Vize-Präsidentin des Sächsischen Landtags und Schirmherrin des Bobteams Walther hob die Entwicklung von Walther und seinem Team hervor – und schenkte ihm ein Schokoherz mit Pralinen.

Der Geehrte selbst ließ dann noch mal seine Erlebnisse bei den Winterspielen in Pyeongchang Revue passieren. Dort hatte er mit seinen Anschiebern Kevin Kuske, Alexander Rödiger und Eric Franke im Viererbob zeitgleich mit dem südkoreanischen Team und hinter seinem siegreichen Vereinskollegen, dem Pirnaer Francesco Friedrich, den zweiten Platz erreicht. „Nachdem der letzte Lauf noch mal richtig gut lief und es dann auch mit Silber geklappt hat, war da einfach nur Freude pur.“

Für ihn sei ein Lebenstraum in Erfüllung gegangen – nachdem er zuvor noch im Zweierbob Edelmetall als Vierter verpasst hatte – und das, obwohl er nach zwei von vier Läufen und trotz eines Sturzes auf der Zielgeraden auf Goldkurs gelegen hatte. „Ich habe ihn danach umarmt, das hat ihm geholfen“, sagt Vater Rocco Walther, der mit seiner Frau nach Südkorea mitgereist war. „Und dann holt er die Medaille, das waren alles unglaubliche Emotionen.“

Ohne Edelmetall blieb indes Walthers Potsdamer Anschieber Christian Poser. Den hatte der WM-Dritte von 2017 für den Viererwettkampf „schweren Herzens“ an das am Ende achtplatzierte Team des Bayern Johannes Lochner abgegeben. In Freital fehlte Poser erkältet – genauso wie der beste Bobsportler aller Zeiten, Kevin Kuske, der seine Karriere nun beendet hat. Rödiger wurde derweil zeitgleich selbst in Oberhof mit Ehren empfangen. Und Franke trug sich am Mittwoch in seiner Heimatstadt Berlin ins Goldene Buch der Stadt ein. So war es dann Walther, der die Fahnen seines Teams auf Schoss Burgk hochhielt – und er hatte dort trotz Erkältung einiges zu erzählen. Außerhalb der Bobbahn habe er aber nicht viel gesehen. „Ich war auf die Rennen fokussiert, andere Wettkämpfe habe ich live bei minus 20 Grad vor Ort nicht verfolgt, sondern mir auch nur im Fernsehen angeschaut.“ Und angebliche Partys habe er im Olympischen Dorf keine mitbekommen. Überhaupt hätte er erst nach der Silberfahrt im Deutschen Haus gefeiert. „Da gab es das ein oder andere Bier, aber wir mussten am selben Tag nach dem Treffen im Deutschen Haus schnell Koffer packen, zur Abschlussfeier und dann mit dem Bus nach Seoul zum Flughafen“, sagt der Bundespolizist. So richtig genießen konnte Walther seinen bisher größten sportlichen Erfolg dort nicht. Das hole er jetzt nach.