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Ein Schritt zurück

Einige Händler gehen von den verlängerten Öffnungszeiten an den Sonnabenden wieder ab. Das sorgt beim Stadtwerbering für Aufregung.

© André Braun

Von Jens Hoyer

Döbeln. Ist der Einkaufssonnabend bis 14 Uhr schon wieder Geschichte? Ein halbes Jahr nach Einführung haben einige Döbelner Händler ihre Öffnungszeiten schon wieder reduziert. Ein Umstand, der die Vorsitzende des Stadtwerberings Grit Neumann in der Mitgliederversammlung am Dienstag dazu bewog, sehr emotional und erregt die Sinnfrage zu stellen. Nämlich, ob es einen Sinn hat, auf diese Weise überhaupt weiterzumachen. Neumann ist eine erklärte Streiterin für längere Öffnungszeiten an den Sonnabenden. Die Türen sollen nicht schon um 12 Uhr, sondern erst um 14 Uhr verschlossen werden. Sie selbst praktiziere das mit ihrem Friseurgeschäft schon seit 23 Jahren, sagte sie.

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Im September vorigen Jahres hatte eine Vielzahl von Mitgliedern für die Einführung längerer Öffnungszeiten an den Sonnabenden gestimmt. Der Stadtwerbering setzte ziemlich viel Geld ein, um diese Erweiterung bei den Kunden zu bewerben. „Wir können doch nicht das, was wir erst aufgebaut haben, nach so kurzer Zeit schon wieder mit Füßen treten“, sagte Neumann. Und noch ein Argument führt die Vorsitzende an: In Döbeln hat sich eine Steuerungsgruppe, in der der Stadtwerbering vertreten ist, intensiv mit Stadtmarketing beschäftigt. Die Strategie soll an diesem Donnerstag vorgestellt werden. „Die Stadt Döbeln soll eine Marke werden. Die Vision reicht bis 2025. Und wir als Händler schaffen es noch nicht einmal, die längere Öffnungszeit durchzuhalten. Es kann nicht sein, dass wir uns alle paar Monate zurückdrehen“, so Neumann.

Eine Händlerin klagte, dass die Öffnungszeiten von den Kunden nicht angenommen werden. Sie öffnet jetzt an den Sonnabenden nur noch bis 13 Uhr. Augenoptikerin Doreen Klein sprach sich dafür aus, langen Atem zu beweisen. „Es dauert Jahre, bis die längeren Öffnungszeiten in den Köpfen der Leute drin sind“, sagt sie und bringt als Beispiel den Bauernmarkt in Klosterbuch, der auch erst sehr bescheiden gestartet ist und jetzt Kunden aus dem weiten Umland in Massen anzieht. „Wir müssen dem Kunden die Chance geben, zwei Stunden länger in Döbeln einkaufen zu können, damit er nicht nach Dresden fahren muss.“

Christian Roy, Leiter der Fielmann-Fiale, gab zu, dass er zuerst skeptisch gewesen sei. Seine Meinung habe er geändert. „Internethändler wie Amazon fressen den Handel auf. Wir können die Kunden nur durch Service binden. Der Kunde wünscht Beratung, das ist unsere Chance.“

Dass das Geschäft für die Einzelhändler immer schwieriger wird, hatte sich auch in der Weihnachtszeit gezeigt. Die verkaufsoffenen Sonntage im Advent waren nach Einschätzung von Grit Neumann schlecht gelaufen. „Die sind nicht mehr der Bringer“, sagte sie. Der Vorstand des Stadtwerberings schlägt den Händlern deshalb für dieses Jahr vor, ein „Weihnachtshopping“ am Wochenende 14., 15 und 16. Dezember zu bewerben. Am Freitag soll es dann schon verlängerte Öffnungszeiten geben. Die Händler diskutierten auch darüber, den „Black Friday“ Ende November zu nutzen, an dem in Deutschland vor allem der Internethandel Rabattaktionen startet. „In Döbeln hätte der Kunde den Vorteil, dass er sofort in der Hand hält, was er kaufen will“, sagte DA-Geschäftsführer Matthias Poch.

Vier verkaufsoffene Sonntage gibt es in Döbeln in diesem Jahr. Die Bedingungen dafür wurden verschärft. Laut höchstrichterlichem Spruch bedarf es eines „Anlasses“ für einen verkaufsoffenen Sonntag, sagte Grit Neumann. Am 15. April wird es deshalb ein „Frühjahrsfest der Schausteller“, einen Rummel in der Innenstadt geben. Am verkaufsoffenen Sonntag am 28. Oktober ist es demnach ein „Herbstfest der Schausteller“ geplant. In der Weihnachtszeit ist der Weihnachtsmarkt als Anlass ausreichend.

Potenzielle Kunden soll auch wieder der Autofrühling am 5. Mai in die Innenstadt locken. Dazu wird Fielmann zusätzlich ein „Sehmobil“ vor die Tür stellen, und das Modehaus Gaber und Damm plant eine Modenschau. „Ich bitte alle Händler, an diesem Tag bis 16 Uhr ihre Geschäfte zu öffnen“, so Grit Neumann.