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Ein Schulcampus mit Zauneidechse

Die geschützten Tiere erhalten einen eigenen Bereich. Auch die Anwohner sollen das alte Bahngelände künftig nutzen.

© Visualisierung: Stadt Dresden

Von Kathrin Kupka-Hahn

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Wie viel Platz brauchen Mülltonnen? Mit dieser Frage beschäftigte sich am Dienstagabend der Pieschener Ortsbeirat. Das Gremium hatte sich zu einer Sondersitzung getroffen, um über den Entwurf des Bebauungsplans für den neuen Schulcampus an der Gehestraße zu beraten.

Auf dem ehemaligen Containerbahnhof zwischen Erfurter und Harkortstraße plant die Stadt, für rund 62 Millionen Euro eine Oberschule, ein Gymnasium sowie zwei Turnhallen und ein Sportfreigelände zu errichten. Mehr als 1 800 Jungen und Mädchen aus Pieschen und Neustadt sollen ab dem Schuljahr 2018/19 auf diesem Campus unterrichtet werden. Beide Schulen sind fünfzügig geplant und bieten Platz für bis zu 1120 Gymnasiasten beziehungsweise 840 Oberschüler. Die Schulgebäude umfassen eine Fläche von rund 15 000 Quadratmetern und sind dreigeschossig vorgesehen. Lediglich die Mensa wird zweigeschossig gebaut und die Turnhalle am Gymnasium sogar nur eingeschossig.

Wann die Bauarbeiten für den Campus starten können, ist noch unklar. Bis zum Jahresende soll der Bebauungsplan beschlossen werden. Erst dann könne die konkrete Objektbebauung geplant werden, sagte Sabine Böcker vom Stadtplanungsamt, die den Entwurf den Ortsbeiräten vorstellte. Dieser sieht außer dem Schulcampus noch weitere Veränderungen auf dem rund 60 Hektar großen alten Bahngelände vor.

So soll entlang der Eisenbahnlinie, die künftig nur noch als Ausweichstrecke für Gütertransporte genutzt wird, ein Schutzstreifen für Zauneidechsen entstehen. Dieser ist notwendig, da sich die unter Naturschutz stehenden Tiere in den vergangenen Jahren auf dem Areal angesiedelt haben. Ihren Lebensraum wollen die Stadtplaner weitestgehend erhalten. Dafür werden in dem Schutzstreifen Sand und Steine aufgeschüttet und dieser zusätzlich mit einem Zaun gesichert, so Böcker.

Auch die Pieschener sollen den ehemaligen Güterbahnhof nutzen können. Für sie wird ein Grünzug mit Radweg parallel zur Gehestraße geplant, der von der Harkortstraße bis zur Erfurter Straße führt. Unterbrochen wird der Streifen von dem Kunstraum Geh 8 und dem ehemaligen Verwaltungsgebäude an der Erfurter Straße, das unter Denkmalschutz steht. Beide Objekte werden künstlerisch genutzt. Das soll laut Böcker auch so bleiben und um eine gastronomische Nutzung erweitert werden. Parallel dazu plant die Stadt, dass Vereine die Schulsportanlage und Turnhallen nutzen können.

Im Großen und Ganzen zeigten sich die Pieschener Ortsbeiräte mit dem Bebauungsplan zufrieden. Anlass zu Kritik gaben jedoch die zwei geplanten Mülltonnenstandorte. Einige Räte empfanden sie mit 200 Quadratmetern Fläche als zu groß angesetzt. Andere störten sich daran, dass durch sie sowie die geplanten Zufahrten und Parkplätze die Grünflächen unterbrochen werden. Deshalb verabschiedeten die Ortsbeiräte einen Zusatzantrag mit drei Festlegungen: Die Mülltonnenstandorte sollen auf ein Mindestmaß reduziert und möglichst nicht in dem Grünzug gebaut werden. Außer den drei nötigen Zufahrten sollen keine weiteren eingeplant werden. Pkw-Stellplätze sollen außerhalb des Geländes geschaffen werden. Außerdem sprachen sich die Räte dafür aus, dass ein Bürgergarten eingeplant wird, ähnlich wie der Pieschener Aprikosengarten.

Schließlich erkundigten sich die Ortsbeiräte nach den Verkehrsanbindungen für den neuen Schulcampus. Stadtplanerin Böcker verwies dabei auf den von den Dresdner Verkehrsbetrieben geplanten Ausbau der Haltestelle Liststraße. Dieser soll 2017 erledigt werden. Unbeantwortet ließ sie jedoch, wie die Stadt den zunehmenden Pkw-Verkehr rund um das Schulgelände regeln will. Die Anwohner beklagen jetzt schon fehlende Parkplätze.