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Ein schwerer Kampf

Immer mehr Frauen nehmen an Olympia teil. Doch bis zur Gleichberechtigung im Sport ist es ein weiter, steiniger Weg.

© dpa

Von Tobias Bach

In der Geschichte des Sports hatten Frauen stets schwer zu kämpfen. Medizinische Absurditäten und ein antiquiertes Geschlechterbild schienen lange Zeit scheinbar unüberwindbare traditionelle Schranken im Sport zu sein. Sie dienten als Legitimation der Sportarten- und Wettkampfverbote für Sportlerinnen.

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„Dass es weniger Frauen im Sport gibt, ist historisch gewachsen. Die Geschichte des modernen Sports begründet, dass er quasi von Männern für Männer erfunden wurde. Da, wo es noch Ungleichheiten gibt, finden jedoch mehr und mehr Angleichungen statt“, sagt Robert Gugutzer, Abteilungsleiter der Sozialwissenschaften des Sports der Universität Frankfurt am Main.

Gian Franco Kasper, Präsident des Ski-Weltverbandes FIS, störte sich offensichtlich lange an diesen Angleichungen. Während der Debatte, ob das Frauen-Skispringen 2010 olympisch werden sollte, wurde ihm der berüchtigte Spruch zugeschrieben, die Wucht des Aufsprungs zerstöre die Gebärmutter. Erst 2014 wurde die relativ junge Sportart olympisch. Auch 2018 in Pyeongchang durften die Frauen um Katharina Althaus nur von der Normalschanze starten, während Olympiasieger Andreas Wellinger auch von der Großschanze und im Teamwettbewerb Edelmetall gewann. „Es ist schade, dass wir bei so einem Großereignis nach nur einem Wettkampf wieder aufhören müssen. Ich könnte jetzt gut weitermachen“, sagte die 21-Jährige nach dem Gewinn der Silbermedaille und forderte erneut eine olympische Aufwertung des Frauen-Skispringens.

Mittlerweile steigt der Anteil der Sportlerinnen bei den Spielen kontinuierlich. In Südkorea waren immerhin schon 43 Prozent der Teilnehmer weiblich. Lediglich in der Nordischen Kombination fand kein Frauen-Wettbewerb statt. Bei den Sommerspielen in Tokio 2020 sollen Frauen nun sogar die Hälfte aller Starter stellen.

Vor einigen Jahrzehnten sah die Situation noch ganz anders aus: Bis in die 1950er-Jahre war die Medizin mit sonderbaren Argumenten der stärkste Gegner des Frauensports. Die Mediziner warnten vor den angeblich schädlichen Nebenwirkungen. Es wurde die Vermännlichung des Frauenkörpers, eine verlagerte Gebärmutter oder ein für die Geburt zu enges Becken befürchtet. Studien der positiven Auswirkungen des Sporttreibens auf die Gesundheit wurden ignoriert, die Frau sollte sich auf ihre Rolle als Ehefrau und Mutter konzentrieren.

Aufgrund dieser besonders im Sport verkrusteten, traditionellen Denkweise schreiben sich Männer eine Kompetenz zu, die faktisch aber nicht vorliegt und noch eklatanter ausfällt als in der Wirtschaft oder Politik. In den Führungsebenen des Sports sitzen weiterhin überwiegend ältere Herren fest in ihren Sesseln.

„Viele dieser Männer haben noch sehr traditionelle Vorstellungen von der Rollenverteilung. Für sie ist klar, einen Verband oder Verein zu führen, sei ein Männerding, weil es schon immer so war“, sagte Gugutzer. Entsprechend brauchte es 87 Jahre, bis die erste Frau im 1894 gegründeten Internationalen Olympischen Komitee (IOC) mitentscheiden durfte. Mittlerweile sind 30 der 100 IOC-Mitglieder weiblich.

Auch die Massenmedien legen ihren Fokus immer noch auf den Männersport, Sportlerinnen verdienen meist weniger Geld und liegen in Sachen Popularität oft noch weit zurück. Die Frau hat auf ihrem Weg zur vollständigen Gleichberechtigung im Sport noch einige Aufgaben vor sich, aber schon viele Schranken niedergerissen, die ihr in den Weg gestellt wurden. (sid)