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Ein Sieg für den toten Freund

Charles Leclerc kann nicht richtig jubeln, die Trauer um einen guten Kumpel ist zu groß. Sebastian Vettel erlebt in Spa eine weitere Enttäuschung.

Ferrari-Pilot Charles Leclerc (Mitte) war nicht nach Champagner zumute. Der zweitplatzierte Lewis Hamilton (l.) und Valtteri Bottas griffen zur Flasche.
Ferrari-Pilot Charles Leclerc (Mitte) war nicht nach Champagner zumute. Der zweitplatzierte Lewis Hamilton (l.) und Valtteri Bottas griffen zur Flasche. © Foto: dpa/Francisco Seco

Er zeigte mit dem Finger in den Himmel: Im Moment seines bisher größten Triumphs in der Formel 1 war Charles Leclerc mit den Gedanken vor allem bei seinem toten Freund Anthoine Hubert. An einem weiteren enttäuschenden Rennsonntag für seinen Ferrari-Teamkollegen Sebastian Vettel, der nur Vierter wurde, konnte der Monegasse seine Triumphfahrt zum ersten Karrieresieg beim Großen Preis von Belgien von der Pole Position aus nur mit verhaltener Freude genießen.

Knapp 24 Stunden nachdem Hubert im Rennen der Formel 2 verunglückt und danach gestorben war, nahm er seine erste Siegertrophäe mit einem Trauerflor entgegen. Auf eine Champagnerdusche mit dem Zweitplatzierten Lewis Hamilton und dem Drittplatzierten Valtteri Bottas von Mercedes verzichtete Leclerc auch, er nahm nicht mal einen Schluck aus der Magnum-Flasche. Den Sieg widmete er Hubert.

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„Es ist sehr schwer“, sagte Leclerc. „Ich kann meinen ersten Sieg nicht wirklich genießen, aber ich werde ihn für immer in Erinnerung behalten.“ Leclercs Ferrari war mit Huberts Schriftzug geschmückt. Nach den in der Schlussphase verpassten Siegen von Bahrain und Österreich nutzte Leclerc die dritte Pole seiner Karriere diesmal souverän und brachte die Kräfteverhältnisse bei Ferrari weiter ins Wanken.

Vettel verpasste sogar das Podest, die Siegloszeit geht weiter, der 52. und bis dato letzte Erfolg war dem 32-Jährigen vor gut einem Jahr in Spa gelungen. Im WM-Klassement hat Vettel nun 99 Punkte Rückstand auf den unangefochtenen WM-Spitzenreiter Hamilton. Der Weg zum sechsten Titel scheint aussichtslos zu sein. „Ich habe mich heute einfach schwergetan und nicht das Gefühl gefunden“, sagte Vettel.

Der Sieg für Leclerc sei schön fürs Team und den Kollegen, der eigene Eindruck sei aber der, der am stärksten durchdringe. „Natürlich bin ich mit meiner Leistung nicht zufrieden“, sagte der Hesse und ergänzte klar: „Ich war nicht in der Lage, da vorne mitzumischen.“

Als normales Rennen wird dieser Große Preis nicht in Erinnerung bleiben. Eine Absage hatte aber nicht zur Disposition gestanden. Bevor es losging, versammelten sich alle Piloten zu einer Schweigeminute um einen Helm Huberts. Dessen Mutter und Bruder kämpften hinter Sonnenbrillen mit den Tränen. Auch die Fahrer rangen um Fassung, vor allem für Leclerc war es hart, vor vier Jahren hatte er in Jules Bianchi schon einmal einen guten Freund infolge eines tödlichen Unfalls verloren. „Anthoine gestern zu verlieren, war ein großer Schock für mich“, sagte Leclerc.

Der tragische Unfall des französischen Nachwuchsfahrers hatte die gesamte Motorsportszene in einen Schockzustand versetzt. „Das Schicksal ist brutal. Der Verlust ist unendlich. Anthoine, wir vermissen dich schon“, schrieb Huberts deutscher Formel-2-Kollege Mick Schumacher via Twitter. Hubert wurde nur 22 Jahre nur alt.

„Alle Fahrer riskieren ihr Leben, sobald sie auf die Strecke gehen. Das muss mit mehr Ernsthaftigkeit anerkannt werden“, schrieb Hamilton in einem emotionalen Post bei Instagram und ergänzte: „Antoine ist für mich ein Held, weil er dieses Risiko eingegangen ist, um seine Träume zu verwirklichen.“

Es sei eine brutale Erinnerung, wie gefährlich dieser Sport noch immer sei, betonte Ferrari-Teamchef Mattia Binotto: „Das ist auch der Grund, warum wir unermüdlich an der Erhöhung der Sicherheit arbeiten müssen.“ Red-Bull-Teamchef Christian Horner sagte: „Es ist auch eine Erinnerung daran, wie grausam Motorsport manchmal sein kann.“

Huberts Unfall ereignete sich am Samstagnachmittag im Hauptrennen der Formel 2, in der seit diesem Jahr auch Mick Schumacher antritt. Hubert verlor in einer unübersichtlichen Situation mit mehreren Fahrzeugen aus noch ungeklärter Ursache die Kontrolle über sein Fahrzeug. Er krachte in die Begrenzung und wurde mit seinem Wagen zurück auf die Strecke geschleudert. Dort raste mit voller Wucht der 20 Jahre alte Amerikaner Juan Manuel Correa in den querstehenden Wagen von Hubert. Die 620 PS starken Autos sind an dieser Stelle bis zu 270 Stundenkilometer schnell. Die Unfallstelle glich einem Trümmerfeld, der Asphalt war übersät von Autoteilen. Rettungskräfte eilten herbei.

Der Motorsport-Weltverband FIA erklärte, dass Hubert um 18.35 Uhr im medizinischen Zentrum an der Rennstrecke gestorben war. Er konnte nicht mehr in ein Krankenhaus gebracht werden. Der Zustand des in Ecuador geborenen Correa ist stabil. Er zog sich Brüche an beiden Beinen sowie eine kleinere Wirbelsäulenverletzung zu, wurde im nahen Lüttich operiert und befindet sich derzeit auf der Intensivstation. Er hatte keine Chance gehabt, dem Wagen von Hubert auszuweichen.

Am Sonntag bekamen die Formel-1-Fahrer von einer weiteren ergreifenden Szene kaum etwas mit. Zu Ehren Huberts standen die Zuschauer in der 19. Runde auf und applaudierten – der tödlich Verunglückte trat in der Formel 2 mit der Nummer 19 an. (dpa)